Eberhard Zorn und Ursula von der Leyen | Bildquelle: dpa

Generalinspekteur der Bundeswehr Das Leben in der Truppe - von Mängeln geprägt

Stand: 18.08.2018 00:02 Uhr

Generalinspekteur Zorn sagt im Interview, dass die Bundeswehr von Mängeln geprägt ist - beim Personal wie beim Material. Eine Wiedereinführung der Wehrpflicht lehnt er ab. Das Geld könne besser investiert werden.

Von Andrea Müller, ARD-Hauptstadtstudio

Truppenbesuche sind Pflicht für den Generalinspekteur Eberhard Zorn. Schließlich ist er der ranghöchste Offizier in Deutschland und oberster Chef aller Bundeswehr-Soldaten. Für Zorn gibt es zwei Varianten von Truppenbesuchen: Bei dem konventionellen "steht natürlich sofort an der Wache jemand, der Ihnen meldet", so Zorn. "Es gib Anweiserposten, die Sie bis zum Gebäude geleiten. Es wird dann mit Power-Point-Vorträgen sauber vorbereitet, was es alles gibt. Und alles ist lecker hergerichtet."

Und dann gibt es da noch die unkonventionellen Truppenbesuche. "Das heißt, ich komme mit dem Hubschrauber, ich lande auf irgendeiner Wiese und fahre dann mit dem Auto in die Kaserne." Der oberste Vorgesetzte als Überraschungsgast. Zorn hat ganz offenbar Spaß daran.

Dreimal hat der 58-jährige Saarländer das schon ausprobiert. "Es ist eine große Überraschung bei jedem im Gesicht. 'Huch, was will der hier?'" Dennoch beobachte er bei solchen Gelegenheiten auf allen Dienstgradebenen "eine große Offenheit im Gespräch". Seit 40 Jahren sei er schon dabei. Er merke, ob er einen Fake vorgeführt bekomme oder "ob es das reale Leben" sei. "Und mit dem realen Leben muss man dann aber auch klarkommen."

Andrea Müller und Eberhard Zorn im Interview | Bildquelle: Andrea Müller
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Generalinspekteur Eberhard Zorn im Gespräch mit ARD-Korrespondentin Andrea Müller. Dass es helfen würde, die Wehrpflicht wieder einzuführen, glaubt Zorn nicht.

U-Bootbesatzungen auf dem Trockenen

Das reale Leben in der Truppe ist von Mängeln geprägt. Zorn redet offen darüber. Er erklärt zum Beispiel, warum U-Bootbesatzungen zuletzt so lange auf dem Trockenen saßen. "Das war natürlich eine Phase im zweiten Quartal, in dem wir tatsächlich kein einziges U-Boot einsatzbereit hatten", sagt er. Die Soldaten würden jedoch völlig sachlich mit der Situation umgehen, denn sie würden ja die Ursache kennen. Jeder von ihnen wisse, dass es in dem konkreten Fall an den Batterien der U-Boote lag.

Die Bundeswehr müsse schnell sein, wenn es um das Reparieren und Beschaffen gehe, sagt Zorn. Das betreffe das Großgerät genauso wie die Ausrüstung. Es gebe Zeitpläne für alles: vom Schuh bis zur Schutzweste. Zorn sagt, dass in diesem Jahr neue Kampfschuhe und neue Kampfbekleidung an die Truppe ausgeliefert werde. "Im nächsten Jahr werden wir beim Thema Nachtsichtgeräte besser werden", so der Generalinspekteur.

Konkurrenz mit der Wirtschaft um Fachkräfte

Auch die Trendwende beim Personal kommt nur langsam voran. Aktuell seien zwanzig Prozent der Dienstposten bei der Bundeswehr nicht besetzt, sagt Zorn. Die Truppe konkurriert mit der Wirtschaft um Fachkräfte.

Dass es helfen würde, die Wehrpflicht wieder einzuführen, glaubt Zorn nicht. Eine Wehrpflicht bringe nicht die Rekruten, die die Bundeswehr brauche. In den Kasernen fehlten zudem die Stuben, um alle unterzubringen. Darüber hinaus, sagt Zorn, koste die Wehrpflicht Geld. Sobald sie wieder eingeführt werden würde, müsse er das Geld woanders wieder abzweigen. "Das heißt, es würde mich bremsen in meiner Auftragserfüllung, und es würde mich zurückwerfen in der Investition", so Zorn.

Eberhard Zorn | Bildquelle: AFP
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Geld allein reicht nicht, sagt Generalinspekteur Zorn. Die Zielvorgaben müssten an die Realität angepasst werden.

Vier Milliarden Euro mehr Geld im Etat

Die Bundesregierung hat für das kommende Jahr vier Milliarden Euro mehr Geld im Wehretat eingeplant. Doch obwohl die Ausgaben stetig steigen, rückt wegen der guten Konjunktur das Zwei-Prozent-Ziel der NATO kaum näher. Dennoch: Der Generalinspekteur hält es für zweckmäßig, die Marke langfristig anzupeilen.

Zorn nennt zwei Voraussetzungen: Man müsse erstens genau schauen, was man in der Haushaltsplanung noch genau ausgeben könne. Die Zielvorgabe müsse an die Realität angepasst werden. Darüber hinaus müsse die Vorgabe "an die Produktionskapazität unserer Industrie" angepasst werden. Man könne noch so viel Geld haben. Die Projekte müssten auch erstmal umgesetzt werden können, so Zorn.

Die Bundeswehr von Mängeln geplagt: Generalinspekteur Zorn im Interview
Andrea Müller, ARD Berlin
17.08.2018 19:51 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 18. August 2018 um 07:08 Uhr.

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Andrea Müller, SR

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