Kardinal Reinhard Marx | Bildquelle: picture alliance/dpa

Vorsitzender der Bischofskonferenz Marx hält Zölibat-Lockerung für denkbar

Stand: 08.09.2019 12:28 Uhr

Noch vor wenigen Monaten hat Kardinal Marx den Zölibat verteidigt. In einem Interview sagte er nun, dass es unter bestimmten Voraussetzungen vorstellbar sei, verheiratete Priester zuzulassen.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, kann sich in einzelnen Fällen eine Einschränkung des Zölibats vorstellen. Es sei möglich, dass man zu dem Ergebnis komme, "dass es sinnvoll ist, unter bestimmten Voraussetzungen in bestimmten Regionen verheiratete Priester zuzulassen", sagte Marx in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Damit hat der Kardinal offenbar seine strenge Meinung zur Ehelosigkeit für Priester geändert. Noch Anfang Juni verteidigte er den Zölibat bei der Diakonenweihe von zwei Priesteramtskandidaten. Da die Ehelosigkeit "die Lebensform Jesu ist, wird sie nicht verschwinden", sagte Marx damals. Mit der Entscheidung dafür erklärten Priester ihre Bereitschaft, allen Menschen zu dienen.

Verheiratet Priester im Amazonasgebiet?

Der Vatikan hat das Thema Priesterzölibat auf die Tagesordnung einer Bischofssynode in Rom im Oktober gesetzt. Auch Kardinal Marx nimmt daran teil. Die Mitglieder wollen über eine begrenzte Zulassung verheirateter Priester im Amazonasgebiet beraten. Im Vorbereitungsdokument kommen die Autoren zu dem Schluss, dass in vielen Gemeinden wegen des Priestermangels regelmäßige Abendmahl-Feiern nicht mehr möglich seien.

Weiter heißt es dort, dass es zudem nötig sei, "dem indigenen und aus der Region stammenden Klerus unter Berücksichtigung seiner eigenen kulturellen Identität und Werte Rückendeckung zu geben". Laut Arbeitspapier will die Synode zudem offizielle Rollen für Frauen finden unter Anspielung auf die ohnehin starke Beteiligung der Frauen am kirchlichen Leben im Amazonas-Gebiet.

"Synoden für Frauen öffnen"

Einen Spielraum, um Frauen zum Priesteramt zuzulassen, sieht Marx nicht. Papst Johannes Paul II. habe 1994 endgültig festgelegt, dass die Kirche keinerlei Vollmacht habe, Frauen die Priesterweihe zu spenden. Er könne nicht erkennen, wie man das heute theologisch beiseitelegen könne, auch wenn die Argumentation der Kirche "heute schwieriger zu vermitteln" sei, sagte der Münchner Erzbischof.

Allerdings sprach sich der Kardinal im Interview der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" dafür aus, Bischofskonferenzen und Synoden für Frauen zu öffnen. "Es würde schon sehr viel ändern, wenn diese Männerwelt aufgebrochen würde." Bislang blieben dort Männer unter sich. Eine Frauen-Beteiligung an Abstimmungen hält er jedoch nicht für möglich. Das lasse das Kirchenrecht wahrscheinlich nicht zu. "Doch es ändert ja schon die Perspektive, wenn zuvor Frauen und Männer gemeinsam diskutiert haben. Hier sehe ich noch erheblichen Spielraum."

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