Christian Wulff (CDU), Vorsitzender des Stiftungsrats der Deutschlandstiftung Integration, und Annette Widmann-Mauz (CDU), Bundesbeauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration, stehen vor Plakaten unter anderem mit der Aufschrift "Hass ist tödlich". | Bildquelle: dpa

Kampagne gegen Hass "Schweigen ist längst keine Option mehr"

Stand: 07.10.2020 16:27 Uhr

Rechtsextreme Täter töten bei Anschlägen wie in Halle und Hanau, immer wieder werden Fälle von Rassismus in den Sicherheitsbehörden bekannt. Die Initiative #MeineStimmeGegenHass will an Opfer erinnern und gegen Rassismus und Rechtsextremismus eintreten.

Von Claudia Plaß, ARD-Hauptstadtstudio

Deutschland habe ein Problem mit Rechtsextremismus und Rassismus, sagte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz. Alle seien verantwortlich, konsequent dagegen anzukämpfen. Jede und jeder sei gefragt, die Stimme gegen Hass zu erheben, sei es im Alltag, in der Schule, am Arbeitsplatz, im Sportverein, oder in den sozialen Medien. "Schweigen müssen schon die Opfer - und Schweigen ist längst keine Option mehr", so Widmann-Mauz, die an die Anschläge unter anderem von Halle und Hanau  erinnerte.

Die Integrationsbeauftragte fördert die bundesweite Kampagne "Meine Stimme gegen Hass". Die Kampagne ruft dazu auf, die Opfer von rechter und rassistischer Gewalt nicht zu vergessen und entsprechend die Stimme gegen Rassismus zu erheben - mit Anzeigen, Plakaten und Aufrufen will sie unter anderem in den sozialen Netzwerken präsent sein.

Unantastbarkeit jedes Menschen

Initiiert wurde sie hauptsächlich von der Deutschlandstiftung Integration. Auch deren Vorsitzender, Altbundespräsident Christian Wulff, forderte dazu auf, angesichts rechtsextremistischer Taten Haltung zu zeigen und lauter die Stimmen zu erheben - gegen Antisemitismus, Ausgrenzung und rechtsextremen Terror.

Wulff betonte, es gehe um nicht mehr und nicht weniger als die Unantastbarkeit eines jeden Menschen. "Es ist notwendiger denn je, allem entgegenzutreten, wo immer sich Hass äußert, egal ob gegen Juden, Christen oder Muslime, ob wegen Herkunft, Obdachlosigkeit oder sexueller Orientierung."

Gefördert wird die Kampagne "Meine Stimme gegen Hass" mit jeweils 125.000 Euro von der Bundesregierung und der Bundeszentrale für politische Bildung.

"Rechter Terror ist die größte Gefahr in Deutschland"

Wie wichtig die Initiative für sie ist, beschreibt deren Vizepräsidentin Cemile Giousouf: Der rechte Terror sei die größte Gefahr in Deutschland. Menschen mit Zuwanderungsgeschichte hätten Angst um ihre Kinder, jüdische Familien fragten sich, ob Deutschland noch sicher für sie sei.

Die demokratischen Kräfte im Land müssten befähigt werden, ihre Haltung zu verteidigen, so Giousouf: "Die Mehrheit der Menschen unterstützt unser demokratisches Wertesystem und steht an der Seite der Opfer." Diese Mehrheit sei aber nicht immer sprechfähig und in der Lage, diese Werte auch zu verteidigen. Genau dort setze man mit der Kampagne an. Auch der Deutsche Fußballbund unterstützt die Initiative.

Wulf für externe Untersuchung der Sicherheitsbehörden

Haltung zeigen, Stimme erheben gegen Hass - beim Blick auf die gesamte Gesellschaft geht es auch um die Sicherheitsbehörden in Deutschland. Bundesinnenminister Horst Seehofer lehnte zuletzt eine Rassismus-Studie ab, die nur die Polizei betrifft. Offen aber zeigte er sich dafür, dass im Rahmen einer groß angelegten Studie auch die Sicherheitsbehörden untersucht werden.

Altbundespräsident Wulff sprach sich für eine externe Untersuchung bei den Sicherheitsbehörden aus. Er wäre zufrieden, wenn dies Teil einer Gesamtrassismusstudie wäre - dennoch: "Ich lege Wert auf diese externe Beurteilung." Auf alle Bereiche, in denen es Korpsgeist gebe, müsse man auch mal von außen schauen. Damit, so Wulff, könne Vertrauen in die betroffenen Behörden gestärkt und zum Teil wieder hergestellt werden.

Meine Stimme gegen Hass - Kampagne gegen Rechtsextremismus
Claudia Plaß, ARD Berlin
07.10.2020 15:47 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 07. Oktober 2020 tagesschau24 um 11:00 Uhr und NDR Info um 15:08 Uhr.

Korrespondentin

Claudia Plaß | Bildquelle: Jens Jeske/www.jens-jeske.de Logo NDR

Claudia Plaß, NDR

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