Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising | dpa

Reaktionen auf Marx' Rücktrittsangebot "Konsequent, klug, überfällig"

Stand: 05.06.2021 11:18 Uhr

Kardinal Reinhard Marx hat dem Papst seinen Rückzug angeboten. Dafür erntete er Respekt von verschiedenen Seiten. Die Reformbewegung "Wir sind Kirche" hofft, dass weitere Bischöfe seinem Beispiel folgen.

Für sein Angebot, auf sein Amt zu verzichten, haben Kleriker, Laien und Politiker dem Münchner Kardinal Reinhard Marx vielfach Respekt gezollt. Aus Sicht der Reformbewegung "Wir sind Kirche" sei dieser Schritt "nachvollziehbar, konsequent, strategisch klug und letztlich überfällig". Es sei auch ein Signal an Kölns Kardinal Rainer Maria Woelki und setze diesen "gewaltig unter Druck", sagte ein Sprecher. Für einen Neuanfang in der katholischen Kirche brauche es neue Personen - vor allem solche, die nicht durch langwierige Aufarbeitungsprozesse gebremst würden. Es bleibe zu hoffen, "dass weitere Bischöfe seinem Schritt folgen und nicht nur verbal Verantwortung für Vertuschung und Hinhalte-Taktik übernehmen."

Wie das Erzbistum von München und Freising mitgeteilt hatte, hatte Kardinal Marx Papst Franziskus in einem Brief darum gebeten, "seinen Verzicht auf das Amt des Erzbischofs von München und Freising anzunehmen und über seine weitere Verwendung zu entscheiden". Begründet hatte er diesen Schritt unter anderem damit, Verantwortung übernehmen zu wollen für Fehler - persönlich und institutionell - im Zusammenhang mit der "Katastrophe des sexuellen Missbrauchs durch Amtsträger der Kirche in den vergangenen Jahrzehnten".

Laschet: "Soziallehre der Kirche geprägt"

Mit "großem Respekt" reagierte auch die EU-Bischofskommission COMECE, in der die 27 nationalen Bischofskommissionen der Unions-Länder vertreten sind. "Seine Entscheidung muss das Ergebnis tiefer und mutiger innerer Einkehr sein", erklärte Marx' Nachfolger als Vorsitzender der in Brüssel ansässigen Organisation, Kardinal Jean-Claude Hollerich. Diese Entscheidung spiegele "jene Ernsthaftigkeit wider, die stets Marx' Handeln als Seelsorger geleitet" habe. Er bedaure den Rücktritt, so Hollerich, empfinde aber "tiefen Respekt für Kardinal Marx und seine Entscheidung.

Ebenfalls "großen Respekt" bekundete der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und CDU/CSU-Kanzlerkandidat Armin Laschet. "Der in Westfalen geborene Sohn eines Schlossermeisters hat die Soziallehre der Kirche geprägt", twitterte Laschet. Sein Appell für eine Reform der Kirche und eine neue Epoche des Christentums bleibe. "Diese große Persönlichkeit wird fehlen."

"Beben in der katholischen Kirche"

Für die ehemalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan ist das Rücktrittsgesuch des Münchner Kardinals ein "starkes Zeichen, das hoffentlich zu einem Beben in der katholischen Kirche" führen werde. Marx habe deutlich gemacht, dass es moralische und politische Verantwortung gebe, die nicht durch strafrechtliche Aufklärung ersetzt werden könne, sagte die frühere Botschafterin beim Vatikan der Nachrichtenagentur dpa.

Schavan zeigte sich zuversichtlich, dass der Reformprozess "Synodaler Weg" in der katholischen Kirche in Deutschland gestärkt werde. "Der Einfluss derer, die keine Erneuerung der Kirche wollen, wird immer weniger relevant werden." Im übrigen sei sie überzeugt, dass Marx in der Weltkirche auch weiter eine wichtige Rolle spielen werde.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. Juni 2021 um 09:00 Uhr.