Friedrich Merz (l, CDU), Vizepräsident des Wirtschaftsrats, und Tilman Kuban, Bundesvorsitzender der Jungen Union Deutschland, trinken nach der Rede von Merz beim Deutschlandtag der Jungen Union auf der Bühne zusammen Bier.  | Bildquelle: dpa

Deutschlandtag Junge Union für Urwahl in der K-Frage

Stand: 12.10.2019 07:38 Uhr

Die Junge Union hat auf ihrem Deutschlandtag für eine Urwahl des Kanzlerkandidaten votiert - ein Affront gegen CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer, begleitet von einem umjubelten Auftritt ihres Kontrahenten Merz.

Von Janek Böffel, SR

"Wir werden inhaltlich diskutieren: darüber, wie wir das Klima schützen können, wie wir uns zur Grundrente positionieren, wie wir eine neue Innovationsagenda für Deutschlanbd schaffen." Ja, Tilman Kuban, der Vorsitzende der Jungen Union, wurde nicht müde zu betonen, was die JU auf ihrem Deutschlandtag alles inhaltlich vorhabe: 500 Anträge insgesamt.

Affront gegen Kramp-Karrenbauer

Und doch war da dieses eine Thema, diese eine Frage, die die Kuban selbst medienwirksam vor eine Woche gestellt hatte: "Wir werden darüber diskutieren, wie wir mehr Basisbeteiligung für unsere Bundespartei wollen." Oder anders - und in diesem Fall wohl treffender - formuliert: Ob die Junge Union für eine Urwahl des Kanzlerkandidaten oder der Kanzlerkandidatin ist.

Eigentlich ist das nicht weniger als eine Revolution bei der Union und für viele nicht weniger als ein Affront gegen die Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer, die qua Amt traditionsgemäß ein Vorgriffsrecht auf die Kandidatur hat.

Merz wird gefeiert

Es war nicht der einzige potenzielle Affront in Richtung der Parteivorsitzenden. Schließlich war da ja auch noch Friedrich Merz. Ausgerechnet Friedrich Merz, im Dezember noch gegen Kramp-Karrenbauer im Kampf um den Parteivorsitz unterlegen.

Merz war nicht nur zum Besuch beim Deutschlandtag eingeladen, sondern wurde von Kuban gleich zur Rede vor dem Unions-Nachwuchs gebeten. Der begrüßte Merz mit minutenlangem Applaus, vor allem aus dessen mitgliederstarkem Heimatverband Nordrhein-Westfalen.

Seine Rede war anfangs zurückhaltend, nur kein Vorpreschen, das als eigene Ambition auf die Kanzlerkandidatur verstanden werden könnte. Aber am Schluss dann doch zumindest ergebnisoffen: "Wir werden die politische Auseinandersetzung - mit wem auch immer - um diese zentrale Frage in den nächsten Jahren führen müssen. Und wenn Sie wollen, dass ich dabei bin, dann bin ich dabei", sagte Merz unter dem Jubel der JU-Delegierten.

Mehrheit für Urwahl bei Kanzlerfrage

Ohnehin steht dieser Deutschlandtag im Schatten der Personaldebatten. Sprechen doch neben Merz und Kramp-Karrenbauer, die erst am Sonntag auftritt, auch sämtliche anderen tatsächlichen und potenziellen Kandidatenkandidaten, von Spahn über Söder bis Laschet. Und - geht es nach der JU, sind die nicht wie sonst als Entscheidung der Parteispitze, sondern per Urwahl zu bestimmen. So das deutliche Votum der JU.

Kuban selbst hielt sich zurück, sprach nicht zum Thema. Das übernahmen andere. "Wenn irgendwann die Zeit reif ist, ein Verfahren zu diskutieren, wie wir den Kanzlerkandidaten bestimmen wollen, dann ist es jetzt", sagte eine Delegierte. "Wenn wir erwarten, dass wir einen Kanzlerkandidaten aufstellen, der 80 Millionen Deutsche überzeugen soll, dann sollte es ein Klacks sein, dass derjenige auch 400.000 Parteimitglieder überzeugen kann", sagte ein anderer.

Hans bremst bei Urwahlfrage

Allerdings teilen nicht alle in der Partei die Meinung des Nachwuchses. Gerade die Parteispitze zeigt sich zurückhaltend beim Thema. Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans warnt eher vor einer Urwahl, "weil ich auch den Eindruck habe, dass die Sozialdemokraten der Stabilität in Deutschland im Moment nicht besonders gut tun, glaube ich, sollten wir auch vorsichtig sein, wenn wir Rezepte anderer Parteien auf unsere Partei übertragen."

Ohnehin muss erst noch der Parteitag der Mutterpartei im November in Leipzig darüber entscheiden. Das ist längst nicht garantiert, ist allerdings angesichts dieses Votums der Jungen Union nicht unbedingt unwahrscheinlicher geworden. Kramp-Karrenbauer geht zumindest nicht gestärkt aus diesem ersten Tag des Deutschlandtags hervor.

Junge Union spricht sich für Urwahl bei Kanzlerfrage aus
Janek Böffel, SR
12.10.2019 07:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 12. Oktober 2019 MDR Aktuell um 06:22 Uhr und tagesschau24 um 09:00 Uhr.

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