Schülerin hinter Mikroskop (Symbolbild) | dpa

Wettbewerb "Jugend forscht" Von resistenten Keimen bis Konfetti

Stand: 30.05.2021 16:41 Uhr

Bundesbildungsministerin Karliczek hat Deutschlands beste Nachwuchswissenschaftler im Wettbewerb "Jugend forscht" ausgezeichnet. Wegen der Corona-Pandemie fand die Ehrung erneut online statt.

Beim 56. Wettbewerb "Jugend forscht" sind in Heilbronn die besten Nachwuchsforscherinnen und -forscher aus Deutschland ausgezeichnet worden. Für das Bundesfinale hatten sich 169 junge Tüftler mit 113 Forschungsprojekten in den Fachgebieten wie Arbeitswelt, Biologie, Chemie, Geo- und Raumwissenschaften, Mathematik/Informatik, Physik sowie Technik qualifiziert. Wie bereits die Präsentationen in den vergangenen Tagen wurde auch die Siegerehrung wegen der Corona-Pandemie als Livestream übertragen.

Mit Computerprogrammen, Umweltprojekten und ganz handfesten neuen Produkten konnten die Jugendlichen die Jury in diesem Jahr überzeugen. So erhielt Jakob Nolte aus Hessen den Preis der Bundeskanzlerin für die originellste Arbeit: Der 20-Jährige wies nach, dass in der Region um das hessische Laubach in den vergangenen rund 130 Jahren bis zu 80 Prozent der Blütenpflanzenflora verschwunden sind - Bundeskanzlerin Angela Merkel wird der junge Forscher im September auch persönlich treffen.

Trio löst komplexes Informatikproblem

Den Preis des Bundespräsidenten für eine außergewöhnliche Arbeit erhielten Lennart Christian Grabbel (17), Paul Siewert (18) und Juri Kaganskiy (16) aus Hamburg. Es gelang ihnen, ein Problem der theoretischen Informatik zu lösen, indem sie ein Programm konstruierten, das gegenüber allen bislang bekannten um fast 40 Prozent kürzer ist.

Über den Preis der Bundesbildungsministerin für die beste interdisziplinäre Arbeit freute sich der 16 Jahre alte Amon Schumann. Der Berliner hat Ansätze entwickelt, um die traditionellen Verfahren zur Wetterdatenmessung zu optimieren. Er nutzt Wetterballons mehrfach und kann eine extrem leichte Sonde mit Solarstrom betreiben.

"Löschigel" für die Feuerwehr

Mit einer Art "Löschigel" holte sich Jan Heinemann (18) aus Andernach den Sieg im Fachgebiet Arbeitswelt. Sein stachelartiger Aufsatz für Feuerwehrschläuche kann durch die Düsen Wasser großflächig zerstäuben und den Löscheinsatz so effektiver machen. "Wer eine Idee hat, darf nicht aufgeben, er muss kreativ sein, muss sich verbessern und etwas für die Zukunft da lassen", sagte der neue Bundessieger bei der Preisverleihung.

Chemie-Bundessieger Nikola Ristic (18) aus Leipzig (Sachsen) hat ein Computerprogramm optimiert, um Dichte und innere Struktur von Molekülen und deren Hohlräumen berechnen und sichtbar machen zu können.

Methode zur Spaltung eines Antibiotikums

Marik Müller (17) errang den Bundessieg im Fachgebiet Biologie mit einer Methode, die das Antibiotikum Florfenicol spaltet, bevor es in die Umwelt gelangt. So werde das Risiko der Entstehung resistenter Keime reduziert, erklärte der Jugendliche aus Potsdam.

Das Flugverhalten von Konfetti haben Leonard Münchenbach und Leo Neff (beide 17) aus dem baden-württembergischen Emmendingen untersucht und damit die Jury überzeugt. Mit der neuen Formel der Physik-Bundessieger lässt sich beschreiben, wie schnell Papierstreifen im freien Fall rotieren.

Ebenfalls aus dem Südwesten stammt Tobias Neidhart, der Bundessieger im Fachgebiet Technik. Der 18-Jährige aus Konstanz beschleunigte einen speziellen Druckertyp, bei dem ein zähflüssiges Harz mit UV-Licht belichtet wird, um so Schicht für Schicht auszuhärten.

"Jugend forscht" gilt als Europas größter Nachwuchswettbewerb in Mathematik, Naturwissenschaften und Technik. Im vergangenen Jahr waren wegen der Corona-Pandemie keine Projekte ausgezeichnet worden.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 30. Mai 2021 um 16:45 Uhr.