Wanderer kämpfen sich gegen den Sturm auf den Brockengipfel. | Bildquelle: dpa

Sturmtief über Deutschland "Kirsten" pustet den Sommer weg

Stand: 26.08.2020 16:20 Uhr

Wind, Streckensperrungen, umgestürzte Bäume: Sturmtief "Kirsten" zieht über Deutschland und bringt ungemütliches Wetter mit sich. Die Bäume bieten dem Wind derzeit eine besonders große Angriffsfläche. Es gab Verletzte.

In großen Teilen Deutschlands sorgt Sturmtief "Kirsten" heute für Wind und ungemütliches Wetter. Teils mussten Straßen und Bahnstrecken gesperrt werden. Vereinzelt wurden auch Menschen von herabfallenden Ästen und Bäumen verletzt.

Dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge bieten die Bäume dem Wind derzeit eine große Angriffsfläche, weil sie noch voller Laub sind. Während im Winter Bäume normalerweise erst ab Windstärke 10 umstürzen, reiche im Sommer dafür oft schon Windstärke 9 mit etwa 80 Kilometern in der Stunde. Dazu komme in einigen Regionen die Trockenheit der vergangenen Wochen, die die Wälder sehr geschwächt habe. Laut DWD handelt es sich um die "erste herbstliche Sturmlage des Jahres".

Für den Tagesverlauf rechnen die Meteorologen mit stürmischen Böen oder Sturmböen in nahezu ganz Deutschland, die sich mit bis zu 89 Kilometern in der Stunde bemerkbar machen. Im Bergland sowie in einzelnen Tallagen sind auch schwere Sturmböen möglich, in exponierten Gipfellagen Orkanböen, hatte es am Morgen geheißen.

Strecken gesperrt, Zoos geschlossen

In Nordrhein-Westfalen mussten wegen umgestürzter Bäume Bahnstrecken bei Köln, Ennepetal und Dortmund gesperrt werden. Bei Dortmund-Aplerbeck ließ die Deutsche Bahn nach eigenen Angaben einen Nahverkehrszug evakuieren. Rund 100 Reisende mussten demnach den Regionalexpress verlassen, der wegen eines auf dem Gleis liegenden Baumes nicht weiterfahren konnte. In Bayern sperrte die Bahn am Vormittag die Strecke zwischen Fürth und Zirndorf in Mittelfranken für etwa eine Stunde - auch hier blockierte ein umgestürzter Baum die Gleise.

Im niederrheinischen Hünxe in NRW erlitt eine Autofahrerin leichte Verletzungen, als ihr ein Baum auf die Motorhaube fiel. Ein 14-jähriges Mädchen wurde in Paderborn laut Polizei von einem Ast getroffen und kam vorsorglich in ein Krankenhaus. In Kleve traf ein Ast einen Motorradfahrer.

Auf der Autobahn 44 kippte ein Lastwagen um, die Strecke in Richtung Aachen wurde gesperrt. Wegen der erhöhten Gefahr durch umstürzende Bäume blieben unter anderem der Zoo in Wuppertal und Wildparks in Köln und Düsseldorf geschlossen.

Nur wenige Schäden im Norden

In Erfurt schloss die Stadt den Hauptfriedhof sowie die Ortsteilfriedhöfe vorsorglich. Auf einem Friedhof sei bereits ein Baum abgebrochen, hieß es am Morgen vom Garten- und Friedhofsamt der Stadt. Auch in Hannover wurden Freiflächen und der Tiergarten geschlossen. Im südlichen Brandenburg gab es wegen umgestürzter Bäume mehrere Feuerwehreinsätze. Auf dem Brocken im Harz wurde der Spitzenwert von 131 Kilometern pro Stunde gemessen, wie DWD-Meteorologin Cathleen Hickmann sagte: "Das ist volle Orkanstärke."

Glimpflich kam zunächst der Norden davon: Obwohl "Kirsten" am Morgen vor allem in Ostfriesland und an der dortigen Nordseeküste kräftig wehte, habe es sehr wenige umgestürzte Bäume gegeben, sagte ein Sprecher der regionalen Rettungsleitstelle Ostfriesland. Trotz des Windes setzten große Fähren an der Nordseeküste zunächst ohne Einschränkungen zu den Ostfriesischen Inseln über.

Ökostromrekord in Deutschland

"Kirsten" half außerdem mit bei einem Ökostromrekord in Deutschland: Die für einen Sommer ungewöhnlich starken Böen trieben die Windräder auf See und an Land kräftig an, wie der Energieversorger Eon berichtete. Zugleich habe ein wolkenloser Himmel im Süden Deutschlands für viel Strom aus Solaranlagen gesorgt. Am Mittag erzeugten Windräder und Photovoltaikanlagen demnach in der Spitze mehr als 61 Gigawatt Strom - so viel wie noch nie.

Bevor das Sturmtief auf Deutschland getroffen war, hatte es in der Nacht - hier unter dem Namen "Francis" - den britischen Landesteilen England, Wales und Nordirland zu schaffen gemacht. Hunderte Häuser wurden überschwemmt, Bäume stürzten um und blockierten Bahnlinien. Camper und Senioren mussten von Rettungskräften in Sicherheit gebracht werden.

Großbritannien, Seaham: Eine riesige Welle bricht bei anhaltendem windigen Wetter an der Küste. | Bildquelle: dpa
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Auch in Großbritannien ist es noch windig - hier bricht eine riesige Welle bei Seaham an der Küste.

Erst Ruhe, dann "Lynn"

In Deutschland soll sich das Wetter am Donnerstag wieder beruhigen. "Kirsten" zieht dann laut DWD weiter in Richtung Baltikum, wo sich der Wind abschwächt.

Bereits am Freitag bringt Tief "Lynn" laut DWD erneut wechselhaftes Wetter nach Deutschland - allerdings wird hier deutlich weniger Wind erwartet.

Über dieses Thema berichtete NDR2 am 26. August 2020 um 16:00 Uhr.

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