Franziska Giffey | Bildquelle: dpa

Kinderbetreuung Giffey rechnet mit Kita-Lockerungen im Mai

Stand: 06.05.2020 09:27 Uhr

Nach wochenlanger Kinderbetreuung zu Hause sorgen sich viele Eltern, dass Kitas erst nach den Sommerferien wieder öffnen. Auch Kinderärzte und Bildungsexperten fordern mehr Tempo. Familienministerin Giffey macht nun Hoffnung.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey hat erklärt, sie rechne mit einer schrittweisen Öffnung von Kitas im Mai. Eine bundesweit einheitliche Lösung könne es jedoch nicht geben, weil sich die Infektionszahlen in den einzelnen Ländern unterschiedlich entwickelten, sagte sie NDR info.

Die SPD-Politikerin forderte zudem, dass sich die Länderchefs auf einen Zeitplan für die schrittweise Öffnung der Kitas einigen sollten. Es müssten konkrete Zeitpunkte für die nächsten Stufen - also die erweiterte Notbetreuung und den eingeschränkten Regelbetrieb in den Kitas wie in der Kindertagespflege - festgelegt werden, sagte die Ministerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe.


Heute berät Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise. Lockerungen der Auflagen für Schulen und Kitas werden ebenfalls Thema sein sein. Ab dem 11. Mai sollen die Kitas bundesweit eine "erweitere Notbetreuung" anbieten, heißt es in dem zwischen Bund und Ländern ausgehandelten Papier.

Baerbock: Mammut-Aufgabe für Eltern

Auch Grünen-Chefin Annalena Baerbock sagte, sie erwarte eine "klare Zusage", dass jedes Kind in den nächsten Wochen zumindest stunden- oder tageweise noch in Kleingruppen in seine Kita oder Schule zurückkehren könne. Job plus Vollzeit-Kinderbetreuung sei für berufstätige Eltern eine Mammut-Aufgabe, die kaum über mehrere Monate zu stemmen sei, sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz, warnte vor falschen Prioritäten. "Es kann nicht sein, dass die Wiederöffnung der Bundesliga mehr öffentliche Aufmerksamkeit erhält, als Eltern und Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf", sagte die CDU-Politikerin der "Rheinischen Post". Dauerhaftes Homeschooling sei vor allem für Kinder aus bildungsfernen Familien und Elternhäusern mit geringen Deutschkenntnissen ein Problem. Es brauche "tragfähige Lösungen, wie Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf so bald wie möglich wieder in den Schulen unterrichtet werden können", mahnte Widmann-Mauz. "Sonst riskieren wir, dass diese Kinder abgehängt werden."

Ärzte kritisieren bundesweiten "Flickenteppich"

Auch der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, forderte ein rasches und auch bundesweit einheitliches Vorgehen. "Das mag Lehrern und Erziehern einiges abverlangen. Aber es ist allemal besser, als die Kinder in ihren vier Wänden verkümmern zu lassen. Und das würde passieren", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Fischbach kritisierte zudem den deutschlandweiten "Flickenteppich": "Es streiten nicht nur die Länderchefs untereinander, auch jeder Landrat und Bürgermeister bastelt sich eigene Regeln." Dadurch gehe wertvolle Zeit zum Schaden der Kinder und Jugendlichen verloren. "Seit Mitte März sind Millionen von Kindern von sozialen Kontakten ausgesperrt. Da muss man doch den Beweis antreten, dass das notwendig und sinnvoll ist", so Fischbach.

Kinderhilfswerk: Bedürfnisse der Kinder mehr beachten

Das Deutsche Kinderhilfswerk forderte, die Perspektive von Kindern und Jugendlichen zu stärken. Dafür brauche es ein spezielles Gremium, das politische Entscheidungen mit vorbereiten könnte. "Wir erleben aktuell eine grundlegende Geringschätzung gegenüber den Bedürfnissen von Kindern", kritisierte Präsident Thomas Krüger. Dies werde sich erst ändern, wenn Kinder und Jugendliche aktiv an politischen Entscheidungen beteiligt würden.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 06. Mai 2020 um 08:45 Uhr.

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