Eine Frau steht vor einem Supermarktregal mit abgepacktem Fleisch | Bildquelle: dpa

Schneller als die Bundesregierung Handel führt Tierhaltungslabel ein

Stand: 01.04.2019 12:28 Uhr

Wie können Landwirte, Fleischindustrie und Handel für bessere Information der Verbraucher sorgen? Die Politik denkt darüber noch nach, der Handel dagegen führt eine einheitliche Lösung ein.

Rot, blau, orangefarben oder grün - anhand dieser Farben sollen Verbraucher ab sofort in vielen Supermärkten erkennen können, wie die Tiere gehalten wurden, deren Fleisch in den Regalen steht. Ketten wie Edeka, Rewe, Aldi, Kaufland, Netto, Penny und Lidl haben sich auf ein gemeinsames Siegel geeinigt. Sie waren damit schneller als die Politik.

Haltungskennzeichnung «Premium» (Stufe 4) der Initiative Tierwohl | Bildquelle: dpa
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Stufe vier gilt auch für Biofleisch.

Das neue Label gilt für Fleisch von Rind, Schwein und Geflügel. Auf dem Etikett wird die Haltungsform gezeigt. Rot steht für "Stallhaltung". Etwas besser ist die Situation für Tiere, deren Fleisch mit dem blauen Label "Stallhaltung Plus" gekennzeichnet wird. Sie erhalten zehn Prozent mehr Platz und zusätzliches Beschäftigungsmaterial. Das orangefarbene Etikett signalisiert "Außenklima".

Das bedeutet, dass die Tiere noch mehr Platz und Frischluft-Kontakt haben. Mit grün wird "Premium" gekennzeichnet. Diese Tiere haben Auslaufmöglichkeiten im Freien. Auch Biofleisch fällt in diese Kategorie.

Fleischauslage in einem Supermarkt | Bildquelle: dpa
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Fleisch von glücklichen Tieren? Die Bundesregierung arbeitet noch an einer Lösung für mehr Tierwohl.

Klöckner kritisiert System als "unzureichend"

Edeka stellt seit Mitte März seine Eigenmarkenartikel für Fleisch und Wurst schrittweise auf die neue Kennzeichnung um. Auch die anderen Supermärkte wollen Stück für Stück das einheitliche Layout einführen. Bislang hatten große Unternehmen wie Lidl, Aldi und Rewe bereits eigene Systeme auf den Markt gebracht. Es fehlte aber eine einheitliche Linie. Das erschwerte den Verbrauchern die Orientierung.

Kritik an dem Vorstoß kam von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). Die handelseigenen Herkunftssiegel seien unzureichend, sagte sie dem Inforadio des rbb. Die Kennzeichnung sei zwar ein erster Schritt. "Aber der Handel hat nur einsortiert, was es schon gibt. Deshalb sind die Kriterien auch etwas übersichtlich. Die beziehen sich nur auf den Stall."

Das staatliche Tierwohlkennzeichen, das sie anstrebe, sei viel umfassender. Die Kennzeichnung des Handels hingegen sei keine kreative Eigenleistung, sondern ein Sortiersystem.

Auch die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisierte die neue Kennzeichnung. Sie sei eine "Mogelpackung" und gaukle den Verbrauchern vor, sie könnten mit ihrem Einkauf die Zustände in den Ställen maßgeblich verbessern. Das garantiere aber nicht, dass es den Tieren wirklich gut gehe.

Gute Haltung ab Stufe vier

Die Verbraucherzentrale Bundesverband lobt die einheitliche Kennzeichnung, übt aber auch Kritik. Erst mit Stufe vier des Siegels sei gewährleistet, dass die Tiere Weidegang haben und dass sie annähernd ihre arteigenen Verhaltensweisen ausüben können. Wichtig sei nicht nur das Etikett, wichtig sei auch, dass das Supermarktpersonal gut geschult sei und weitere Fragen zum Fleisch beantworten könne.

Die Ernährungsexpertin der Grünen, Renate Künast, betont, Verbraucher hätten ein Recht zu wissen, wie die Tiere gehalten würden. Sie kritisiert die Bundesregierung. Das zuständige Ministerium arbeite schon seit vier Jahren an einer freiwilligen Kennzeichnung. Künast betonte: "Warten auf Godot, das macht der Handel nun nicht länger mit." Die Grünen-Politikerin verlangt von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner, die gesetzlichen Mindeststandards anzuheben.

Mit Informationen von Vera Wolfskämpf, ARD-Hauptstadtudio.

Haltungsform - neue Kennzeichnung für Fleischprodukte
Vera Wolfskämpf, ARD Berlin
01.04.2019 09:52 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 01. April 2019 um 05:05 Uhr und 06:05 Uhr.

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