Eine Frau läuft mit ihren Kindern durch das Lager für Angehörige von IS-Kämpfern in Nordsyrien | AFP

Aus Syrien nach Deutschland Mutmaßliche IS-Frauen zurückgebracht

Stand: 07.10.2021 02:20 Uhr

Zahlreiche Frauen reisten einst aus Deutschland nach Syrien und in den Irak, um sich der Terrormiliz IS anzuschließen. Nun sind wieder einige von ihnen mitsamt ihrer 23 Kinder zurückgekehrt. Für die meisten heißt das aber vorerst: Haft statt Freiheit.

Mit einer weiteren Rückholaktion hat die Bundesregierung acht Frauen nach Deutschland fliegen lassen, die sich vor einigen Jahren der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) angeschlossen haben sollen. Zuletzt lebten die deutschen Frauen und ihre 23 Kinder im Gefangenenlager Roj im Nordosten Syriens, das unter kurdischer Verwaltung steht.

Eine Chartermaschine mit ihnen an Bord landete kurz vor Mitternacht auf dem Frankfurter Flughafen. Ein Großteil der Rückkehrerinnen sei nach der Landung in Haft genommen worden, teilte Außenminister Heiko Maas mit. In der Chartermaschine waren zudem drei Frauen und ihre 14 Kinder, die von der dänischen Regierung zurückgeholt wurden.

Maas: "Kinder trifft keine Schuld"

Die Aktion wurde nach Angaben des Auswärtigen Amtes von den USA logistisch unterstützt. "Die Kinder trifft keine Schuld an ihrer Lage. Es ist richtig, dass wir alles dafür tun, ihnen ein Leben in Sicherheit und einem guten Umfeld zu ermöglichen", erklärte Maas. "Die Mütter werden sich vor der Strafjustiz für ihr Handeln verantworten müssen."

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen lagen gegen sechs Frauen Haftbefehle vor, darunter drei vom Generalbundesanwalt. Das Jugendamt prüfe, wo ihre Kinder unterkommen können.

Nicht die erste Rückholaktion

Wie das Nachrichtenmagazin "Spiegel" berichtete, hatten die Frauen im Alter von 30 bis 38 Jahren mit ihren Kindern teils jahrelang in einem Gefangenenlager gesessen. Es ist nicht das erste Mal, dass die Bundesregierung Frauen zurückholen ließ, die einst aus Deutschland in das IS-Gebiet gereist waren. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung ist es aber die bislang größte. Mehrere frühere IS-Rückkehrerinnen mussten sich nach Ankunft in Deutschland bereits wegen Terrorverdachts und anderer Vorwürfe vor Gericht verantworten.

Außenminister Maas verwies auf die schwierige humanitäre Situation in Nordostsyrien, wo Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen seien. Die Corona-Pandemie und der wirtschaftliche Kollaps hätten die Lage verschärft. Die kurdische Selbstverwaltung habe die Vorbereitung der Rückholaktion unterstützt.

Bei den nun Zurückgeholten handele es sich um Fälle, die als besonders schutzbedürftig eingestuft worden seien. Darunter seien vor allem Kinder, die krank seien oder Sorgeberechtigte in Deutschland hätten, sowie deren Geschwister und Mütter. Maas sprach von einem "Kraftakt".

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 07. Oktober 2021 um 03:50 Uhr.