Intensivpflegerinnen sind auf der Covid-19-Intensivstation mit der Versorgung von Corona-Patienten beschäftigt. | dpa

Corona-Pandemie Intensivmediziner warnen - und ernten Kritik

Stand: 01.04.2021 09:17 Uhr

Die Intensivstationen könnten infolge steigender Corona-Zahlen bereits in vier Wochen voll sein, warnen Intensivmediziner. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft kritisiert solche "Schreckensszenarien".

Der wissenschaftliche Leiter des DIVI-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, warnt vor einer Überfüllung von Deutschlands Intensivstationen wegen der Corona-Pandemie innerhalb von vier Wochen. "Seit Mitte März sind unterm Strich 1000 Intensivpatienten zusätzlich in den Krankenhäusern gelandet. Wenn sich diese Geschwindigkeit fortsetzt, sind wir in weniger als vier Wochen an der regulären Kapazitätsgrenze angelangt", sagte Karagiannidis der "Rheinischen Post". Aktuell seien noch 1500 Intensivbetten für Covid-Patienten frei.

"Wir malen keine Schreckensbilder, unsere Warnungen sind von den Zahlen gedeckt", sagte Karagiannidis. "Es braucht jetzt dringend einen harten Lockdown für zwei Wochen, verpflichtende Tests an Schulen zweimal in der Woche und deutlich mehr Tempo bei den Impfungen in den Zentren und Arztpraxen."

Scharfe Kritik an "Schreckensszenarien"

Der neue Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, kritisierte solche Warnungen: "Ich bin auch davon überzeugt, dass die Schreckensszenarien, die aus dem Bereich der Intensivmedizin seit Tagen verbreitet werden, weder in der Politik noch in der Bevölkerung zu den damit wahrscheinlich beabsichtigten Reaktionen führen werden", sagte er der "Rheinischen Post".

Auch die derzeitige politische Kommunikation ist nach Ansicht von Gaß ausbaufähig. Sie sorge "weder für Glaubwürdigkeit noch für Vertrauen in der Öffentlichkeit", so Gaß. "Wenn der eine Ministerpräsident vor Inzidenzraten von 700 warnt und der andere sein gesamtes Bundesland zum Modellversuch erklärt, ist das aus meiner Sicht das genaue Gegenteil dessen, was die Bürgerinnen und Bürger von der Politik erwarten dürfen." Gaß trat zum 1. April die Nachfolge von Georg Baum an der Spitze der Krankenhausgesellschaft an.

Laschet will Ostertage zum Nachdenken nutzen

Während der Verband der Intensivmediziner vor überfüllten Intensivstationen warnt, will CDU-Chef Armin Laschet über die Ostertage darüber nachdenken, welche Maßnahmen die dritte Welle der Corona-Pandemie wirkungsvoll eindämmen könnten. Die gemeinsam beschlossene Osterruhe habe nicht funktioniert, sagte Laschet im ZDF. "Deshalb müssen wir jetzt gemeinsam über die Ostertage nachdenken, was ist denn eine Ersatzmöglichkeit, wo können wir weitere Schutzmechanismen einführen, wo können wir das Leben herunterführen, darüber muss gesprochen werden. Es gibt nur noch nicht die Lösung wenn sie mich fragen."

Auf die Frage, ob es angesichts der stark steigenden Infektionszahlen noch die Zeit gebe, sich ein paar Tage Gedanken zu machen, sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident: "Nein, wir haben die Zeit nicht, aber wir haben an dem Beispiel Gründonnerstag/Karsamstag gesehen, dass, wenn man zu schnell was entscheidet, die Praktiker sagen: Es geht nicht." Deshalb sei es gut, dass man jetzt genau das überlege. "Was ist wirkungsvoll, was erreicht es, dass wir diese dritte Welle brechen. Die Lage ist extrem ernst und da sind alle im Moment dabei, alle Möglichkeiten zu prüfen", so Laschet.

Mit der Osterruhe wollten Bund und Länder zusätzlich zu den Osterfeiertagen den Gründonnerstag und den Karsamstag zu Ruhetagen erklären. Kanzlerin Angela Merkel strich die Regelung wieder.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 01. April 2021 um 11:50 Uhr.

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Moderation 01.04.2021 • 17:16 Uhr

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