Kinder spielen auf einem Sportplatz Fußball (Archivbild) | dpa

Jugendliche im zweiten Lockdown Nur 75 Minuten Bewegung pro Tag

Stand: 27.04.2021 17:17 Uhr

Im zweiten Lockdown haben sich Kinder und Jugendliche deutlich weniger bewegt als noch im ersten. Einer Studie zufolge nahm dafür der Fernsehkonsum zu - ebenso wie das Gewicht vieler Jugendlicher.

Kinder und Jugendliche haben sich im zweiten Lockdown deutlich weniger bewegt als im ersten Lockdown im Frühjahr 2020. Das ist das Ergebnis einer Langzeitstudie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Durchschnittlich 75 Minuten am Tag waren die beteiligten Kinder im Februar zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs oder joggten und nahmen Internet-Fitnessangebote wahr. Im vergangenen Frühling war die Bewegungsdauer mit täglich 166 Minuten mehr als doppelt so lang.

Während die Zeit für körperliche Aktivitäten abnahm, verlängerte sich der Fernsehkonsum. Die Kinder und Jugendlichen saßen 222 Minuten am Tag vor dem Bildschirm, 28 Minuten länger als im ersten Lockdown. "Durch die höhere Inaktivität gab fast die Hälfte der Befragten nach eigener Einschätzung an, dass ihre Fitness stark gesunken sei", sagte Alexander Woll, Leiter des Instituts für Sport und Sportwissenschaft am KIT.

Jugendliche sind dicker geworden

Woll mahnt angesichts des Abbaus langfristige Lösungen an, um auch in Situationen wie einer Pandemie die Bewegung von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Denn Bewegung stärke nicht nur die Fitness, sondern auch das Wohlbefinden und die vor allem in einer Pandemie wichtigen Abwehrkräfte.

Knapp 30 Prozent der befragten jungen Menschen zwischen vier und 17 Jahren seien nach eigenen Worten dicker geworden. Im ersten Lockdown hatte das Bewegungsniveau noch über dem vor der Pandemie gelegen. Die Kinder und Jugendlichen fanden alternative Bewegungsmöglichkeiten, so dass sie den Vor-Corona-Wert von 142 Minuten Sport und Alltagsbewegung am Tag um mehr als 20 Minuten übertrafen.

1700 junge Menschen befragt

Anders als vor einem Jahr zog der Wissenschaftler diesmal eine negative Bilanz. Das gute Wetter im ersten Lockdown habe bewirkt, dass sich die Kinder und Jugendlichen sehr viel draußen aufgehalten und folglich mehr bewegt hätten. Das sei im Winter nicht mehr in dem Maße möglich gewesen. Außerdem hatten sie im zweiten Lockdown mehr Unterricht und damit weniger unverplante Zeit, wie der Forscher erläuterte. Überdies sei vermutlich der Frust der Kinder und Jugendlichen gestiegen und die Motivation für Bewegung gesunken.

Das Institut befragte im Februar dieses Jahres 1700 junge Menschen im Alter von vier bis 17 Jahren, 1322 davon wurden auch während des ersten Lockdowns befragt. An der ersten Befragung im Frühjahr 2020 hatten ebenfalls 1700 Kinder und Jugendliche teilgenommen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. April 2021 um 16:54 Uhr.