Rede von Angela Merkel  | Bildquelle: AFP

Karlspreis in Aachen "Es geht um Krieg und Frieden"

Stand: 10.05.2018 16:51 Uhr

Feierliche Zeremonie, ernste Worte: Bei den Reden zur Verleihung des Karlspreises an Frankreichs Staatschef Macron geht es natürlich um Europa - aber auch um die Eskalation in Nahost und Weltpolitik in Zeiten von Trump.

Angesichts des jüngsten Konflikts zwischen Israel und dem Iran hat Bundeskanzlerin Angela Merkel alle Beteiligten zur Zurückhaltung aufgerufen. "Die Eskalationen der vergangenen Stunden zeigen uns, dass es wahrlich um Krieg und Frieden geht", sagte sie in ihrer Rede anlässlich der Verleihung des Karlspreises an den französischen Präsidenten Macron. Die Lage sei "extrem kompliziert".

Merkel und Macron hatten bereits vor der Zeremonie miteinander gesprochen und sich nach Angaben des Èlyséepalastes besorgt gezeigt. Ein Sprecher der Bundesregierung sagte, beide hätten zu Besonnenheit und Deeskalation in der Region aufgerufen.

Der Konflikt zwischen Israel und dem Iran war in der Nacht gefährlich eskaliert. Iranische Streitkräfte hatten nach israelischen Angaben erstmals von Syrien aus israelische Militärposten angegriffen. Israels Luftwaffe griff daraufhin Dutzende iranische Militärziele in Syrien an.

Macron erhält Karlspreis
tagesschau 21:50 Uhr, 10.05.2018, Christian Feld, Michael Heussen, WDR

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

"Europa lebt von Leidenschaft"

Macron wurde für seine Verdienste um Europas Einigung mit dem internationalen Karlspreis ausgezeichnet. Er erhielt den Preis für seine "Vision von einem neuen Europa und der Neugründung des europäischen Projekts", wie es in der Begründung des Karlspreisdirektoriums hieß.

In ihrer Rede würdigte Merkel den französischen Präsidenten als leidenschaftlichen Verteidiger der europäischen Demokratie in schwierigen Zeiten. Die Zeit zeige, dass "Freiheitswerte ein zerbrechliches Gut sind", sagte sie. Macron sei ein junger, dynamischer Politiker, der Begeisterungsfähigkeit für Europa verkörpere. "Europa braucht und lebt von Leidenschaft."

Emmanuel Macron und Angela Merkel | Bildquelle: AFP
galerie

Der französische Präsident Emmanuel Macron erhielt den Karlspreis für seine "Vision von einem neuen Europa und der Neugründung des europäischen Projekts".

Gemeinsame Außenpolitik "existenziell notwendig"

Die gemeinsame europäische Außenpolitik bezeichnete Merkel als "existenziell notwendig" für die EU. Europas Stabilität hänge bei der Außen- und Sicherheitspolitik von der Fähigkeit ab, "gemeinsam zu handeln und mit einer Stimme zu sprechen", sagte sie. Es gebe diesbezüglich zwar Fortschritte. "Aber seien wir ehrlich: Bezüglich der gemeinsamen Außenpolitik steckt Europa noch in den Kinderschuhen."

Mit Blick auf den US-Ausstieg aus dem Atomabkommen mit dem Iran sagte Merkel: "Europa muss sein Schicksal selbst in die Hand nehmen." Damit bekräftigte die Kanzlerin ihren Appell für mehr Eigenständigkeit von den USA und Trump. Diese Haltung hatte sie bereits im Mai des vergangenen Jahres fast wortgleich zum Ausdruck gebracht; Hintergrund war damals Trumps Konfrontationskurs auf dem G7-Gipfel in Taormina gewesen.

Macron warnt vor "Politik des Schlechten"

Der Preisträger selbst unterstrich, dass die Politik jetzt handeln müsse. "Wir dürfen nicht warten", sagte Macron. "Nationalisten, Demagogen und Ängste äußern sich klar." Wer Europa wolle, müsse sich ebenso klar äußern. Die EU und Deutschland drängte er zu energischen und schnellen Reformschritten. Es gehe darum, Europas Souveränität zu behaupten und nicht nur Entscheidungen anderer Mächte "zu erleiden". Europa dürfe sich nicht spalten lassen, die EU müsse jetzt handeln. "Spaltung führt zu Lähmung", warnte Macron.

Den Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran kritisierte er, ohne die USA namentlich zu nennen. "Wir haben uns entschieden, Frieden und Stabilität im Nahen und Mittleren Osten zu schaffen", sagte er. Nun verabschiedeten sich Staaten aus den gemeinsamen Vereinbarungen. Die EU dürfe diesem Weg einer "Politik des Schlechten und Schlimmeren" nicht folgen.

"Fetischismus für Budgetüberschüsse"

Auch gegenüber Deutschland schlug der französische Präsident kritische Töne an. Er warf der Bundesregierung einen zu strikten Sparkurs und mangelnden Mut bei der Reform Europas vor und forderte sie zu höheren EU-Ausgaben auf. "In Deutschland kann es keinen ewigen Fetischismus für Budget- und Handelsüberschüsse geben, denn sie sind auf Kosten der anderen gemacht", sagte er. Um in Europa voranzukommen, müsse man sich auch von Tabus lösen. Macron erneuerte ebenfalls seine umstrittene Forderung nach einem eigenen Haushalt für die Eurozone, beispielsweise für Investitionen.

Der internationale Karlspreis der Stadt Aachen ist eine der bedeutendsten Auszeichnungen Europas. Er wird seit 1950 an Persönlichkeiten und Institutionen vergeben, die sich in führender Position um die europäische Einigung verdient machten. Zu den prominentesten Preisträgern zählen Spaniens langjähriger König Juan Carlos (1982), der frühere US-Präsident Bill Clinton (2000) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, 2008). Der damalige Kanzler Helmut Kohl (CDU) nahm den Preis 1988 gemeinsam mit Frankreichs damaligem Präsidenten François Mitterrand entgegen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Mai 2018 um 13:00 Uhr.

Darstellung: