Armin Laschet und Markus Söder (Archivbild) | dpa

Die Union und die K-Frage Entscheidung gleich nach Ostern?

Stand: 04.04.2021 09:21 Uhr

Kann die Union angesichts sinkender Umfragewerte noch lange damit warten, einen Kanzlerkandidaten aufzustellen? Jetzt mischt sich Bundesinnenminister Seehofer in die Debatte ein und sagt: nein.

Bundesinnenminister Horst Seehofer drückt bei der Suche nach einem gemeinsamen Kanzlerkandidaten von CDU und CSU aufs Tempo. "Gleich nach Ostern müssen die personellen und inhaltlichen Fragen zügig geklärt werden", sagte der CSU-Politiker der "Welt am Sonntag". Mit Blick auf jüngste Umfragewerte fügte er hinzu: "Dass die wichtigsten Fragen noch offen sind, bekommt uns ganz offensichtlich nicht." Anhänger und Mitglieder wollten allmählich wissen, "wo es lang geht, wofür sie kämpfen sollen".

"Jenseits meiner Vorstellung"

Die Verluste der CDU bei den zurückliegenden Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sowie die schlechten Werte bei Bürgerbefragungen zeigten, dass die Union im politischen Wettstreit der Parteien um den ersten Platz kämpfen müsse. "Das war bis vor Kurzem noch jenseits meiner Vorstellung", so Seehofer. Im jüngsten ARD-DeutschlandTrend verlor die Union in der Sonntagsfrage abermals deutlich - sechs Prozentpunkte - und liegt aktuell bei 27 Prozent.

Die Union brauche jetzt schnell drei Dinge: "Erstens eine Strategie - wo stehen wir inhaltlich, und mit wem könnten wir koalieren?" Als zweiten Punkt nannte der Bundesinnenminister authentische Politiker, und drittens brauche die Union ein "knackiges Zukunftsprogramm". "Wenn das alles passt, dann kann ein Kanzlerkandidat kämpfen, dann kann eine Partei kämpfen - denn sie weiß, für was und für wen." Wer die besten Voraussetzungen für eine Kandidatur mitbringe - CSU-Chef Markus Söder oder der CDU-Vorsitzende Armin Laschet -, wollte Seehofer nicht sagen: "Ein ehemaliger Parteivorsitzender wie ich enthält sich bei diesen Fragen."

Söder will Merkel in Entscheidung mit einbeziehen

Auch der potenzielle Kanzlerkandidat Söder äußerte sich zu der anstehenden Entscheidung der Union. In der "Bild am Sonntag" forderte er, Amtshinhaberin Angela Merkel mit einzubeziehen. "Denn es muss ein gemeinsamer Wahlkampf mit der Bundeskanzlerin werden. Ein Unions-Kandidat kann ohne Unterstützung von Angela Merkel kaum erfolgreich sein." Umfragen nannte Söder einen wichtigen Maßstab für die Entscheidung - in diesen liegt er seit Wochen deutlich vor CDU-Chef Laschet, dessen Arbeit als Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens er als "großartig" lobte: "Es geht aber nicht um die Frage von zwei Personen und deren persönliche Ambitionen, sondern um die Zukunft der Union und des gesamten Landes."

Der CDU-Mitgliedsbeauftragte Hennig Otte forderte, dass die Kanzlerkandidatenfrage im Einvernehmen der Vorsitzenden von CDU und CSU und auch mit der Unionsfraktion im Bundestag entschieden werden müsse. Der Nachrichtenagentur dpa sagte er: "Denn schließlich wählen die Mitglieder des Bundestages den Bundeskanzler."

Otte appellierte, bald eine Entscheidung zu treffen. Er fügte hinzu: "Die Kanzlerkandidatenfrage der Union muss so entschieden werden, dass in Deutschland eine Lust auf Zukunft entsteht." Dazu müsse "ein Team präsentiert werden, in dem Köpfe und Inhalte authentisch sind".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. April 2021 um 06:05 Uhr in der Sendung "Kommentare und Themen der Woche" und MDR Aktuell am 04. April 2021 um 12:00 Uhr in den Nachrichten.