Reiner Haseloff | dpa

Reaktionen aus Sachsen-Anhalt Gelöster Gewinner

Stand: 06.06.2021 20:15 Uhr

"Völlig beeindruckt" vom Erfolg seiner Partei und offensichtlich auch etwas überrascht gab sich Ministerpräsident Haseloff nach den ersten Hochrechnungen. Linke, SPD und Grüne reagierten enttäuscht.

Von Luca Deutschländer, MDR

Sachsen-Anhalt hat gewählt - und der große Gewinner ist Hochrechnungen zufolge die CDU mit Ministerpräsident Reiner Haseloff. Der 67-Jährige gab sich entsprechend gelöst. Dem MDR sagte er, er sei "völlig beeindruckt von dieser Zahl". Der Ministerpräsident sagte, die Bürgerinnen und Bürger hätten sich gegen die letzten Umfragen aufgebäumt. Einige Meinungsforschungsinstitute hatten CDU und AfD zuletzt Kopf an Kopf gesehen, mitunter war die AfD gar als stärkste politische Kraft in Umfragen geführt worden. Haseloff, seit 2011 Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt, sprach nun davon, dass eine "klare Abgrenzung nach rechts" erfolgen könne.

Luca Deutschländer

AfD zufrieden

Anstehende Koalitionsverhandlungen nannte er dennoch "schwierig". Bislang regiert die CDU mit SPD und Grünen. Er wolle mit allen demokratischen Parteien reden, sagte der Regierungschef und schloss eine Zusammenarbeit mit der AfD erneut aus. Deren Spitzenkandidat Oliver Kirchner sprach trotz leichter Verluste seiner Partei im Vergleich zu der Wahl vor fünf Jahren von einem Ergebnis, das ihn "sehr zufrieden" stimme. Die AfD sei stabil, habe ihre Arbeit gemacht und "Arbeiter von der Linken zurückgeholt".

Mit Blick auf mögliche Koalitionsoptionen sagte Kirchner, er könne sich "knallharte Opposition" vorstellen - aber auch die Tolerierung einer CDU-Minderheitsregierung. Letzteres ist aber im Prinzip ausgeschlossen, weil neben der CDU auch alle anderen Parteien im Landtag eine Zusammenarbeit mit der AfD ablehnen.

Linke beklagt "herbe Niederlage"

Zu den prozentualen Verlierern der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gehört auch die Linke, die Hochrechnungen zufolge rund fünf Prozentpunkte verliert. Spitzenkandidatin Eva von Angern sprach entsprechend von einer "herben Niederlage", die weh tue. Ihre Partei habe Hausaufgaben zu machen, in Sachsen-Anhalt habe man den schlechten Bundestrend der Partei nicht brechen können. Unzufrieden mit dem Ergebnis laut Hochrechnungen ist auch die SPD. Spitzenkandidatin Katja Pähle analysierte, das einstellige Ergebnis ihrer Partei habe etwas mit der Polarisierung zwischen CDU und AfD zu tun. Das freue sie, weil das ein Sieg für die Demokratie sei, so Pähle. "Aber natürlich erfreut es mich nicht, weil wir dadurch Wählerinnen und Wähler verloren haben."

Wenig euphorisch reagierte auch Grünen-Spitzenkandidatin Cornelia Lüddemann. Umfragen hatten die Partei zuletzt deutlich stärker gesehen, als es nun die ersten Hochrechnungen taten. Lüddemann sagte, sie freue sich zwar, dass ihre Partei zugelegt habe. Sie habe sich aber mehr Stimmen gewünscht. Nun müsse Ministerpräsident Haseloff entscheiden, ob er eine Koalition fortsetze, die "pro Klimaschutz" ist oder ob sich eine Option öffne, die "nicht so viel für den Klimaschutz tut".

FDP zurück

Damit spielte Lüddemann auf die FDP an, die es den Hochrechnungen zufolge wieder ins Parlament geschafft hat. Die Spitzenkandidatin der Liberalen, Lydia Hüskens, sprach von einem Ergebnis, das sie sehr zufrieden mache. Ihre Partei wolle nun Politik gestalten. Die FDP hatte in den vergangenen zehn Jahren nicht im Landtag gesessen und war vor fünf Jahren noch knapp an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Juni 2021 um 20:00 Uhr.