Stephan Fanderl | Bildquelle: dpa

Galeria Karstadt Kaufhof Konzern-Chef Fanderl wirft hin

Stand: 10.06.2020 20:01 Uhr

Der angeschlagene Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof verliert mitten in der Corona-Krise und im Überlebenskampf seinen Chef: Stephan Fanderl verlässt das Unternehmen. Die Trennung erfolge einvernehmlich, hieß es.

Galeria Karstadt Kaufhof muss sich einen neuen Chef suchen: Vorstandschef Stephan Fanderl scheide aus dem Amt, teilten Galeria-Eigner Signa und der Warenhauskonzern mit. Die Trennung erfolge einvernehmlich. Auch als Geschäftsführer von Signa Retail trat Fanderl zurück. Zu den Gründen für die Trennung äußerten sich die Unternehmen nicht.

Galeria Karstadt Kaufhof soll nun zunächst von Finanzvorstand Miguel Müllenbach, dem Generalbevollmächtigten Arndt Geiwitz und dem vom Gericht bestellten Sachwalter Frank Kebekus geführt werden. Die Manager hatten schon seit Beginn des Schutzschirmverfahrens Anfang April de facto das Sagen bei dem Handelsriesen.

"Chance auf Neuorientierung"

"Die Corona-Pandemie hat das wirtschaftliche Umfeld für den Handel massiv belastet", erklärte Fanderl. Dies biete auch die "Chance auf eine Neuorientierung". Vor diesem Hintergrund habe er sich mit Signa auf eine Auflösung seines Vertrags verständigt. "Die Neubesetzung der Geschäftsführung wird vom Aufsichtsrat zeitnah beraten und bestimmt", teilte der Konzern mit.

Galeria Karstadt Kaufhof brechen in der Corona-Krise die Umsätze weg. Der Warenhausriese hatte Anfang April ein Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Dieses gilt als Vorstufe der Insolvenz, folgt den gleichen Regeln und mündet oft in ein reguläres Insolvenzverfahren.

Konflikte und wohl wenig Bedauern

Über eine Trennung von Fanderl war schon länger spekuliert worden - denn der Manager war in der Galeria-Zentrale schon seit einiger Zeit nicht mehr an Bord. "Krankheitsbedingt war ich seit Mitte März nicht mehr in die Führung der Geschäfte eingebunden", hatte der Manager dazu mitgeteilt. Er habe sich Ende 2019 einen massiven Bandscheibenschaden zugezogen, sagte er nun.

In Unternehmenskreisen war allerdings auch von Konflikten Fanderls mit dem Eigentümer der Warenhauskette, dem österreichischen Milliardär René Benko, zu hören.

Bei den Arbeitnehmervertretern und der Gewerkschaft Verdi dürfte der Abgang Fanderls wenig Bedauern auslösen. In Gewerkschaftskreisen wird dem Manager vorgehalten, bei der Sanierung einseitig auf Sparmaßnahmen und Personalabbau gesetzt zu haben und ein tragfähiges Zukunftskonzept für die Warenhäuser schuldig geblieben zu sein.

Fanderl hatte 2014 die Leitung von Karstadt übernommen und nach der Fusion von Karstadt und Kaufhof dann den neuen Warenhausriesen geführt. Doch wurden seinen Bemühungen, den Konzern wieder auf Kurs zu bringen, durch die Corona-Krise jäh der Boden entzogen. Als sich in den vergangenen Wochen infolge der staatlich angeordneten Ladenschließungen die Lage beim letzten großen deutschen Warenhauskonzern zuspitzte, war von dem Manager nichts zu sehen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 10. Juni 2020 um 20:00 Uhr.

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