Gerd Müller (CSU), Entwicklungsminister. | dpa

Reaktionen auf Klimagipfel Scharfe Kritik an bisherigen Beschlüssen

Stand: 06.11.2021 13:13 Uhr

Von "absolut unzureichend" bis "lächerlich": Entwicklungsminister Müller und Aktivisten haben die Zwischenergebnisse des Klimagipfels in Glasgow scharf kritisiert. Zuversichtlicher zeigte sich Umweltministerin Schulze.

Zur Halbzeit der Weltklimakonferenz in Glasgow haben Politiker und Beobachter aus Deutschland eine gemischte Zwischenbilanz gezogen. Der geschäftsführende Bundesentwicklungsminister Gerd Müller kritisierte die bisherigen Verhandlungsergebnisse. "Die sich abzeichnenden Beschlüsse reichen nicht aus, das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen", sagte der CSU-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Auch die Unterstützungsangebote für ärmere Länder seien "absolut unzureichend zur Anpassung an den bereits stattfindenden Klimawandel".

Diese Länder und der afrikanische Kontinent dürften nicht die Verlierer des Klimawandels sein, mahnte Müller. Sie trügen die Hauptlast der Erderwärmung und ihre Konsequenzen - Millionen Menschen hätten hier durch den Klimawandel bereits ihre Lebensgrundlage verloren. Es brauche daher einen Klima-Lastenausgleich.

Neubauer kritisiert "leere Reden"

Auch Klimaaktivistin Luisa Neubauer übte scharfe Kritik an den Gipfelergebnissen. "Wie erwartet dreht sich sehr viel um mehr oder weniger leere Reden", sagte die Mitorganisatorin der Initiative "Fridays for Future" der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Das Abkommen zum Schutz der Regenwälder symbolisiert eher, was hier schiefläuft: dass man sich auf Abkommen einigt, deren Ziele viel zu weit in der Zukunft liegen, und ohne konkreten Plan, wie sie eingehalten werden." Weitere neun Jahre Rodungen abzunicken sei "lächerlich, denn die Entwaldung muss natürlich sofort gestoppt werden".

Auch die Übereinkunft zur Methan-Reduzierung sei nicht radikal genug, um die globalen Klimaziele einzuhalten, sagte Neubauer, die sich derzeit selbst in Glasgow aufhält. "Während man sich hier einigt, Methan zu reduzieren, wird gleichzeitig auch von der Bundesregierung über die Expansion von Gas-Infrastruktur gesprochen. Auch in der EU. Dabei ist Gas einer der größten Treiber von Methan, einem der gefährlichsten Treibhausgase, die es gibt."

Schulze: Keine "Spontan-Rettung der Welt"

Zuversichtlicher zeigte sich die geschäftsführende Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Die SPD-Politikerin wird in der kommenden Woche selbst nach Glasgow reisen. Das 1,5-Grad-Ziel sei immer noch erreichbar, sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "So viel, wie sich in den letzten Jahren beim Thema Klimaschutz bewegt hat, können wir es schaffen, die 1,5 Grad in Reichweite zu halten." Es komme darauf an, dass die USA lieferten, was sie versprochen hätten, und dass China sich mehr zutraue als bisher zugesagt.

Bei den laufenden Verhandlungen gelte es, das Regelbuch für das Paris-Abkommen endlich abzuschließen, so Schulze. "Globaler Klimaschutz lebt vom Vertrauen, dass alle mitmachen und sich an die Regeln halten." So fehlten unter anderem noch Passagen zu Berichtspflichten oder zu den Regeln beim Emissionshandel. Man könne von einer Klimakonferenz nicht "die Spontan-Rettung der Welt" erwarten. Aber die Welt werde dem 1,5-Grad-Ziel nach Glasgow einige Schritte näher sein als zuvor: Als positives Zeichen nannte sie das neue Klimaneutralitätsziel für 2070, das Indien sich gegeben habe.

Scholz plant "Klimaclub"

Unterdessen sieht SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz Fortschritte bei der von ihm angestrebten Gründung einer internationalen Allianz für den Klimaschutz. "Wir sind auf einem guten Weg und erhalten viel Zuspruch", sagte der geschäftsführende Bundesfinanzminister der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Sein Plan für einen Klimaclub sei beim G20-Treffen der führenden Industrieländer am vergangenen Wochenende in Rom auf positive Resonanz gestoßen. "Die Gespräche in Rom zeigen mir, viele haben verstanden, dass es sich lohnt, die internationale Zusammenarbeit im Rahmen eines Klimaclubs zu stärken." US-Präsident Joe Biden habe deutlich gemacht, dass die Vereinigten Staaten wieder auf internationale Kooperation setzten.

Die SPD führt derzeit Gespräche mit den Grünen und der FDP über die Bildung einer Ampel-Koalition, in der Scholz das Kanzleramt übernehmen soll. Der Klimaclub soll zahlreiche Länder motivieren, beim Klimaschutz gemeinsam voranzugehen, um Nachteile für Unternehmen zu vermeiden. "Dieser offene und kooperative Club definiert gemeinsame Mindeststandards, bringt den Klimaschutz international koordiniert voran und stellt sicher, dass Klimaschutz international ein Standortvorteil ist", hatte Scholz bei der Vorstellung seiner Pläne im August gesagt.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 06. November 2021 um 13:00 Uhr.