Papst Franziskus im Petersdom | dpa

Aufrufe zu Frieden und Solidarität Ukraine-Krieg bestimmt Karfreitagspredigten

Stand: 15.04.2022 19:41 Uhr

Die Karfreitagsrituale von Papst Franziskus waren vom Krieg gegen die Ukraine bestimmt. In Deutschland warnten beide große Kirchen angesichts der Gewalt vor Resignation. Führende Kirchenvertreter riefen zum Frieden auf.

Christen in aller Welt haben am Karfreitag an die Kreuzigung Jesu erinnert. Die Karfreitagsrituale von Papst Franziskus waren in diesem Jahr vom Krieg gegen die Ukraine geprägt.

In einer von Stille und Ernst geprägten Feier gedachten Papst Franziskus und rund 3500 Gläubige im Petersdom in Rom des Todes Jesu. Zu Beginn betete das Kirchenoberhaupt stehend still vor dem Hauptaltar. Wegen seines Knie- und Hüftleidens verzichtete der Papst darauf, sich wie in der Liturgie an dieser Stelle vorgesehen auf dem Boden auszustrecken.

Für Ärger unter Ukrainern sorgte die Entscheidung des Vatikans, eine russische Frau und eine ukrainische Frau beim Kreuzweg im Kolosseum in Rom das Kreuz tragen zu lassen. Kritiker argumentierten, damit werde das Bild einer Versöhnung projiziert, während die Ukraine unter dem Krieg durch Russland leide. Die beiden Frauen sind befreundet.

Der Papst hatte zuvor angeboten, in die Ukraine zu reisen, sollte das zum Frieden beitragen. Er entsandte seinen Almosenbeauftragten, den polnischen Kardinal Konrad Krajewski, für eine Karfreitagsprozession in die ukrainische Hauptstadt Kiew. Der italienische Sender Rai TV berichtete, Krajewski habe die zwei vom Krieg stark getroffenen Orte Butscha und Borodjanka besucht.

Krieg beherrschendes Thema in deutschen Gottesdiensten

Der Krieg bestimmte auch die Karfreitags-Gottesdienste beider großer Kirchen in Deutschland. Diese warnten angesichts von Krieg und Gewalt vor Resignation. Das Leiden und Sterben Jesu am Kreuz sei ein Gleichnis für alles Leiden in der Welt. Kardinal Reinhard Marx rief die Verantwortlichen aller christlichen Kirchen dazu auf, "mit einer Stimme das Ende der Gewalt" zu fordern, damit miteinander gesprochen werden könne. "Stoppt die Massaker. Stoppt die Brutalität dieses Kriege", sagte der Erzbischof von München und Freising im Münchner Liebfrauendom. "Deshalb brauchen wir die einmütigen Stimmen aller: die der Katholiken, der Protestanten, der Orthodoxen."

Bätzing würdigt Mut von TV-Redakteurin

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, würdigte den Mut etwa der TV-Redakteurin Marina Owsjannikowa, die in den russischen Nachrichten gegen der Krieg protestiert hatte. "Mich hat die Situation daran erinnert, wie Jesus vor Pilatus stand und sagte: 'Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege'", sagte er im Limburger Dom. Und weiter: "Alle schändlichen Versuche, zu unterdrücken, was wahr ist und zur Freiheit führt, werden auf Dauer keinen Erfolg haben."

Erzbischof Schick: "Jesus weist auf Betroffene hin"

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick erklärte, der gekreuzigte Jesus weise auf die Betroffenen von Krieg und Unrecht hin. Neben der Lage in der Ukraine erinnerte Schick an die Menschen im Jemen, in Syrien, im Sudan und in Pakistan. Der Karfreitag werfe zudem die Frage auf, ob Menschen noch weinen, trauern und klagen könnten, fügte der Erzbischof hinzu. "Wir sind doch so gern cool, überlegen und distanziert. Können wir über unsere Welt, Menschheit und Schöpfung weinen, trauern und klagen?"

Auch der Trierer Bischof Stephan Ackermann verwies auf die "Karfreitagssituationen unserer Zeit". Neben den Menschen in der Ukraine nannte er jene, die "in unserer Zeit über Tage hilflos auf dem Mittelmeer treiben und schließlich ertrinken, ohne dass jemand jemals wieder von ihnen hört".

Kritik an dem Patriarchen Kyrill

Scharfe Kritik äußerte der Münchner Kardinal Reinhard Marx an der Rolle des russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I., ohne ihn direkt beim Namen zu nennen. Es sei eine Perversion, "dass auch Christen im Zeichen des Kreuzes Gewalt ausgeübt haben, dass im jetzigen Krieg getaufte Christen andere Christen umbringen und dafür noch durch Führer der Kirche Unterstützung erfahren". Systeme und Zivilisationen sowie politische Herrschaften, die auf Gewalt aufgebaut seien, könnten "niemals christlich legitimiert werden".

Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill bekundet regelmäßig seine Nähe zum russischen Präsidenten Wladimir Putin und seine Unterstützung für dessen Kriegskurs gegen die Ukraine.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 15. April 2022 um 19:00 Uhr.