Papst Franziskus grüßt vom Apostolischen Palast aus zum ersten Mal seit der Corona-Sperre am Petersplatz wieder Gläubige, die nun in weiten Abständen voneinander standen. | dpa

Pfingsten zu Corona-Zeiten Kirchen rufen zu Solidarität auf

Stand: 31.05.2020 15:37 Uhr

Vertreter der Kirchen haben an Pfingsten zu Dialog und Zusammenhalt in der Corona-Krise aufgerufen. Auch "verschwörungstheoretische Verwirrtheit" war ein Thema. Der Papst war erstmals wieder am Petersplatz zu sehen.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat in seiner Pfingstpredigt die Notwendigkeit der Zusammenarbeit auf nationaler, europäischer und globaler Ebene betont. Diese sei wichtiger als je zuvor.

Er beobachte, dass das gesellschaftliche Klima immer gereizter werde und forderte dazu auf, anderen Menschen wirklich zuzuhören. Es sei zwar richtig gewesen, scharf zu reagieren auf Demonstranten, die bewusst und provokativ Abstandsregeln missachteten. Aber es sei genauso richtig, hinzuhören, was sie zu sagen haben - "in der ganzen Unterschiedlichkeit zwischen gut begründetem kritischen Einspruch und verschwörungstheoretischer Verwirrtheit", sagte der Theologe.

Bätzing kritisiert Anhänger der Verschwörungstheorien

Der Vorsitzende der Katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, rief die Kirche auf, sich mehr zu öffnen und sich den Menschen zuzuwenden. Pfingsten sei das Fest, das dazu ermutige und den Weg weise, sagte Bätzing in seiner Predigt im Limburger Dom.

Er verwies darauf, dass die Mehrheit der Bürger mit der zeitweisen Einschränkung der bürgerlichen Freiheiten im Zuge der Pandemie einverstanden gewesen sei. Allerdings gebe es auch "seltsame Koalitionen von völlig berechtigten Anliegen mit solchen von Esoterikern und Verschwörungstheoretikern, von rechten und linken Demonstranten", sagte der Limburger Bischof.

Marx: Um die Wahrheit ringen

Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx rief zu einer respektvollen Kommunikation auf. Man bekomme den Eindruck, "dass viele gar nicht mehr zuhören und verstehen wollen, sondern nur noch ihre Behauptungen und Positionen laut in die gesellschaftliche Debatte werfen", sagte der Kardinal im Münchner Liebfrauendom.

Immer wieder würden angebliche Wahrheiten behauptet, aber "es wird nicht gemeinsam um die Wahrheit gerungen", beklagte der frühere Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.

Papst ruft zur Gerechtigkeit auf

Papst Franziskus forderte einen Neuanfang für ein gerechteres Leben. Narzissmus, Pessimismus und Selbstmitleid seien Gefahren, diese Chance zu verspielen. Dies sei schlimmer als die gegenwärtige Krise, sagte Franziskus im Petersdom. Die Menschen müssten sich aus der Lähmung des Egoismus befreien.

Er hatte in der Corona-Krise die Menschen immer wieder dazu aufgefordert, sich auf mehr Gerechtigkeit zu besinnen. Er warnte zudem davor, dass viele in der Krise in die Armut rutschten.

Erstmals seit dem Corona-Lockdown sprach der Papst beim Angelus-Gebet auch wieder aus dem Fenster des Apostolischen Palastes zu den Gläubigen auf dem Petersplatz. Dort hatten sich mehrere Hundert Besucher versammelt. Die meisten trugen eine Schutzmaske und hielten sich an das Abstandsgebot.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 31. Mai 2020 um 14:10 Uhr.