Pflegeeltern spielen mit ihren drei Pflegekindern im Kinderzimmer | picture alliance / dpa

Bundesrat beschließt Reform Mehr Hilfe für Kinder und Jugendliche

Stand: 07.05.2021 11:22 Uhr

Kinder und Jugendliche, die unter schwierigen Bedingungen wie in Heimen aufwachsen, sollen mehr Unterstützung erhalten. Einer entsprechenden Reform stimmte der Bundesrat zu. Geplant sind Hilfsangebote und stärkere Kontrollen.

Nach dem Bundestag hat nun auch der Bundesrat die umfassende Reform der Kinder- und Jugendhilfe beschlossen. Das Ziel ist, den Schutz von Kindern und Jugendlichen zu verbessern, Kinder und Jugendliche in Heimen und Pflegefamilien zu stärken und allen Beteiligten mehr Mitspracherechte zu geben.

So sieht das Gesetz stärkere Kontrollen von Heimen und Jugendprojekten vor. Kinder und Jugendliche, die in Heimen oder in Pflegefamilien leben, sollen sich an unabhängige Beschwerdestellen wenden können. An solche Ombudsstellen können Eltern und Kinder auch Beschwerden über Entscheidungen von Jugendämtern richten. Kinder und Jugendliche sollen einen eigenen Beratungsanspruch gegenüber dem Jugendamt bekommen - ohne Kenntnis der Eltern, etwa wenn diese suchtkrank sind.

Kinder in Heimen dürfen mehr eigenes Geld behalten

Auch die Rechte von Pflegeeltern und leiblichen Eltern eines Kindes werden neu austariert. Wenn das Kind bei den Pflegeltern besser aufgehoben ist, soll es dort unter bestimmten Umständen dauerhaft bleiben können. Gleichzeitig sollen leibliche Eltern, die einen guten Kontakt zu ihren Kindern behalten wollen, stärker unterstützt werden.

Außerdem sollen Kinder in Heimen und Pflegefamilien künftig mehr von ihrem selbst verdienten Geld behalten können. Bisher müssen sie 75 Prozent abgeben, künftig 25 Prozent.

Rund eine Million Kinder auf Jugendämter angewiesen

Das unter der Federführung von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) erarbeitete Kinder- und Jugendstärkungsgesetz sieht zudem vor, bis 2028 die staatlichen Leistungen für behinderte und nicht behinderte Kinder zusammenzuführen.

In Deutschland leben knapp 22 Millionen Kinder und Jugendliche bis 27 Jahre. 1,1 Millionen sind auf die Unterstützung der Jugendämter angewiesen. Weitere 360.000 Kinder und Jugendliche brauchen wegen einer Behinderung Hilfen. Die Reform stand schon in der vorigen Legislaturperiode auf der politischen Agenda, war aber am Widerstand der Länder gescheitert, weil sie sich nicht genug eingebunden fühlten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Mai 2021 um 11:00 Uhr.