Schülerinnen und Schüler gehen von einer Bushaltestelle zu ihrer Schule im niedersächsischen Hemmingen. | dpa

Corona-Pandemie Karliczek für weitere Öffnungen an Schulen

Stand: 21.05.2021 08:27 Uhr

Mit Blick auf die sinkenden Corona-Zahlen plädiert Bildungsministerin Karliczek für weitere Schritte bei der Öffnung von Schulen. Sie wirbt auch für eine intensive Vorbereitung einer Impfkampagne für Kinder und Jugendliche.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek spricht sich für weitere Öffnungsschritte an Schulen und für die Vorbereitung einer Impfkampagne für Kinder und Jugendliche aus. "Das Infektionsgeschehen geht zurück", sagte die CDU-Politikerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Nicht nur die Öffnungen in der Wirtschaft und Kultur sollten im Fokus stehen, sondern auch über eine weitere Rückkehr zum Präsenzunterricht solle nachgedacht werden.

Natürlich sei weiter Vorsicht angesagt. Aber: "Eine breitere Rückkehr zum Präsenzunterricht unter den bekannten Hygienestandards und begleitet von Tests dürfte in den meisten Regionen sehr wahrscheinlich verantwortbar sein, weil die Inzidenzen überwiegend deutlich unter 100 liegen." Kinder und Jugendliche müssten Schritt für Schritt in ein normales Leben zurückfinden. Dazu gehöre auch ein regelmäßiger Schulbesuch, am besten noch vor den Sommerferien.

"Nachholen, was in der Pandemie nicht möglich war"

Die psychischen Belastungen seien zum Teil sehr groß gewesen. "Wir müssen unseren Kindern und Jugendlichen in diesen Wochen viel Aufmerksamkeit schenken, damit sie nachholen können, was in der Pandemie nicht möglich war", so Karliczek. Dazu gehöre auch, dass intensiv eine Impfkampagne für Kinder und Jugendliche vorbereitet werde, sobald der Impfstoff für die Kinder ab 12 Jahren zugelassen sei. Bis der Impfstoff für die jüngeren Kinder bis 12 Jahren zur Verfügung stehe, werde es aber noch eine Weile dauern.

Mehrere Bundesländer haben bereits angekündigt, in Kürze zum Regelbetrieb in den Schulen zurückzukehren. So soll es etwa in Bayern und Mecklenburg-Vorpommern nach Pfingsten in Regionen mit einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz unter 50 wieder täglich Präsenzunterricht geben.

Kinderärzte warnen vor Impfstoffmangel

Der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte warnte unterdessen vor zu knappen Impfstoff-Lieferungen für Kinderarztpraxen. BVKJ-Präsident Thomas Fischbach sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, Ärztinnen und Ärzte wüssten nicht, wann oder ob Impfstoff komme: "Das sorgt für großen Frust und Wut bei den Betroffenen. Und es führt dazu, dass die Impfakzeptanz sinkt, bei Ärzten und bei Patienten." Teilweise müssten Kinderärzte chronisch kranke Patienten wieder ausladen, weil die Lieferungen geringer ausfielen als versprochen.

Der Chef der Jungen Union, Tilman Kuban, forderte den Einsatz von mobilen Impfteams in Schulen, sobald die Zulassung des Impfstoffs für Jüngere erfolgt sei. "Vielen Schülerinnen und Schülern unter 18 Jahren im ländlichen Raum ist es nicht so einfach möglich, auf eigene Faust in Impfzentren zu fahren", sagte er der "Rheinischen Post". Mit mobilen Impfteams seien bereits die Menschen in Pflegeheimen geimpft worden. Kuban sagte, ihr neuerlicher Einsatz wäre "ein klares Signal, dass die junge Generation nicht vergessen wird und sie im Fokus der Debatte steht".

Studie zu Belastung von Kindern und Jugendlichen

Wie stark die Pandemie viele Kinder und Jugendliche belastet, zeigt auch der heute veröffentliche Präventionsradar 2021 der DAK-Gesundheit. Mehr als die Hälfte aller Mädchen und Jungen wurde laut der Studie im vergangenen Jahr unglücklicher. Die Lebenszufriedenheit sei im Schnitt aller befragten Kinder um rund 20 Prozent im Vergleich zu der Situation vor der Corona-Krise gesunken. Jedes dritte Kind fühle sich zudem in der Schule nicht ausreichend vor dem Virus geschützt. 56 Prozent hielten die Corona-Regeln dort dagegen für angemessen.

Gleichzeitig hätten die emotionalen Probleme stark zugenommen - vor allem bei Mädchen, wie die Krankenkasse mitteilte. In der aktuellen Befragung zeigen 23 Prozent Symptome depressiver Störungen wie Traurigkeit, geringes Selbstwertgefühl, Interessensverlust und sozialen Rückzug. Im Vorjahr waren es lediglich 18 Prozent.

Den Angaben zufolge führt auch der Wegfall vieler Sportangebote zu Problemen: Insgesamt sei der Anteil der Befragten mit ausreichender Bewegung im Vergleich zum Vorjahr um ein Fünftel gesunken. Die Mehrheit komme nicht auf die wissenschaftlich empfohlenen 90 Minuten täglich. Grundlage der Studie ist eine Befragung von 14.000 Schulkindern der Klassen fünf bis zehn in dreizehn Bundesländern im Schuljahr 2020/21, die das Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung in Kiel im Auftrag der Krankenkasse übernahm.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Mai 2021 um 09:00 Uhr.