Schüler und Schülerinnen nehmen mit Mund-Nasen-Schutz am Lateinunterricht teil. | dpa

Kritik an STIKO Schüler fordern Corona-Impfungen

Stand: 30.07.2021 10:46 Uhr

Schüler- und Studierendenverbände fordern mehr Impfangebote für junge Leute. Die Impfkommission solle eine generelle Impfempfehlung aussprechen. Virologe Stürmer verbittet sich Einmischungen aus der Politik, wie zuletzt von Bundestagspräsident Schäuble.

Angesichts hoher Corona-Inzidenzen bei jüngeren Menschen fordern Schüler- und Studierendenverbände mehr Impfangebote für diese Bevölkerungsgruppe. Der Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, Dario Schramm, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, es gebe eine hohe Impfbereitschaft bei jungen Menschen. Aber die Angebote reichten noch nicht aus. "An Orten, an denen sich vor allem Jüngere aufhalten, müsste es verstärkt entsprechende Impfangebote geben."

"Im Herbst sehr viele ungeimpfte Kinder in den Schulen"

Schramm beklagte, dass die Ständige Impfkommission (STIKO) noch immer keine generelle Empfehlung für eine Impfung der 12- bis 16-Jährigen ausgebe. Dies führe im Herbst dazu, dass sehr viele ungeimpfte Kinder an die Schulen zurückkehrten. "Das ist schade", sagte der Schülervertreter. "Viele Jüngere hätten es sich bestimmt gewünscht, geimpft ins neue Schuljahr zu starten."

Paul Klär, Vorstand des freien Zusammenschlusses von Studentenschaften, kritisierte, dass junge Bevölkerungsgruppen viel später die Möglichkeit gehabt hätten, sich impfen zu lassen. Daher gingen dort jetzt die Inzidenzen nach oben. Grundsätzlich sei die Impfbereitschaft unter Studierenden hoch. Zahlreiche Universitäten hätten bereits deutlich gemacht, "dass Impfungen eine Voraussetzung sind für mehr Präsenz im kommenden Semester."

Schäuble kritisiert STIKO

Unterstützung bekommen die Schülervertreter von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble. In der "Neuen Osnabrücker Zeitung" drängte der CDU-Politiker die STIKO zu einer Empfehlung von Corona-Impfungen für Kinder. "Es steht dem Bundestagspräsidenten nicht an, die Ständige Impfkommission zu kritisieren, allerdings darf ich sie an ihre Verantwortung erinnern." Kinder erkrankten nicht so oft an Corona, aber auch sie könnten bei einer Infektion unter Spätfolgen leiden oder das Virus weitergeben.

Wenn die europäische Zulassungsbehörde EMA zwei Corona-Impfstoffe für sicher und wirksam auch für Kinder ab zwölf Jahren erkläre, spreche aus seiner Sicht sehr viel dafür, die Vakzine auch für diese Gruppe breit zu nutzen, so Schäuble: "Ich wünsche mir persönlich als Großvater, dass meine Enkel möglichst bald geimpft werden können."

Virologe Stürmer nimmt STIKO in Schutz

Der Frankfurter Virologe Martin Stürmer forderte im Radiosender Bayern 2 Schäuble dagegen auf, sich nicht in die Arbeit der Wissenschaft einzumischen. Es sei nicht in Ordnung, Druck auf ein wissenschaftliches Gremium zu machen. "Man sollte die STIKO in Ruhe ihren Job machen lassen. Da sitzen ja keine Menschen, denen die Tragweite ihrer Entscheidungen nicht bewusst ist."

Kein Impfverbot für Kinder und Jugendliche

Es sei aber den Eltern und den Kindern nicht verboten, sich trotzdem impfen zu lassen. "Das ist eine Empfehlung. Und wenn man selbst der Meinung ist und das mit seinem Arzt bespricht, kann man natürlich trotzdem seine Kinder impfen lassen."

Auch der Sprecher des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Jakob Maske, verteidigte die STIKO gegen Kritik aus der Politik. Im Inforadio vom rbb sagte er, die STIKO arbeite sehr gründlich und sammele weiter Daten. Wenn sie ihre Einschätzung ändere, könne man sicher sein, dass die Impfung den Kindern nicht mehr Schaden zufüge als das Coronavirus selbst.

Die STIKO empfiehlt derzeit, nur Kinder und Jugendliche mit einem besonderen Risiko gegen Corona zu impfen. Als Grund führt sie an, es gebe bislang noch zu wenige Daten und Erfahrungen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 30. Juli 2021 um 09:40 Uhr in den Nachrichten.