Erzieherin mit Kindern | Bildquelle: imago/Westend61

Studie zur Kinderbetreuung Zu wenig Personal, zu große Gruppen

Stand: 25.08.2020 14:33 Uhr

Trotz des Ausbaus von Kita-Plätzen und Investitionen gibt es immer noch zu wenige Erzieher in teils zu großen Gruppen. Das ist das Ergebnis einer Bertelsmann-Studie. Familienministerin Giffey wehrt sich gegen die Kritik.

In einem Großteil der Einrichtungen zur Kinderbetreuung gibt es einer Studie zufolge zu wenig Personal. Außerdem seien die zu betreuenden Kindergruppen meist zu groß. Das geht aus dem "Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme" der Bertelsmann-Stiftung hervor.

Demnach kamen zum Erhebungsstichtag im März 2019 auf eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft rechnerisch 4,2 ganztags betreute Krippenkinder unter drei Jahren oder 8,8 ältere Kindergartenkinder.

Bildungsauftrag nur eingeschränkt umsetzbar

Die Autoren der Studie empfehlen maximal drei Krippenkinder, beziehungsweise 7,5 Kindergartenkinder pro Erzieherin. Viele Kindergärten und Krippen in Deutschland könnten deshalb ihren Bildungsauftrag nur eingeschränkt umsetzen.

Bundesweit besuchten fast drei von vier Kindern eine Kita oder eine Krippe mit zu wenig Personal. Außerdem waren mehr als die Hälfte aller Kita-Gruppen größer als empfohlen. Bei den Kindern unter drei Jahren sollten solche Gruppen laut Empfehlung nicht größer sein als zwölf Kinder, bei den Älteren nicht größer als 18.

Giffey: "Nicht richtig, gravierende Zweifel zu säen"

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey wies die Kritik der Studienautoren zurück. "Es ist nicht richtig, derart gravierende Zweifel an einer kindgerechten Betreuung in den Kitas zu säen", erklärte die SPD-Politikerin. Die "hervorragende und kindgerechte Arbeit" in den Kitas lasse sich nicht nur am Betreuungsschlüssel festmachen, betonte Giffey.

Sie verwies zudem auf die rund 5,5 Milliarden Euro, die den Ländern über das "Gute-Kita-Gesetz" für Qualitätsverbesserungen und weniger Gebühren zur Verfügung gestellt werden.

Unterschiede zwischen Bundesländern

Die Bertelsmann-Studie offenbart beim Betreuungsschlüssel große regionale Unterschiede zwischen den Bundesländern. So war 2019 in Bremen eine Fachkraft im Schnitt für drei Krippenkinder verantwortlich, in Mecklenburg-Vorpommern betrug die Quote dagegen eins zu sechs. Außerdem unterscheidet sich der Anteil an ausgebildeten Erzieherinnen und Erziehern zwischen West und Ost: Mit 82 Prozent liegt der Anteil im Osten Deutschlands um 16 Prozentpunkte höher als im Westen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 25. August 2020 um 07:03 Uhr.

Darstellung: