Janine Wissler (l) und Susanne Hennig-Wellsow | dpa

Wissler und Hennig-Wellsow gewählt Linkspartei hat neues Führungsduo

Stand: 27.02.2021 10:59 Uhr

Die neue Doppelspitze der Linkspartei steht: Die Delegierten des Online-Parteitags wählten Janine Wissler und Susanne Hennig-Wellsow. Die Wahl muss noch per Briefwahl bestätigt werden. Beide warben für gesellschaftliche Veränderung.

Die Linke hat eine neue Parteispitze: Die Delegierten des digitalen Parteitags in Berlin wählten Janine Wissler und Susanne Hennig-Wellsow zu ihrem neuen Führungsduo. Für die hessische Fraktionschefin Wissler stimmten 448 von 532 Delegierten - das entspricht einer Zustimmung von 84,2 Prozent. Im Wahlgang für Thüringens Landeschefin Hennig-Wellsow gab es 536 abgegebene Stimmen. 387 Delegierte (70,5 Prozent) votierten für sie. Auf der sogenannten gemischten Wahlliste, auf Hennig-Wellsow stand, bewarben sich auch zwei männliche Gegenkandidaten, die 104 und 15 Stimmen erhielten. Die Wahl der neuen Spitze muss anschließend noch per Briefwahl bestätigt werden.

"Es geht ums Ganze, es geht um die Bäckerei"

Wissler kritisierte in ihrer Vorstellungsrede, dass Reiche in der Corona-Krise noch reicher geworden seien. Sie warb dafür, die Gesellschaft "grundsätzlich zu verändern". "Es geht nicht nur um ein größeres Stück vom Kuchen. Es geht ums Ganze, es geht um die Bäckerei." Die Linke sei nicht perfekt und oft sehr anstrengend, streite um den richtigen Weg. Alle seien in die Linke eingetreten, weil sie sich über Armut empörten, Ungerechtigkeit nicht hinnehmen wollten, den Krieg verachteten und wüssten, dass der Faschismus nie wieder siegen dürfe und "weil wir wissen, dass der Kapitalismus nicht das Ende der Geschichte sein darf". Von dem Parteitag solle ein Aufbruchsignal ausgehen.

Auch Hennig-Wellsow warb in ihrer Rede für eine gesellschaftliche Veränderung. Sie sei damals in die PDS eingetreten, um etwas zum Besseren zu verändern. Heute Zeit brauche es die Linkspartei mehr als je zuvor, um diejenigen zu schützen, die am meisten unter der Corona-Pandemie leiden. Ziel müsse es sein, CDU und CSU aus der Regierung zu vertreiben.

Rückzug von Riexinger und Kipping

Nach fast neun Jahren im Amt trat das Vorsitzendenduo aus Bernd Riexinger und Katja Kipping nicht noch einmal an. Am Freitag hatte Riexinger in seiner Abschiedsrede zum Kampf für soziale Gerechtigkeit aufgerufen, der gerade in der Corona-Krise notwendiger denn je sei. Kipping appellierte an ihre Partei, sich für eine mögliche Regierungsbeteiligung zu öffnen. In der Linken ist das umstritten, weil die Partei in einer Koalition im Bund in wesentlichen Politikbereichen zu Kompromissen gezwungen wäre, etwa in der Außen- und Sicherheitspolitik. Die Linke ist beispielsweise gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr und für eine Abschaffung von Geheimdiensten.

"Wir schöpfen unser Potenzial nicht aus"

Für ein Bündnis der Linken mit SPD und Grünen würde es nach aktuellen Umfragen nicht reichen. Die Linke selbst steht bei schwachen sieben bis acht Prozent. "Wir schöpfen unser Potenzial bei weitem nicht aus", räumte Wissler in den tagesthemen ein. Die Linke müsse sich stärker verankern in Stadtteilen und in Betrieben, und deutlich sichtbarer sein.

Gerade in der Corona-Krise verschärften sich soziale Ungleichheiten. Wenige Menschen würden reicher, aber viele ärmer. Das Gesundheitssystem sei unterfinanziert. Pflegekräfte verdienten viel zu wenig und seine überlastet. Hier müsse die Linke die Finger in die Wunde legen, betonte Wissler.

Die Delegierten verabschiedeten zudem den Leitantrag des Parteivorstandes. Er steht unter dem Motto "Wie wir gerecht aus der Krise kommen - mit einem sozialen, friedlichen und ökologischen Systemwechsel". Die Linke fordert darin, Superreiche stärker an den Kosten der Krise zu beteiligen und für mehr soziale Gerechtigkeit zu sorgen. 

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. Februar 2021 um 11:32 Uhr.

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Moderation 27.02.2021 • 21:58 Uhr

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