Ein Landwirt bringt Gülle als Dünger auf einem Feld aus, Linden/Niedersachsen. | Bildquelle: dpa

Zu viel Nitrat im Grundwasser Umwelthilfe verklagt Niedersachsen und NRW

Stand: 20.11.2019 16:40 Uhr

In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen übersteigt die Nitratbelastung im Grundwasser teils das Dreifache des Grenzwertes. Die Deutsche Umwelthilfe hat nun Klage gegen die Regierungen beider Länder eingereicht.

Von Sabine Müller, ARD Hauptstadtstudio

Eines will Sascha Müller-Kraenner, der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, gleich zu Anfang klarstellen: "Diese Klage richtet sich ausdrücklich nicht gegen die Landwirtschaft und gegen die Landwirte, sondern sie richtet sich gegen die politischen Entscheidungsträger, die es seit Jahrzehnten versäumt haben, zu handeln."

Besonders deutlich zeigt sich das in dem Landstrich, um den es in der Klage konkret geht: die Ems-Region, wo das Grundwasser durch Überdüngung auf zwei Dritteln der gesamten Fläche in schlechtem Zustand ist. Erlaubt sind 50 mg Nitrat pro Liter, teilweise sind es aber deutlich mehr als drei Mal so viel.

Bei der Klage setzt die Umwelthilfe auf eine bewährte Methode: Sie fordert vor Gericht, dass Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen einen konkreten Maßnahmen-Katalog vorlegen, um die Grenzwerte einzuhalten. "Insofern ähnelt die hier verfolgte Klagestrategie der der Luftreinhalteklagen in den Städten", sagt Anwältin Caroline Douhaire.

Massiver Umbau der Landwirtschaft gefordert

Damit die Nitrat-Werte im Grundwasser in der Ems-Region sinken, fordert die Umwelthilfe einen massiven Umbau der Landwirtschaft mit mehr Bio-Landbau und deutlich weniger Tieren pro Hektar. Nach ihren Berechnungen müssten in der Region pro Jahr 25 Millionen Masthühner weniger geschlachtet werden und 370.000 Mastschweine weniger.

Die Behörden auf Landes- und Bundesebene versagen, beklagen die Umweltschützer, und die Kosten dafür seien hoch. Für die Umwelt, aber auch für den Verbraucher, sagt Olaf Bandt vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), dessen Organisation die Klage unterstützt: "Im Moment beziffern die Wasserwerke bundesweit einen Aufwand von 767 Millionen Euro, um das Nitrat aus dem Grundwasser zu entfernen, weil das für Trinkwasser ungeeignet ist." Letztlich badeten die Verbraucherinnen die Misere mit der Wasserrechnung aus.

Urteil erst in zwei Jahren erwartet

Eine harsche erste Reaktion kam aus Nordrhein-Westfalen: Umweltministerin Ursula Heinen-Esser erklärte, sie könne die Klage absolut nicht nachvollziehen:

"Seit Monaten arbeiten wir an nichts anderem als an Maßnahmen, um die Nitratbelastung tatsächlich zu senken. Und dass die Landwirte hier zu Hunderten, zu Tausenden auf die Straße gehen, hat etwas damit zu tun, dass hier an diesen Maßnahmen gearbeitet wird. Welchen positiven Effekt jetzt eine solche Klage hat, das entzieht sich völlig meinem Verständnis."

Die Umwelthilfe hält die Klage für notwendig, weil sie fest davon ausgeht, dass bei den laufenden Verhandlungen nicht genug herauskommen wird, um die Grundwasserbelastung tatsächlich deutlich zu senken. Nach der heutigen Klageeinreichung rechnet die Organisation damit, dass es zwei bis zweieinhalb Jahre dauern wird, bis ein endgültiges Urteil vorliegt.

Nitrat im Grundwasser - Umwelthilfe verklagt Niedersachsen und NRW
Sabine Müller, ARD Berlin
20.11.2019 13:03 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 20. November 2019 um 12:25 Uhr.

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