Thomas Kemmerich | Bildquelle: REUTERS

Thüringens Landeschef Kemmerich lässt Amt im FDP-Vorstand ruhen

Stand: 13.05.2020 10:34 Uhr

Nach der umstrittenen Teilnahme an einer Corona-Demo zieht Thüringens FDP-Chef Kemmerich Konsequenzen: Er legt seinen Posten im Bundesvorstand der Partei auf Eis. Führende Liberale legen ihm bereits einen Parteiaustritt nahe.

Nach dem umstrittenen Auftritt bei einer Anti-Corona-Demonstration lässt Thüringens FDP-Chef Thomas Kemmerich seine Funktion im Bundesvorstand der Liberalen vorerst ruhen. Das teilte der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, Marco Buschmann, nach einer Sondersitzung des FDP-Bundesvorstandes mit.

"Ein peinlicher Typ"

Daran habe auch Kemmerich teilgenommen. Dieser habe der Partei "schweren Schaden" zugefügt, sagte Buschmann. Schon zuvor hatte es in der FDP-Bundestagsfraktion erhebliche Kritik an Kemmerich gegeben. So legte der FDP-Innenexperte Konstantin Kuhle dem Thüringer Landespolitiker einen Parteiaustritt nahe.

Kuhle zeigte sich besonders verärgert darüber, dass Kemmerich ohne Mundschutz und Respekt für Abstandsregeln an der Kundgebung teilgenommen habe. Wer wie Kemmerich die Corona-Auflagen missachte, "handelt fahrlässig, ist ein schlechtes Vorbild und ist ehrlich gesagt auch ein peinlicher Typ", sagte Kuhle in der "Bild". Die Frage eines Parteiausschlusses müsse "in aller Ruhe in den zuständigen Gremien besprochen und beschlossen werden".

Kemmerich: "Demo-Teilnahme war ein Fehler"

Kemmerich selber erklärte in einer Stellungnahme, seine Beteiligung an der Demonstration sei ein Fehler gewesen. Er "werde das Mandat bis Ende des Jahres ruhen lassen. Ich will die überaus wichtige Arbeit dieses Gremiums meiner Partei nicht belasten und mir zudem klar werden, welche Rolle ich künftig in der Partei noch ausfüllen kann und will."

Besonders scharfe Kritik formulierte FDP-Bundesvorstandsmitglied Marie-Agnes Strack-Zimmermann. "Wir sollten ihn dazu auffordern, seinen Hut zu nehmen und die FDP zu verlassen", sagte sie der "Welt". Sie halte das Verhalten für schwerst parteischädigend. "Offensichtlich sucht er jetzt nicht nur physisch die Nähe zur AfD, sondern auch zu Verschwörungstheoretikern und hat inzwischen wohl auch Gefallen an deren demokratiezersetzendem Kurs gefunden." Parteichef Christian Linder wollte einen möglichen Rauswurf Kemmerichs nicht ausschließen. Allerdings wolle er darüber nicht öffentlich sprechen, sagte Lindner in einer RTL-Sendung.

Eklat bei Ministerpräsidentenwahl

Der Politiker war im Februar erstmals in die Schlagzeilen geraten, weil er auch mit Stimmen der AfD - die dort von dem Rechtsaußen Björn Höcke geführt wird - zum Thüringer Ministerpräsidenten gewählt wurde. Trotz scharfer Kritik hatte er das Amt angetreten. Nach bundesweiten Protesten trat er erst drei Tage später zurück. Seither sind die Umfragewerte der FDP gesunken, Beobachter bescheinigen der Partei einen enormen Imageschaden.

Kemmerich zieht sich aus FDP-Bundesvorstand zurück
Marcel Heberlein, ARD Berlin
13.05.2020 21:58 Uhr

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