Frauen gehen durch das Gefangenenlager Roj im Nordosten Syriens. | dpa

IS-Anhängerinnen Erneute Rückholaktion aus Syrien

Stand: 31.03.2022 16:19 Uhr

Die Bundesregierung hat zehn IS-Anhängerinnen und 27 Kinder aus einem Gefangenenlager in Syrien zurückgeholt. Es gab bereits mehrere Rückholaktionen. Jetzt gebe es nur noch wenige Fälle, sagte Außenministerin Baerbock.

Die Bundesregierung hat erneut zehn IS-Anhängerinnen und 27 Kinder aus dem Gefangenenlager Roj in Nordostsyrien nach Deutschland zurückgeholt. Das gab Außenministerin Annalena Baerbock bekannt. "Die 27 Kinder sind letztlich Opfer des IS, und sie haben ein Recht auf eine bessere Zukunft fernab seiner tödlichen Ideologie, und auf ein Leben in Sicherheit, wie wir es auch unseren eigenen Kindern wünschen", sagte sie. 

Ermittlungen gegen alle Frauen

Die Mütter allerdings müssen sich für ihr Handeln verantworten. "Einige von Ihnen wurden direkt nach Ankunft in Deutschland in Haft genommen", so Baerbock weiter. Sechs Frauen wurden demnach direkt am Frankfurter Flughafen festgenommen. Gegen sie lagen Haftbefehle des Generalbundesanwalts und der Generalstaatsanwaltschaften Koblenz und Düsseldorf vor.

Die vier anderen Frauen blieben zunächst auf freiem Fuß. Gegen sie laufen im Moment jedoch auch Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaften Düsseldorf, Hamburg und Frankfurt.

Vom IS unterstützt

Vier der Festgenommenen sollen noch an diesem Donnerstag am Bundesgerichtshof in Karlsruhe einem Ermittlungsrichter vorgeführt werden. Sie sind zwischen 23 und 36 Jahre alt und haben die deutsche Staatsangehörigkeit. Eine von ihnen besitzt außerdem die marokkanische Staatsbürgerschaft.

Die vier Frauen waren nach Angaben der Bundesanwaltschaft 2013 oder 2014 über die Türkei nach Syrien oder in den Irak gereist, drei davon mit ihrem Mann. Sie seien für Haushalt und Kinderbetreuung zuständig gewesen, während die Männer für die Terrormiliz "Islamischer Staat" kämpften. Ihre Familien seien vom IS unterstützt worden.

Alle vier seien "zu unterschiedlichen Gelegenheiten" im Frühjahr 2019 festgenommen worden und seitdem in kurdischen Lagern gewesen, so die Generalbundesanwaltschaft. Die beiden jüngsten Frauen hatten Deutschland noch als Jugendliche verlassen.

Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Einer 36-Jährigen aus Rheinland-Pfalz werden Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Menschenhandel und Verstöße gegen das Waffenrecht vorgeworfen. Sie soll gemeinsam mit ihrem Mann "eine große Anzahl von Sprengstoff und Waffen" gelagert haben. Außerdem soll es in ihrem Haushalt eine Aufnahmestelle für alleinstehende IS-Frauen gegeben haben.

Für die Hausarbeit und die Kinderbetreuung sollen sie eine jesidische Frau als Sklavin genommen haben, die regelmäßig sexuellen Übergriffen des Mannes ausgesetzt war. Die Frau soll davon gewusst haben.

Nur noch wenige Fälle

In den vergangenen Jahren hat die Bundesregierung bereits mehrfach deutsche IS-Anhängerinnen und ihre Kinder zurück nach Syrien geholt. "Mit der heutigen Aktion ist der Großteil der deutschen Kinder, deren Mütter zur Rückkehr nach Deutschland bereit sind, in Sicherheit gebracht", so Baerbock.

Es gebe nur noch wenige, besonders gelagerte Fälle, für die die Bundesregierung weiter an individuellen Lösungen arbeite.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. März 2022 um 10:00 Uhr.