Fatima M. umarmt ihre Mutter vor dem Gebäude der Bundespolizei am Frankfurter Flughafen.

Nach der Haft im Irak Frühere IS-Anhängerin zurück in Deutschland

Stand: 11.02.2019 19:30 Uhr

Erstmals ist eine ehemalige deutsche IS-Anhängerin nach Verbüßung ihrer Haftstrafe im Irak nach Deutschland zurückgekehrt. Nach Informationen des NDR landete Fatima M. am Montag in Frankfurt. Der Generalbundesanwalt ermittelt gegen die 31-Jährige wegen Kriegsverbrechen.

Von Volkmar Kabisch (NDR)

Fatima M. umarmt ihre Mutter vor dem Gebäude der Bundespolizei am Frankfurter Flughafen. Beide Frauen weinen. Vier Jahre ist es her, seit sie sich zuletzt gesehen haben. Damals zog die heute 31-Jährige mit ihrem Mann und den beiden Kindern über die Türkei und Syrien in den Irak. Sie schlossen sich dem "Islamischen Staat" an und ließen sich in einer einst christlichen Kleinstadt nahe Mossul nieder. Ihr Ehemann Magomet M. starb wenige Monate nach der Ankunft dort bei Gefechten.

Fatima M. wurde nun bei ihrer Rückkehr durchsucht, erkennungsdienstlich behandelt und durfte dann den Flughafen verlassen. Einen Haftbefehl gab es zunächst nicht. Was sie konkret im Irak gemacht hat, ist unklar. Gegen sie ermittelt der Generalbundesanwalt wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, wie ihr Anwalt Gabor Subai sagt, "außerdem wegen des Paragrafen 9 Völkerstrafgesetzbuch". Es bestehe der Verdacht, sich im Krieg und unter Zwang Eigentum völkerrechtswidrig zu Eigen gemacht zu haben. Die Familie war offenbar im Irak in ein zuvor von Christen bewohntes Haus eingezogen.

Fatima M. umarmt ihre Mutter vor dem Gebäude der Bundespolizei am Frankfurter Flughafen.
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Die 31-jährige Fatima M. ist nach eigenen Angaben froh, wieder in Deutschland zu sein. Ihr Mann ist tot, das Schicksal ihrer Kinder ungewiss.

"Hauptsache raus aus dem Irak“

Fatima M. wurde bereits von einem Gericht in Bagdad zu einem Jahr Haft verurteilt. Die Strafe hat sie inzwischen verbüßt. Damit ist sie die erste Deutsche, die nach Verbüßung ihrer Strafe wegen des IS-Terrorverdachts nach Deutschland zurückkehrt. Gegenüber dem NDR sagte Fatima M., sie freue sich, hier in Deutschland zu sein und ihre Familie endlich wiederzusehen. "Hauptsache raus aus dem Irak“, fügte die in Tschetschenien geborene Frau hinzu, die mit ihrer Familie früher in Detmold gelebt hatte.

"Das ungewisse Schicksal ihrer beiden Kinder ist der Wermutstropfen am heutigen Tag", sagte Anwalt Gabor Subai. Kurz vor der Verhaftung in Mossul hatte es einen Luftangriff gegeben. Seitdem gelten ihre beiden Söhne als vermisst. Die Familie weiß nicht, ob die Kinder überhaupt noch leben oder sich noch irgendwo in der Region aufhalten.

Linda W. unter den Festgenommenen

Linda W.
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Linda W. aus Sachsen: Auch sie hatte sich dem IS angeschlossen. Sie wurde im Irak zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Fatima M. war im Juli 2017 zusammen mit weiteren deutschen Staatsangehörigen von irakischen Sicherheitskräften während der Rückeroberung Mossuls gefangen genommen worden. Unter den damals Festgenommenen war auch die aus Sachsen stammende 17-jährige Linda W.  Ihr Fall hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt.

Das Schicksal weiterer deutscher IS-Anhänger, die sich inzwischen in kurdischer Haft im Nachbarland Syrien aufhalten, bleibt weiterhin unklar. Die Bundesregierung bekräftigt immer wieder, in Syrien, anders als im Irak, nicht konsularisch tätig werden zu können.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 11. Februar 2019 um 20:00 Uhr in den Nachrichten.

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