Ein Junge sitzt auf einem Ball und hält sich die Hände vor das Gesicht | Bildquelle: Alliance

Statistik zu 2019 Gefährdung des Kindeswohls auf Höchststand

Stand: 27.08.2020 11:26 Uhr

Bei 55.000 Kindern oder Jugendlichen haben Behörden im vergangenen Jahr festgestellt, dass ihr leibliches oder seelisches Wohl gefährdet ist - ein Höchststand bei solchen Fällen. Dafür kann es aber mehrere Gründe geben.

Bundesweit haben Jugendämter im vergangenen Jahr deutlich mehr Fälle erfasst, in denen das Wohl eines Kindes oder Jugendlichen gefährdet war, als 2018.

Das ergibt sich aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes, die heute veröffentlicht wurden. Demnach haben Mitarbeiter von Jugendämtern 2019 bei rund 55.000 Kindern und Jugendlichen festgestellt, dass auf sie die sogenannte Kindeswohlgefährdung zutrifft.

Laut Paragraf 1666 Absatz 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches liegt eine Kindeswohlgefährdung vor, wenn "eine vorhandene Gefahr festgestellt wird, dass bei der weiteren Entwicklung der Dinge eine erhebliche Schädigung des geistigen oder leiblichen Wohls des Kindes mit hinreichender Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist".

Zehn Prozent mehr Fälle als 2018

Insgesamt wurden den Jugendämtern im vergangenen Jahr mehr als 173.000 Verdachtsfälle gemeldet. Einen solchen Verdacht können Bürger auch anonym bei den Ämtern angeben.

Damit haben laut Statistischem Bundesamt die tatsächlich festgestellten Fälle von Kindeswohlgefährdung gegenüber 2018 um etwa zehn Prozent zugenommen und 2019 einen Höchststand erreicht. Die Zahl der Verdachtsfälle nahm im Jahresvergleich um rund 15.800 Meldungen zu.

Nach Annahme der Statistiker könnten bei dem Anstieg zwei Faktoren eine Rolle spielen: Zum einen könnte es bundesweit tatsächlich in mehr Familien oder Einrichtungen zu einer Gefährdung des Kindeswohls kommen. Die Zunahme an Fällen könnte aber auch damit zusammenhängen, dass das Thema mehr in die Öffentlichkeit gerückt ist, sodass die Bevölkerung sensibler auf mögliche Gefahrensituationen reagiert und mehr Verdachtsfälle meldet.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 27. August 2020 um 11:45 Uhr.

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