Ein Junge fährt auf dem Flur des Diakonischen Werkes mit seinen Skates | picture alliance/dpa

Statistik für 2020 Weniger Kinder in Obhut

Stand: 24.06.2021 13:52 Uhr

Wenn Kinder vernachlässigt oder misshandelt werden oder ihre Eltern überfordert sind, bringen Jugendämter sie vorübergehend im Heim unter. In der Pandemiezeit ist die Zahl der Gefährdeten nicht gestiegen. Das hat mehrere Gründe.

Die deutschen Jugendämter haben im vergangenen Jahr acht Prozent weniger Kinder und Jugendliche zu deren Schutz in Obhut genommen als im Jahr zuvor. Die Zahl sank im Vergleich zu 2019 um rund 4000 auf etwa 45.400. Das teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit.

Häufigste Ursache für diese Schutzmaßnahme war Überforderung von Eltern - dies betraf 41 Prozent aller Fälle. Meist wurden Kinder vorübergehend in einem Heim oder einer vergleichbaren Einrichtung untergebracht.

Als weitere Ursache folgte mit Abstand an zweiter Stelle die unbegleitete Einreise aus dem Ausland (17 Prozent). Anzeichen für Vernachlässigungen waren der dritthäufigste Grund (15 Prozent), gefolgt von Hinweisen auf körperliche Misshandlungen (13 Prozent).

Ein Drittel der Betroffenen jünger als zwölf

Ebenso häufig ging es um Beziehungsprobleme und in acht Prozent der Fälle um psychische Misshandlungen. Ein Drittel aller 2020 in Obhut genommenen Jungen und Mädchen war jünger als zwölf Jahre, jedes zehnte Kind sogar jünger als drei Jahre.

Der Rückgang der Zahlen ergab sich nach Angaben der Statistiker zum einen aus weniger unbegleiteten Einreisen von minderjährigen Flüchtlingen. Zum anderen gab es weniger Fälle dringender Kindeswohlgefährdung sowie weniger Fälle sogenannter Selbstmeldungen von Jungen und Mädchen bei Ämtern.

Zusammenhang mit Corona-Folgen unklar

Ob die beiden letztgenannten Entwicklungen mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie zusammenhingen, lasse sich anhand der Statistik nicht klären, hieß es. Diese könne das Dunkelfeld nicht abbilden.

Das Bundesamt verwies zugleich auf Einschätzungen von Fachleuten sowie entsprechende Studien, wonach Fälle von Kindesmisshandlung und -vernachlässigung in Folge der allgemeinen Lockdown-Maßnahmen und Kontaktbeschränkungen unentdeckt geblieben sein könnten. In die Statistik fließen nur die den Ämtern bekannten Vorfälle ein.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 24. Juni 2021 um 13:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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falsa demonstratio 24.06.2021 • 18:08 Uhr

Am 24. Juni 2021 um 17:22 von Susi1960

Zitat: Wenn es um die Erfassung der Ursachen für die Kindeswohlgefährdung in unserer Gesellschaft gehen soll, macht es keinen Sinn, die Einreise von unbegleiteten minderjährigen Migranten in die Statistik mit hineinzunehmen, da sie nun mal nicht alleine leben können. Es verfälscht die Statistik und verschleiert den Blick auf Zusammenhänge. Zwei separate Statistiken wären klarer. Schauen sie sich doch einmal beim Statitischen Bundesamt die Tabelle " Schutzmaßnahmen (nach §§ 42, 42a SGB VIII) für Kinder und Jugendliche 2020 nach Altersgruppen, Geschlecht und Migrationshintergrund sowie Anregendem der Maßnahme" an. Ich glaube, die sind schon selbst auf die Idee gekommen.