Ein rotes Tuch verhüllt vor Ostern in der St. Michael Kirche in München das Kreuz vor dem Altar.  | dpa

Verzicht auf Präsenzgottesdienste Kirchen "überrascht" von Bitte der Politik

Stand: 23.03.2021 11:29 Uhr

Die Politik bittet darum, Gottesdienste an Ostern nur virtuell abzuhalten - das stößt bei den beiden großen Kirchen auf Befremden. Die katholischen Bischöfe kündigten an, nicht auf Präsenzgottesdienste verzichten zu wollen.

Die beiden großen Kirchen in Deutschland haben sich "überrascht" von der von Bund und Ländern formulierten Bitte nach ausschließlich virtuellen Gottesdiensten zu Ostern gezeigt. Die katholischen deutschen Bischöfe kündigten an, trotz der Beschlüsse an Ostern nicht auf Präsenzgottesdienste verzichten zu wollen.

"Ostern ist das wichtigste Fest für uns, Gottesdienste sind kein Beiwerk", erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing. "Zu Weihnachten haben wir gezeigt, wie wir mit Vorsicht Messe feiern können." Darauf wolle man an Ostern nicht verzichten. Dies werde man in Gesprächen mit der Politik einbringen.

EKD will nach Gesprächen beraten

Auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) zeigt sich befremdet vom beschlossenen Oster-Lockdown. "Der Beschluss des Corona-Gipfels hat uns sehr überrascht, zumal davon das wichtigste Fest der Christen betroffen wäre", sagt der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Die EKD werde sich in den von Bundeskanzlerin Angela Merkel angekündigten Gesprächen zunächst genau erläutern lassen, warum die bewährten Hygieneschutz-Maßnahmen, die alle Landeskirchen für ihre Gottesdienste haben, nun nicht mehr ausreichen sollen. "Anschließend werden wir in unseren Gremien beraten, wie wir mit der Bitte umgehen", sagt Bedford-Strohm.

Harter Lockdown ab 1. April

Bund und Länder hatten in der Nacht zum Dienstag einen harten Lockdown von Gründonnerstag (1. April) bis Ostermontag (5. April) beschlossen. Zu Gottesdiensten heißt es in dem Beschluss: "Bund und Länder werden auf die Religionsgemeinschaften zugehen mit der Bitte, religiöse Versammlungen in dieser Zeit nur virtuell durchzuführen." Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte nach den Beratungen betont, dass es sich um eine Bitte handele.

An Ostern feiern Christen ihr ältestes und wichtigstes Fest: die Auferstehung Jesu am dritten Tag nach dem Tod am Kreuz. Nach Möglichkeit wird in der Osternacht von Karsamstag auf Ostersonntag eigentlich das Sakrament der Taufe gespendet.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 23. März 2021 um 11:48 Uhr.