Unionsfraktionschef Volker Kauder | Bildquelle: CLEMENS BILAN/EPA-EFE/REX/Shutte

Judenfeindliche Vorfälle an Schulen Union fordert Meldepflicht für Antisemitismus

Stand: 01.04.2018 05:56 Uhr

Die Union im Bundestag fordert eine Meldepflicht für judenfeindliche Vorfälle an Schulen. In jedem Bundesland sollten die Schulen verpflichtet werden, solche Vorfälle zu melden, so Fraktionschef Kauder.

Nach einem mutmaßlichen Fall von religiösem Mobbing an einer Berliner Schule drängt Unionsfraktionschef Volker Kauder auf Konsequenzen. In einem Zeitungsbericht forderte er eine Meldepflicht für antisemitische Vorfälle an Schulen. "In jedem Bundesland sollten die Schulen verpflichtet werden, solche Vorfälle konsequent der Schulverwaltung zu melden", sagte Kauder der "Welt am Sonntag".

Bisher gebe es offenbar keinen genauen Überblick über den Antisemitismus an Schulen, sagte Kauder. Es sei aber wichtig, belastbare Angaben über das Ausmaß und die Ursachen zu bekommen. Auf einer solchen Grundlage könnten die Kultusminister der Länder dann auch schulübergreifende Maßnahmen in Betracht ziehen, sagte Kauder.

"In den Schulen muss jeder Einzelfall konsequent geahndet werden", sagte der CDU-Politiker. "Gerade bei diesem Thema muss es heißen: Null Toleranz!"

Vorfälle nehmen laut Schuster offenbar zu

Kauder warnte zugleich davor, das Thema Intoleranz auf die Bekämpfung von Antisemitismus zu reduzieren: "Mich haben die Aussagen des Vaters des jüdischen Mädchens in Berlin, deren Fall die Diskussion ausgelöst hat, sehr nachdenklich gemacht", sagte er. "Er sprach davon, dass einige Jungs aus muslimischen Elternhäusern auch anderen Mitschülern übel mitspielten, egal ob sie Juden, Christen oder selbst Muslime sind, wenn diese zum Beispiel in die falsche Moschee gingen."

Anlass für die Diskussion über Antisemitismus an deutschen Schulen ist der Fall eines jüdischen Mädchens, das an einer Berliner Grundschule bedroht worden sein soll. An der Schule war die Zweitklässlerin von älteren Schülern aus muslimischen Familien beschimpft worden. Ein Mitschüler soll gedroht haben, sie umzubringen, weil sie nicht an Allah glaube. So erzählte es der Vater des Mädchens der "Berliner Zeitung".

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sagte, solche Vorfälle nähmen offenbar vor allem im großstädtischen Milieu zu.

Über dieses Thema berichtete Tagesschau24 am 01. April 2018 um 09:00 Uhr.

Darstellung: