Ein IS-Verdächtiger wird dem Haftrichter vorgeführt. | null

Mutmaßliche IS-Terrorgruppe in Düsseldorf Weit von einem Anschlag entfernt

Stand: 03.06.2016 17:18 Uhr

Zu den IS-Anschlagsplänen in Düsseldorf werden immer mehr Details bekannt - spekuliert wird auch über die Zahl möglicher Attentäter. Doch so konkret die Pläne auch waren, so weit war die Gruppe offenbar von einem Anschlag entfernt. In Sicherheitskreisen zumindest wird die Gefahr heruntergespielt.

Von Michael Götschenberg, ARD-Hauptstadtstudio

Der Plan war sehr konkret: zwei Selbstmordattentäter in der Düsseldorfer Altstadt, die sich in die Luft sprengen sollten, sowie weitere Attentäter mit Sprengstoff und Sturmgewehren, um das Feuer auf Passanten zu eröffnen. Das Ziel: so viele Menschen wie möglich zu töten. So konkret der Plan war, so weit waren die mutmaßlichen Täter aber davon entfernt, den Anschlag auszuführen.

Michael Götschenberg ARD-Hauptstadtstudio

"Nicht mit der Umsetzung begonnen"

In Sicherheitskreisen wird die Gefahr, die von der Gruppe ausging, eher heruntergespielt: Es gebe keine Hinweise darauf, dass die Männer konkret mit der Umsetzung des Plans begonnen hätten, heißt es. Geschweige denn, dass sie sich bereits Waffen oder Sprengstoff besorgt hätten. Angeblich sollte die Gruppe auf zehn Attentäter anwachsen.

Das soll der 25-jährige Saleh A. ausgesagt haben, der sich in Paris den Behörden gestellt und den Anschlagsplan sowie die Namen seiner Komplizen verraten hatte. In Sicherheitskreisen heißt es, angesichts des geplanten Anschlagsszenarios sei es naheliegend, mit mehr als nur vier Personen zuzuschlagen. Ob weitere Attentäter nach Europa geschickt werden sollten, oder ob geplant war, hier weitere Personen zu rekrutieren, ist allerdings unklar.

Aktuell werden der Gruppe in Deutschland nur vier Männer zugerechnet, nämlich diejenigen, die bereits in Haft sind. Es gebe keine Hinweise darauf, dass sich weitere Mitglieder der Gruppe in Deutschland befinden könnten. Verhaftet wurden gestern drei Syrer im Alter von 25, 27 und 31 Jahren in Brandenburg, Baden-Württemberg und Nordrhein Westfalen.

Zwei von ihnen, nämlich Hamza C. und Abd Arahman A.K., wirft der Generalbundesanwalt vor, 2014 beim "Islamischen Staat" gewesen und mit dem Auftrag nach Deutschland geschickt worden zu sein, hier Anschläge zu verüben - genau so wie Saleh A., der in Paris in Untersuchungshaft sitzt, nachdem er sich im Februar den französischen Behörden gestellt hatte.

In Deutschland rekrutiert

Dem Dritten in Deutschland verhafteten Syrer, Mahood B., lassen sich bisher offenbar lediglich Kontakte zum IS nachweisen. Er soll erst hier für den Anschlagsplan rekrutiert worden sein. Demnach wurde eine ganze Gruppe von IS-Kämpfern nach Deutschland geschickt mit dem Auftrag hier einen Anschlag zu verüben - und das schon im Jahre 2014.

Für die Sicherheitsbehörden eine bemerkenswerte Erkenntnis: Lange Zeit war man davon ausgegangen, dass Islamisten, die von Deutschland zum IS gegangen sind, als Rückkehrer die größte Gefahr darstellen. Dass Attentäter über die Flüchtlingsrouten vom IS nach Europa geschickt werden, ist erst seit den Terroranschlägen von Paris im vergangenen November bekannt.

Die Sicherheitsbehörden hatten sich entschieden gestern zuzuschlagen, weil ein Mitglied der Gruppe sich offenbar darauf vorbereitete, Deutschland zu verlassen - warum ist allerdings unklar.