Kühltheke mit Geflügelfleisch | Bildquelle: picture-alliance / dpa

Proben aus Discountern Keime in jedem zweiten Hähnchen

Stand: 16.04.2019 15:17 Uhr

In etwa jeder zweiten Hähnchenfleisch-Probe aus deutschen Supermärkten finden sich antibiotikaresistente Erreger. Die Organisation Germanwatch ließ insgesamt 59 Proben prüfen.

Die Umweltorganisation Germanwatch hat bei Hähnchenfleisch aus Billig-Supermärkten in rund jeder zweiten Stichprobe antibiotikaresistente Keime gefunden. Die 59 Proben wurden in Märkten in zwölf städtischen Regionen in Deutschland genommen.

Die Fleischproben seien im Labor der Universität Greifswald analysiert worden, sagte Reinhild Benning, Agrarexpertin bei Germanwatch. 56 Prozent des Hähnchenfleisches sei mit Keimen besiedelt gewesen, die resistent gegen bestimmte Antibiotika sind. "Diese Befunde halten wir für alarmierend", ergänzte Benning.

Bekannte Supermarkt-Ketten

Die Proben wurden aus dem Hähnchenfleisch der Ketten Lidl, Netto, Real, Aldi und Penny entnommen. Von den fünf Märkten wurden jeweils zwölf Portionen Hähnchenfleisch aus konventioneller Haltung gekauft. Bei den Proben handelte es sich um Fleisch aus konventioneller Haltung, das von den vier umsatzstärksten Schlachthofkonzernen in Deutschland stammte. Keiner der Schlachthöfe habe durchweg unbelastetes Hähnchenfleisch angeboten, berichtete Germanwatch. 

Antibiotika werden wirkungslos

Bei der Zubereitung des Fleischs könnten resistente Keime durch mangelnde Küchenhygiene in den menschlichen Körper gelangen, warnt Germanwatch. Bei späteren Infektionen wirkten verschriebene Antibiotika dann manchmal nicht mehr.

Laut Germanwatch seien vor allem die Auflagen beim Einsatz von Reserveantibiotika zu lasch. Die Organisation forderte unter anderem ein Verbot dieser speziellen Antibiotika in der Tierhaltung.

Hofschlachtereien schneiden besser ab

Germanwatch ließ auch elf Testkäufe bei Hofschlachtereien aus ganz Deutschland untersuchen. Hier fand das Labor bei lediglich einer Hähnchenfleischprobe einen multiresistenten Keim. Bei sechs Testkäufen von Öko-Hähnchenfleisch aus handwerklicher Schlachtung wurden hingegen keine resistenten Erreger festgestellt. Laut Germanwatch kommen auch staatliche Untersuchungen regelmäßig zu ähnlichen Ergebnissen.

Geflügelfleisch liegt in einer Fleischtheke | Bildquelle: picture alliance / dpa
galerie

Der Antibiotikaverbrauch der deutschen Geflügelzüchter ist laut Umweltorganisation Germanwatch doppelt so hoch wie in Dänemark, Großbritannien oder Österreich.

Doppelt so hoch wie in anderen Ländern

Obwohl die deutschen Geflügelzüchter ihren Antibiotikaverbrauch seit 2011 halbierten, ist er laut der Umweltorganisation immer noch doppelt so hoch wie in Dänemark, Großbritannien oder Österreich. Germanwatch fordert, dass der Verbrauch an Veterinärantibiotika lückenlos erfasst wird. 

Weltweit sterben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation etwa 700.000 Menschen jährlich an Infektionen, gegen die keine Antibiotika mehr helfen. In Deutschland sind es nach Angaben des Robert Koch Instituts bis zu 4000 Menschen im Jahr.

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung entdeckte im vergangenen November in einer Studie, dass in einigen Mastgeflügelketten weiterhin hohe Resistenzraten bestehen. Das Fleisch könne etwa als Quelle für resistente Keime beim Menschen weiter von erheblicher Bedeutung sein. Der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung sei in den vergangenen Jahren in Deutschland generell aber rückläufig.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. April 2019 um 14:00 Uhr.

Darstellung: