Zwei Männer sind auf dem Weg zur Agentur für Arbeit.  | dpa

Experten befürchten Nachteile Wie die Krise Berufseinsteiger trifft

Stand: 21.05.2020 08:41 Uhr

Die Arbeitsmarktchancen für eine ganze Generation von Berufseinsteigern haben sich durch die Corona-Krise massiv verschlechtert. Wie gehen junge Menschen damit um?

Von David Zajonz, WDR

Der Plan von Hotel-Azubi Dustin Hoffmann, 22 Jahre alt, stand schon fest. Nach dem Ende seiner Ausbildung im Sommer sollte es nach Kanada gehen. Dort wollte er im Hotelbereich arbeiten und sein Englisch verbessern. Corona hat diesen Traum vorerst platzen lassen. Statt im Ausland will Hoffmann seine Sprachkenntnisse zu Hause durch Online-Kurse aufbessern.

David Zajonz

Der Start ins Berufsleben wird für ihn und für viele in seinem Alter nicht einfach. Die Wirtschaft befindet sich in der schlimmsten Krise seit dem zweiten Weltkrieg, und viele Betriebe stellen nicht ein. Hoffmanns derzeitiger Arbeitgeber, ein Hotel in Köln, hätte ihn nach der Ausbildung gerne übernommen. Aber wegen der Corona-Krise ist auch das ungewiss. Hotels sind zurzeit nur zu einem geringen Teil ausgelastet.

Hotel-Azubi Dustin Hoffmann | David Zajonz

Hotel-Azubi Dustin Hoffmann beendet im Sommer seine Ausbildung. Bild: David Zajonz

"Sorgen mache ich mir jetzt noch nicht", sagt der Azubi. Er steckt gerade mitten in den Vorbereitungen für die Abschlussprüfungen: "Da ist mein voller Fokus drauf. Was danach passiert, das schaue ich dann." Er will sich deutschlandweit auf Hotel-Jobs bewerben.

Ungewisse Zukunft

Selbst in Bereichen, in denen Absolventen bisher fast sicher einen Job bekommen haben, ist die Lage schwierig. Felix Gasse, 30 Jahre alt, beendet in Wuppertal gerade sein Studium in Wirtschaftsingenieurwesen und Elektrotechnik. Neben dem Studium hat er fachbezogene Berufserfahrung gesammelt. Einen wie ihn hätten wohl noch vor drei Monaten viele Unternehmen sofort eingestellt. Jetzt ist auch seine Zukunft ungewiss.

Felix Gasse |

Felix Gasse beendet in Wuppertal gerade sein Studium in Wirtschaftsingenieurwesen und Elektrotechnik.

Potentielle Arbeitgeber, zum Beispiel Automobilzulieferer, stecken tief in der Krise. "Bei meiner Jobsuche mache ich mir schon ein bisschen Sorgen, weil man einfach nicht weiß, wie es wirtschaftlich weitergeht", sagt der Masterstudent. "Man sieht nur, dass jetzt alles am Einbrechen ist."

Lohnt sich eine Bewerbung überhaupt?

Berufsberaterin Jessica Marx beobachtet an der Universität zu Köln eine große Verunsicherung unter den Studierenden. Sie leitet dort den Career Service für Kultur- und Geisteswissenschaftler. Es seien weniger Stellen ausgeschrieben als sonst, außerdem dauere der Auswahlprozess länger, erzählt sie. Die Unsicherheit betreffe potentielle Berufsanfänger, aber auch Studierende, die nach Praktika oder Nebenjobs suchen.

"Momentan fragen uns viele Studierende, ob sie sich überhaupt bewerben sollen", sagt Marx. Sie rät dann dazu, es trotz Krise auf jeden Fall zu versuchen. Wenn es nicht klappt, so die Karriereberaterin, sollten die Bewerber die Ablehnung nicht persönlich nehmen. Außerdem sei jetzt eine gute Zeit, um die eigenen Bewerbungsunterlagen zu optimieren.

Dauerhafte Nachteile befürchtet

Arbeitsmarktforscher Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung IAB in Nürnberg befürchtet langfristige Nachteile für die jetzigen Absolventen. Er zieht dafür einen Vergleich mit Krisen-Generationen in der Vergangenheit: "Die Arbeitslosigkeit dieser Jahrgänge ist auch dauerhaft deutlich höher als die der Jahrgänge, die in guten Situationen in den Arbeitsmarkt reinrutschen", sagt Weber. "Solche bleibenden negativen Effekte müssen wir jetzt unbedingt vermeiden."

Während die Bundesregierung durch Kurzarbeit viele bestehende Jobs rettet, bleiben die Berufseinsteiger bislang auf der Strecke. Deshalb schlägt Arbeitsmarktexperte Weber einen Rettungsschirm für Neueinstellungen vor: "Das könnte so funktionieren, dass der Bund in diesem Jahr die Sozialbeiträge bei Neueinstellungen übernimmt und man damit starke Anreize für Einstellungen setzt."

Positiv denken

Noch im März hatte Deutschland mit 5,6 Prozent eine vergleichsweise sehr niedrige Jugenderwerbslosenquote. Diese dürfte in den kommenden Monaten deutlich steigen. Eine ganze Generation von Absolventen könnte auf eine Arbeitsmarktlage treffen, wie es sie jahrzehntelang nicht gab.

Trotzdem wollen sich die Berufseinsteiger nicht entmutigen lassen. "Es ist natürlich keine schöne Situation, aber man muss positiv an die Sache herangehen", sagt Masterstudent Gasse. Auch Hotel-Azubi Hoffmann blickt hoffnungsvoll in die Zukunft: "Meine persönliche Einstellung ist es, immer das beste aus der jeweiligen Situation zu machen. Ich bin zuversichtlich, dass ich trotzdem meinen Weg in der Hotellerie gehen kann." Eines Tages wird er vielleicht doch noch die Chance bekommen, in Kanada zu arbeiten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Mai 2020 um 11:00 Uhr.