Jugendliche auf der Düsseldorfer Rheinpromenade bei Sonnenuntergang | picture alliance / Rupert Oberh

Spahns Impfziel für Kinder "Der Zeitplan ist überambitioniert"

Stand: 12.05.2021 08:25 Uhr

Bis zum Ende der Sommerferien will die Bundesregierung Kinder ab zwölf Jahren impfen - trotz Bedenken der Ständigen Impfkommission. Auch Ärzteverbände sind skeptisch. Sie halten die Pläne für unrealistisch.

Ein Impfangebot für alle zwölf bis 18-Jährigen bis zum Ende der Sommerferien - das hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gestern bekräftigt. Seine Aussage stößt zum Teil jedoch auf Skepsis.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) mahnte zur Geduld. "Wir wollen in jedem Fall die Daten zur Impfung von Kindern genau prüfen, bevor eine generelle Impfempfehlung für Kinder gegeben werden kann", sagte der STIKO-Vorsitzende Thomas Mertens der "Welt".

"Derzeit diskutierte Argumente wie Urlaub können nicht die primären entscheidungsrelevanten Argumente der STIKO sein." Wenn die Zulassung für Kinder von 12 bis 15 Jahren erteilt sei, "dann sollten tatsächlich Kinder mit schweren Vorerkrankungen zuerst geimpft werden".

"Kinder mit sicherem Impfstoff impfen"

Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte hat Zweifel, dass der Zeitplan eingehalten werden kann. Zunächst müsse der Corona-Impfstoff von BioNTech/Pfizer für Kinder ab zwölf Jahren von der Europäischen Arnzeimittelagentur EMA freigegeben werden, zudem könnte auch die Zustimmung der STIKO noch einige Zeit dauern.

"Deswegen halte ich die derzeit verkündeten Zeitpläne mit Terminen im Spätsommer für überambitioniert", sagte der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, der "Rheinischen Post". "Am Ende wollen wir die Kinder mit einem zugelassenen und sicheren Impfstoff impfen. Wir wollen keine Notfallzulassung, und es darf auch keine Impfpflicht geben."

Für die grundsätzliche Zulassung des Impfstoffes ist die EMA verantwortlich. Ende April hatten die Unternehmen BioNTech/Pfizer die Freigabe ihres Impfstoffes auch für Kinder ab zwölf Jahren beantragt. Gestern hatte die EMA auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa bekannt gegeben, dass sie noch im Mai über die Zulassung entscheiden will. Das Verfahren könne angesichts von Fortschritten bei der Bewertung beschleunigt werden und Ende des Monats abgeschlossen sein.

Genauer Fahrplan für Impfaktion gefordert

Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, forderte deshalb einen genauen Fahrplan für eine Impfaktion bei Kindern und Jugendlichen. Der Impfstart müsse gut vorbereitet werden. "Sonst habe ich die Sorge, dass er sich verzögert", sagte er dem "Handelsblatt". Die Jugend brauche eine klare Perspektive, etwa für einen normalen Schulalltag.

Grundsätzlich sei eine Impfaktion unter Kinder und Jugendlichen schnell zu schaffen. Gassen sieht neben den niedergelassenen Kinder- und Jugendärzten dabei auch den öffentlichen Gesundheitsdienst in der Verantwortung. "Gemeinsam ist das in relativ kurzer Zeit zu schaffen", erklärte Gassen. So könnten beispielsweise Reihenimpfungen auch in den Schulen organisiert werden. "Nur so können wir viele Jugendlichen auf einen Schlag impfen."

Über dieses Thema berichtete B5 Aktuell am 12. Mai 2021 um 07:33 Uhr.