Kinder sind von hinten zu sehen, wie sie nebeneinander in einer Kita sitzen. | dpa

Studie zur Situation in Kitas Personalmangel wird schlimmer

Stand: 04.03.2020 16:14 Uhr

Die Personalsituation an deutschen Kitas hat sich laut einer Studie weiter verschlechtert: Demnach muss jede vierte Kita fast die Hälfte der Zeit mit zu wenig Personal arbeiten - und Fachkräfte sind kaum zu finden.

In deutschen Kindertagesstätten hat sich die Personalsituation weiter verschlechtert. Das geht aus einer repräsentativen Befragung von fast 2800 Kita-Leitern in Deutschland hervor. Jede vierte Kita-Leitung gab demnach an, in über 40 Prozent der Betreuungszeit mit zu wenig Personal gearbeitet zu haben. Im Vergleich zum Vorjahr sei das eine Steigerung entsprechender Rückmeldungen durch Kita-Leitungen um acht Prozent, kritisierte der Vorsitzende der Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann.

Nicht genügend Fachkräfte pro Kind

94 Prozent der Kitas haben nach Angaben der befragten Leitungskräfte für unter dreijährige Kinder eine Fachkraft-Kind-Relation, die hinter der wissenschaftlichen Empfehlung von 1 zu 3 zurückbleibt. Bei den über Dreijährigen verfehlen demnach 76 Prozent den statistischen Betreuungsschlüssel von 1 zu 7,5.

Kritisiert wurde auch das zum 1. Januar 2019 bundesweit in Kraft getretene "Gute-Kita-Gesetz": Es setze oft die falschen Prioritäten, da Familien zwar finanziell entlastet, aber zu wenig Mittel in die Einrichtungen investiert würden.

"Wie dramatisch die Situation ist, wird daran deutlich, dass viele Kitas regelmäßig und über lange Zeiträume mit so wenig Personal auskommen, dass nicht einmal mehr eine ordnungsgemäße Aufsichtsführung möglich ist", kritisieren die Autoren der Studie. Dies berge Sicherheitsrisiken für die Kinder und erhöhe das Haftungsrisiko der Kitas und ihrer Träger. Beckmann kritisierte: "Das Versagen der Politik ist schockierend und verantwortungslos."

Personal permanent überlastet

Als besonders problematisch bewerteten die Befragten die Überbelastung des Personals wegen des Fachkräftemangels. Daraus resultierten Krankheiten und häufige Fehlzeiten unter den Mitarbeitern. "Das erhöht wiederum die Arbeitsbelastung der verbleibenden Fachkräfte und gefährdet deren Gesundheit zusätzlich", erklärte Beckmann. Unter diesem "Teufelskreis" litten neben den Mitarbeitern auch die Kinder, denen so eine "verlässlich verfügbare Bezugsperson" fehle.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 04. März 2020 um 06:15 Uhr in den Nachrichten.

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KOMMENTARE

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MuschelnundMeer 04.03.2020 • 23:26 Uhr

Arbeitsrecht und Bildungsniveau

Je höher der Frauenanteil im Beruf desto höher die Ausfallquote durch Schwangerschaft und anschließend Kindererziehung. Diese Stellen kann man dann nur temporär als Elternzeitvertretung ausschreiben, weil die Frau zurückkommen kann und wird- ob nach ein paar Monaten oder Jahren weiß man nicht. Damit ist jede/r auf einer Vertretungsstelle in Kurzzeitverträgen, mit Damoklesschwert, dass die junge Mutter früher wiederkommt. Das ist nicht nur (planerisch) unattraktiv, sondern auch richtig familienschädlich für Erzieher*innen, z.B. wenn man einen Kredit fürs Haus möchte. Macht keine Bank mit. Ein Problem mit Azubis: die Noten von Bewerbern sind z.T. so schlecht, dass man die Personen als zukünftige Bildungsbegleiter von Kindern einfach nicht will, weil sie den Anforderungen z.B. in anspruchsvoller Entwicklungsdokumentation, Angeboten im naturwissenschaftlichen Bereich, Begleitung von Kindern mit Zusatzbedarfen etc. nicht zutrauen kann. Ein grundsätzliches Problem der deutschen Bildung.