NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder | dpa

K-Frage in der Union Die Risse werden tiefer

Stand: 16.04.2021 13:27 Uhr

Die K-Frage in der Union zieht sich, beide Lager stehen sich weiter gegenüber. Und auch innerhalb der CDU entstehen Gräben - ein erster Spitzenpolitiker ist von Laschet abgerückt.

Von Sabine Henkel, ARD-Hauptstadtstudio

Dramatischer als der Grünen-Politiker Jürgen Trittin kann man die Kanzlerkandidatensuche der Union kaum beschreiben: "Wenn es Söder wird, ist die CDU enthauptet - das ist die Dimension, die dort stattfindet", sagte er.

Sabine Henkel ARD-Hauptstadtstudio

Die CDU ohne Haupt, also ohne Armin Laschet, führungslos: Das wäre - frei nach Trittin - also das Ergebnis, wenn sich CSU-Chef Markus Söder durchsetzen würde. Laschet entmachtet, seine Zukunft offen, die der CDU ebenfalls. Nun hat Trittin gut reden; die Grünen können die Schlammschlacht erhobenen Hauptes beobachten. 

"Für mich ist es ehrlicherweise noch keine Schlammschlacht", sagte Dorothee Bär (CSU) im Deutschlandfunk. Sie verweist auf die Umfragen - sie sind das Argument der CSU. Söder liegt in den persönlichen Werten weit vor Laschet. Deshalb, meint Bär, komme man an Söder nicht vorbei. "Wenn man gewinnen will, lässt man den Besten ja nicht auf der Bank sitzen. Und ich bin mir sicher, dass der FC Bayern nicht aus der Champions League geflogen wäre, wenn wir Robert Lewandowski gehabt hätten."

Erster CDU-Ministerpräsident wechselt die Seiten

Die Union könnte aber aus der Regierung fliegen, wenn sie Söder nicht aufstellt - die Sorge treibt auch CDU-Abgeordnete ins Söder-Lager. Seit gestern sind das nicht mehr nur Hinterbänkler, die Angst haben, zu unterliegen.

Reiner Haseloff, seines Zeichens Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt und CDU-Präsidiumsmitglied, hat die Seiten gewechselt. Charakter und Vertrauen seien für ihn nicht entscheidend, sagte er, sondern Umfragen. Haseloff will im Juni die Landtagswahl gewinnen und setzt darauf, dass Söder ihm als Kanzlerkandidat nutzen kann.

Andere in der CDU-Spitze wie Jens Spahn halten ihr Wort vom Montag. "Ich habe Achim Laschet im Präsidium und in der Fraktion ausdrücklich und aus Überzeugung unterstützt", sagte er. "Er wäre ein guter Kanzler, er führt das bevölkerungsreichste Bundesland sicher durch die Krise, er steht mit seiner christlich-liberalen Koalition für eine klimaschützende, wachstumsfördernde Politik, für innere Sicherheit und vor allem für Zusammenhalt."

Abwärtstrend gestoppt

Zusammenhalt ist das, was der Union abhanden gekommen ist. Das Laschet-Lager und das Söder-Lager stehen sich gegenüber. Die einen sagen, Laschet könne integrieren und halten ihn für den besseren Kanzler. Die anderen meinen, Söder könne besser wahlkämpfen. Und Bär sieht noch einen weiteren Punkt, der für Söder spricht: "Für mich geht es auch immer darum, wer kann auf europäischer Ebene oder auch weltweit mit der neuen Biden-Administration, wer kann mit Russland und China sprechen. Da muss man auch immer noch darauf schauen."

Womit sie wohl eher auf Söders selbstsicheres Auftreten anspielt, außenpolitisch fehlt ihm nämlich jegliche Erfahrung. Aber darum geht es derzeit auch nicht, nicht um Kompetenzen, sondern darum, wer in der Union die Stärkere ist - CDU oder CSU? Es geht um den Zusammenhalt innerhalb der CDU und um besagte Umfragen.

Die Union insgesamt hat übrigens den Abwärtstrend gestoppt, bei Infratest dimap hat sie einen, bei der Forschungsgruppe Wahlen drei Punkte zugelegt. Für wen das auch immer sprechen mag.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. April 2021 um 12:00 Uhr.