Ein Kind sitzt in seinem Zimmer und wirkt traurig. | Bildquelle: dpa

Jugendämter Mehr Inobhutnahmen wegen Kindesmisshandlung

Stand: 16.08.2019 11:59 Uhr

2018 haben die Jugendämter weniger Kinder und Jugendliche in Obhut genommen als im Vorjahr. Doch Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen, dass die Schutzmaßnahmen bei Fällen von Kindesmisshandlung um ein Viertel angestiegen sind.

Die Zahl der Inobhutnahmen von Kindern und Jugendlichen ist im vergangenen Jahr gesunken. In Summe haben die Jugendämter 2018 in rund 52.600 Fällen eingegriffen und Minderjährige wegen einer möglichen Gefährdung vorläufig in Obhut genommen. Damit sank die Zahl im Vergleich zu 2017 um knapp 8800 Fälle auf Minus 14 Prozent, wie das Statistische Bundesamt berichtete.

Hauptgrund für diese Entwicklung sei der Rückgang an Inobhutnahmen von unbegleiteten Minderjährigen aus dem Ausland. Diese Fälle sanken um rund 46 Prozent. 2018 waren es rund 10.300 weniger Fälle. Im Jahr davor leiteten die Behörden hierzu noch die meisten Schutzmaßnahmen ein.

Körperliche und psychische Misshandlung

Eklatant um ein Viertel angestiegen sind im vergangenen Jahr die Schutzmaßnahmen wegen Kindesmisshandlung: Nach Anzeichen für körperliche und psychische Misshandlung schritten die Jugendämter rund 6100 Mal ein, 2017 waren es noch rund 4900 Fälle. 2018 war dies mit 8,3 Prozent die dritthäufigste Ursache für eine Inobhutnahme.

Damit standen Kindesmisshandlungen seit Einführung der Statistik 1995 erstmals auf Rang drei der häufigsten Gründe für eine vorläufige Schutzmaßnahme, erklärte das Statistische Bundesamt.

Überforderte Eltern

Die meisten Eingriffe durch die Behörden fanden 2018 jedoch aufgrund von Überforderung der Eltern statt. Sie machten einen Anteil von 24 Prozent an allen Vorgängen aus. Die Anzahl dieser Fälle blieb im Vergleich der vergangenen Jahre auf konstantem Niveau. 2018 wurden wegen Überforderung rund 17.700, im Jahr zuvor rund 17.300 Maßnahmen eingeleitet.

Schutzmaßnahme der Ämter

Jugendämter leiten vorläufige Inobhutnahmen ein, wenn es in Familien akute Krisensituationen gibt. Sie sind eine Hilfsmaßnahme, die auf Bitten des Kindes, bei einer Gefährdung des Kindeswohls oder von den Behörden selbst eingeleitet werden. Bis die Probleme gelöst sind, können die Kinder und minderjährigen Jugendlichen in einem Heim oder einer Pflegefamilie untergebracht sein.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. August 2019 um 13:00 Uhr.

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