Ankündigung der Vorführung von "Schindlers Liste" in Hachenberg

AfD-Aktion eines Kinos Viel Aufregung um "Schindlers Liste"

Stand: 02.01.2019 20:37 Uhr

Ein Kino im Westerwald zeigt "Schindlers Liste" - und erklärt, der Eintritt für AfD-Mitglieder sei frei. Nun hagelt es Lob und Kritik, sogar ein Drohvideo soll es geben.

Von Ute Spangenberger, SWR

"Ich weiß, dass es eine Provokation ist." So reagiert Karin Leicher, wird sie gefragt, warum sie ihre Aktion gestartet hat. Leicher betreibt ein Kino im rheinland-pfälzischen Hachenburg und steht mit einer Kinovorstellung, die sie Ende Januar anbietet, über Nacht im Medieninteresse - positiv wie negativ.

Am Sonntag, den 27. Januar 2019, zeigt das Hachenburger Kino den Film "Schindlers Liste". Anlass ist der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Die besondere Aktion, die nun für Aufsehen sorgt: Der Eintritt für AfD-Mitglieder ist frei. Auf seiner Internetseite schreibt das Kino dazu folgendes: "Unser Ansinnen ist eindeutig nicht die Ausgrenzung oder Diffamierung der AfD, dass sich so viele stark angegriffen fühlen, ist nicht unsere Absicht und für uns unverständlich."

Man behaupte überhaupt nicht, AfD-Wähler seien Nazis; ob AfD-Wähler geschichtliche Aufklärung benötigten, liege in ihrem eigenen Ermessen. Und weiter: "Nach unserer Einschätzung lässt das AfD-Parteiprogramm allerdings doch stark auf eine Verharmlosung der damaligen Ereignisse schließen."

Der Film "Schindlers Liste" von Stephen Spielberg aus dem Jahr 1993 erzählt die Geschichte des Industriellen Oskar Schindler, der in der Zeit des Nationalsozialismus 1000 Juden vor dem Tod im Konzentrationslager rettete.

Karin Leicher | Bildquelle: SWR
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Karin Leicher ist Initiatorin der Vorführung.

Mutmaßliches Drohvideo

Die Aktion des Hachenburger Kinos sorgt vor allem in den sozialen Netzwerken für viel Diskussion und Kritik. Die Polizei prüft in diesem Zusammenhang ein mutmaßliches Drohvideo gegen das Kino. In dem Video war die Rede von Sprengsätzen, die explodieren könnten. Inzwischen hat sich die AfD Rheinland-Pfalz zu der Aktion geäußert und teilte dem SWR mit: "Dass die AfD und der Holocaust - die industrielle Massenvernichtung von Menschen jüdischen Glaubens - in einen Zusammenhang gestellt werden, empfinden wir als unsägliche Entgleisung."

Die Kinobetreiber sagen, mit der Aktion möchten sie einen "Ort zum Gespräch" anbieten. Ob das gelingt, darf bezweifelt werden. Die Stimmung ist bereits jetzt sehr aufgeheizt.

Der Soziologe Holger Lengfeld von der Universität Leipzig glaubt nicht, dass die Menschen so ins Gespräch kommen, zu verhärtet seien die Fronten. Die Frage sei, was die Veranstalter erreichen wollten: "Wenn sie damit bezwecken, dass Menschen, die sich der AfD nahestehend fühlen, durch das Ansehen des Filmes irgendwie ihre Einstellung ändern, dann glaube ich, geht das hundertprozentig in die Hose." Die Aktion, erklärt Lengfeld, würde auf dem Missverständnis basieren, AfD-Anhängern zu unterstellen, sie wüssten nichts über die deutsche Geschichte oder hätten daraus aus Sicht der Veranstalter nichts gelernt.

Das wäre laut Lengfeld falsch: "Menschen, die der AfD nahestehen, fühlen sich überwiegend nicht als Nazis. Sondern sie sehen sich als Teil einer bürgerlichen Mitte, die Veränderungen in unserem Land bezwecken will."

Positive Resonanz aus dem Ausland

Hendrik Hering, Präsident des rheinland-pfälzischen Landtags
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Hendrik Hering, Präsident des rheinland-pfälzischen Landtags, begrüßt die umstrittene Aktion.

Hendrik Hering (SPD), der aus Hachenburg kommt und Präsident des rheinland-pfälzischen Landtags ist, sieht das anders. Er hält die Kinovorführung mit dem Gratis-Angebot für AfD-Anhänger für "kreativ": "Wenn eine Partei auftritt, deren Mitglieder zum Teil die Erinnerungskultur infrage stellen, sie verächtlich machen, dann sind solche Aktionen berechtigt und ich finde sie gut."

Karin Leicher berichtet, dass sie neben viel Kritik auch viel positive Resonanz erhalten habe, sogar aus dem Ausland. Die Absender beglückwünschten sie zu ihrem Mut und ihrer Zivilcourage.

Und dann erzählt Leicher, was sie zu der Aktion motiviert hat. Im Westerwald gebe es regelmäßig Demonstrationen mit AfD-Anhängern: "Ich finde das unerträglich, dass sich hier in Hachenburg am Alten Markt noch 150 - und ich bezeichne sie als Rechtsradikale, weil sie sehen so aus und die Sprüche, die kommen, die sind so - sich mit 150 Deutschlandflaggen treffen dürfen: Da ist dann für mich das Politische erreicht. Für mich geht das nicht."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Januar 2019 um 17:00 Uhr.

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