Kippa auf dem Kopf eines Mannes | Bildquelle: dpa

Antisemitismus-Beauftragter Bürger sollen am Samstag Kippa tragen

Stand: 28.05.2019 05:11 Uhr

Kürzlich warnte der Antisemitismus-Beauftragte Klein Juden vor dem Risiko, in Deutschland die Kippa aufzusetzen. Nun rief er die Bürger auf, am Samstag Kippa zu tragen - als Zeichen der Solidarität.

Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hat die Bundesbürger dazu aufgerufen, am kommenden Samstag eine Kippa zu tragen. Es gehe darum, ein Zeichen der Solidarität mit Juden zu setzen und "für die uneingeschränkte Religionsfreiheit und gesellschaftliche Vielfalt" einzutreten, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Anlass sei der Al-Kuds-Tag, an dem in Berlin "wieder in unerträglicher Weise gegen Israel und gegen Juden gehetzt wird", sagte der Antisemitismus-Beauftragte. Er rief zur Teilnahme an einer Gegenveranstaltung zur Al-Kuds-Demo in Berlin auf. "Wenn Politik und Gesellschaft mit vereinten Kräften gegen Antisemitismus vorgehen, dann haben wir eine echte Chance, diesen Kampf zu gewinnen", erklärte Klein.

Demonstrationen am Al-Kuds-Tag

Al Kuds ist der arabische Name für Jerusalem. Der internationale Al-Kuds-Tag wurde Ende der 1970er-Jahre vom iranischen Revolutionsführer Ayatollah Khomeini ins Leben gerufen, um gegen die israelische Besatzung der Palästinensergebiete zu protestieren. Dabei werden immer wieder auch antisemitische Hassparolen laut. Im Iran ist der Al-Kuds-Tag ein Feiertag und wird regelmäßig für anti-israelische Demonstrationen genutzt. An dem jährlich stattfindenden Al-Kuds-Marsch in Berlin beteiligen sich unter anderem Hamas- und Hisbollah-Sympathisanten, Neonazis und Anhänger von Verschwörungstheorien.

Antisemitismus-Beauftragter Felix Klein | Bildquelle: dpa
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Der Antisemitismus-Beauftragter Klein hatte kürzlich mit seiner Warnung vor dem Kippa-Tragen heftige Reaktionen ausgelöst.

Der Antisemitismus-Beauftragte Klein hatte kürzlich mit seiner Warnung vor dem Tragen der Kippa in Deutschland heftige Reaktionen ausgelöst. "Meine Aussage, ich könnte Juden nicht mehr jederzeit und an jedem Ort das Tragen der Kippa in Deutschland empfehlen, ist als Weckruf zu verstehen", erklärte er. Er habe diese Äußerung insbesondere vor dem Hintergrund der Statistik der politisch motivierten Straftaten 2018 getan, bei der ein starker Anstieg antisemitischer Delikte um fast 20 Prozent konstatiert worden sei.

Er sei "selbstverständlich" der Meinung, "dass wir vor den Antisemiten nicht zurückweichen sollten". Unter anderem hatte sich Israels Präsident Reuven Rivlin entsetzt gezeigt und eine "Kapitulation vor dem Antisemitismus" angeprangert.

Regierung betonte Recht auf Religionsausübung

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, stufte Solidaritätsaktionen wie "Berlin trägt Kippa" zwar als sinnvoll ein, doch reichten diese nicht aus. Antisemitismus müsse auf vielen Ebenen bekämpft werden, sagte er der "Passauer neuen Presse". "Wenn auf das Problem jetzt von staatlicher Seite hingewiesen wird, wird die Lage hoffentlich so ernst genommen, wie sie ist."

Regierungssprecher Steffen Seibert betonte, die staatlichen Institutionen müssten dafür Sorge tragen, dass Menschen überall in Deutschland sicher eine Kippa tragen können. "Der Staat hat zu gewährleisten, dass die freie Religionsausübung eines jeden möglich ist", sagte Seibert.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 28. Mai 2019 um 08:45 Uhr in den Nachrichten.

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