Gesche Joost
Interview

Geesche Joost zum Wahlkampf im Social Web "Die Diskussionen sind häufig hochwertig"

Stand: 07.08.2013 20:56 Uhr

Dass Politik jetzt anders aufbereitet wird - auch mit Bildern, Animationen und Videos - macht die Information nicht weniger wertvoll, sondern leichter zugänglich, betont Gesche Joost, als Netz-Expertin Mitglied im Kompetenzteam der SPD (@GescheJoost).

tagesschau.de: Wie sieht Ihre Strategie für den Wahlkampf im Social Web aus? Bitte benennen Sie die Schwerpunkte.

Gesche Joost: Die Schwerpunkte liegen ganz klar auf Facebook und Twitter. Doch da gibt es eine spannende Differenzierung: Was sind eigentlich Inhalte für die normale Website und was sind eher schnelle, interaktive Nachrichten, auf die es Feedback von den Wählerinnen und Wählern geben kann? Die werden zuerst schnell über Twitter kommuniziert und mit etwas längerer Verweildauer und trotzdem hohem Nachrichtenwert auch auf Facebook. Beides sind gute Instrumente, die den klassischen Wahlkampf ergänzen.

tagesschau.de: Da Sie den Unterschied zwischen Twitter und Facbook ansprechen: Welche Themen landen auf welcher Plattform?

Joost: Bei Twitter geht es ganz klar um netzpolitische Themen, aber auch Sachthemen wie Betreuungsgeld, Familien- und Bildungspolitik, um nur einige Beispiele zu nennen. Das sind Bereiche, die die Netz-Community auf Twitter ansprechen. Facebook ist breiter ausgelegt, da kommunizieren wir viele unterschiedliche Themen, weil auch ganz "normale" Leute, die weniger netzaffin sind, oder auch ältere Leute es für sich entdeckt haben.

Gesche Joost, Mitglied des Kompetenzteams der SPD

Gesche Joost, Expertin für das Internet bei der SPD: Ein Team im Willy-Brandt-Haus kümmert sich um die Themensetzung.

tagesschau.de: Was wollen Sie genau damit erreichen?

Joost: Wir wollen den Feedback-Kanal öffnen, sodass wir eine direkte Interaktion mit Leuten haben. So bekomme ich Rückmeldung darüber, wo der Schuh drückt, welche Kritikpunkte es gibt, was gut ankommt, was wichtige Themen sind, die man ansprechen sollte. Und ich finde, die Diskussionen - vor allem über Twitter - häufig qualitativ hochwertig. Ich schätze das sehr als Dialogformat. Auf Facebook kann man wirklich eine breite Bevölkerungsschicht ansprechen.

tagesschau.de: Gibt es Leitlinien für die Politiker Ihrer Partei, wie sie auf den Social-Media-Plattformen agieren sollten, eine Message-Disziplin?

Joost: Es gibt ein Team im Willy-Brandt-Haus, das sich darum kümmert. Im Kompetenzteam schauen wir ganz genau, was die aktuellen Themen sind, zu denen wir uns äußern sollten. Das passiert mehrfach täglich.

tagesschau.de: In Tweets und Posts ist eine extreme Komplexitätsreduktion und - bei Twitter - radikale Echtzeit notwendig. Sind diese Plattformen für seriöse Politikvermittlung überhaupt geeignet?

Joost: Auf jeden Fall. Auf Twitter hat sich entwickelt, dass Schnelligkeit, Tweet-Abkürzungen und Expertenwissen dazu führen, dass Qualität in die Debatte kommt. Bei Facebook sind die Posts etwas länger. Dort spielt auch der Unterhaltungswert eine Rolle. Ich erinnere mich daran, dass ich früher bei meiner Oma Bundestagsdebatten live im Fernsehen angeschaut habe. Das war damals Politik. Heute kann man über Facebook darüber informiert sein, was passiert, und kann bei Themen, die einen wirklich interessieren, in die Tiefe gehen.

tagesschau.de: Also Social Media zum Anfüttern?

Joost: Politik muss ja nicht immer die lange Debattenform, seriös und rein rational sein. Das hat viele in der jüngeren Generation immer schon abgeschreckt. Dass Politik jetzt anders aufbereitet wird, auch mit Bildern, Animationen und Videos, macht die Information nicht weniger wertvoll, sondern ich finde es gut, dass man die Hürde niedriger hängt, gut informiert zu sein. Das ist für mein Politikverständnis sehr wichtig.

Das Interview führte Nea Matzen, tagesschau.de

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 07. August 2013 um 22:15 Uhr.