Mitglieder der Sondierungsgespräche stehen auf dem Balkon der Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin | Bildquelle: dpa

Sprache der Sondierer Grundkurs Jamaikanisch-Deutsch

Stand: 16.11.2017 15:22 Uhr

Man müsse "Brücken bauen", erwarte aber auch von den anderen, dass sie "sich offen zeigen": Vor den Kameras klingen die Jamaika-Verhandler oft höflich - und meinen es natürlich eigentlich ganz anders. Der Versuch einer Übersetzung.

Von Kilian Pfeffer, ARD-Hauptstadtstudio

Es ist nicht so einfach: Im Herzen hat man Groll und will vor den Kameras trotzdem wahnsinnig konstruktiv rüberkommen - so wie Claudia Roth von den Grünen: "Wir haben uns wirklich bemüht, in allen Bereichen Brücken zu bauen. Wissend, dass es für uns schwere Kompromisse sind."

Das ist eine Beschwerde und bedeutet: Warum müssen eigentlich immer nur wir Grünen uns Mühe geben? Das wird schon schwer genug, diesen Jamaika-Krams unserer störrischen Basis zu erklären.

"Das bedeutet, dass auch eine bayerische Regionalpartei bereit sein muss, sich offen zu zeigen." Heißt: Diese Minipartei CSU soll sich mal nicht so aufspielen.

CSU: "Nicht irgendeine CSU-Meinung"

Beim Streit zwischen CSU und Grünen geht es auch um die Frage des Familiennachzugs für Flüchtlinge mit subsidiärem Schutz. Wir sind dagegen, sagt Joachim Herrmann von der CSU, und die Umfragen geben uns recht.

"Es ist also nicht irgendeine CSU-Meinung, die hier eingebracht wird." Bedeutet: Wir haben objektiv recht. Und wichtiger als die Grünen sind wir allemal.

"Ich bin immer noch zuversichtlich, dass wir heute zu vernünftigen Ergebnisse kommen." Meint: Die Grünen müssen nur einsehen, dass wir recht haben.

FDP: "Geben, was man versprochen hat"

Zuversichtlich in diesem Sinne ist auch Volker Wissing von der FDP: "Die Gespräche sind so verlaufen, dass man weiterhin optimistisch sein kann." Also: Dass alle anderen einsehen, dass die FDP recht hat.

Und in Sachen Abbau des Solidaritätszuschlags findet Wissing: "Es muss möglich sein, bei einem derart gestiegen Steueraufkommen den Menschen auch das zurückzugeben, was man ihnen versprochen hat." Bedeutet: Die FDP hat den Wählern schon einmal irgendetwas mit "Steuern senken" versprochen, aber nicht gehalten - und dann haben uns die Wähler in den Hintern getreten, und das hat ganz schön weh getan.

Grüne: "Wird sich zeigen, ob die anderen wollen"

Ja, ja, sagt Toni Hofreiter von den Grünen. Aber man muss Kompromisse schmieden: "Ob es am Ende gelingt, wird sich zeigen, ob die anderen alle das ernsthaft wollen." Heißt: Wenn es nicht klappt, sind wir Grünen sicher nicht schuld.

Wir aber auch nicht, sagt Alexander Dobrindt von der CSU: "Wir haben einen Wählerauftrag und den nehmen wir in aller Ernsthaftigkeit hier wahr."

Und meint: Ich rede nur so selbstbewusst daher, weil ich glaube, dass es den Bayern gefällt. Und Horst Seehofer natürlich, denn der hat mich ja ausgewählt, der ist also auch irgendwie ein Wähler.

Merkel: "Gravierende Unterschiede"

Es zeigt sich: Die Parteien sind sehr unterschiedlich, meint Angela Merkel: "Wer hier an den Verhandlungen teilgenommen hat, der weiß, dass es sehr wohl Unterschiede gibt, gravierende Unterschiede." Und das bedeutet: Schon bei dem Gedanken an die Verhandlungen heute Nacht komme ich ziemlich ins Schwitzen.

Über dieses Thema berichtete am 16. November 2017 Deutschlandfunk um 16:00 Uhr und die tagesschau um 16:00 Uhr.

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