CSU-Chef Markus Söder spricht Ende März 2021 auf einer Pressekonferenz in der CSU-Parteizentrale. | dpa

Nach Entscheidung der K-Frage Söder stichelt weiter

Stand: 24.04.2021 15:26 Uhr

CSU-Chef Söder will Kanzlerkandidat Laschet unterstützen - offiziell. Und doch kann er das Sticheln nicht lassen. Im "SZ"-Interview wird zwischen den Zeilen deutlich, wen Söder in Sachen Kanzler für geeigneter hält.

Von Georg Schwarte, ARD-Hauptstadtstudio

"Jetzt geht’s los", singen sie bei der CSU. Der Wahlkampf der Sticheleien. Markus Söder, der Bayer sagte, ihn habe die Begründung der Kanzlerkandidatur Armin Laschets nicht überzeugt. Im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" setzte Söder fort, was er gestern schon auf dem Familienunternehmertag begonnen hatte. Eine Serie kleiner Unverschämtheiten.

Georg Schwarte ARD-Hauptstadtstudio

"Mein Eindruck ist jedenfalls im Moment, dass mein Angebot durchaus Chancen gehabt hätte für die Union", so Söder. Sein Angebot als Kanzler nämlich. Jetzt, sagte der CSU-Chef, trage die CDU, die Laschet wollte, Verantwortung für das Ergebnis im September. Mehr Druck geht nicht.

"Jetzt ist eben anders entschieden worden. Die Menschen reagieren auch schon darauf. Das wird sich sicher noch alles bessern", sagt Söder. Subtext: Dass die Umfragen für die Union derzeit einbrechen. Ihn, Söder, wundere das gar nicht.

Giftige Spitzen vom Schattenkandidaten

Vom Spielfeldrand aus Bayern wird der Kandidat der Herzen zum Schattenkandidat der Union und giftelt weiter. Er erwarte, dass Laschet als Spitzenkandidat am 26. September ein Ergebnis deutlich über 30 Prozent erreiche, eher näher 35 Prozent.

Dass Laschets Kandidatur die Union gerade nicht nach vorn, sondern offenbar nach hinten wirft - Söder ließ auch das genussvoll nicht unerwähnt: "Aber so ein richtiger Start nach vorne ist es noch nicht. Aber das wird sicherlich kommen. Da bin fest überzeugt davon."

Modernität versus Kohl-Politik 2.0

Fest überzeugt ist Söder - außer von Söder - auch davon, dass er für Modernisierung stehe. Laschet sei eher der Kohle- und Stahlkanzlerkandidat. "Ich hätte mir das auf jeden Fall zugetraut, mit einem sehr modernen Konzept das Ganze zu machen. In dem man nicht nur über Stahl und Kohle redet - was sicher wichtig ist. Sondern auch über moderne Konzepte, über Digitalisierung und moderne Energieformen", so Söder weiter.

Ich bin Zukunft, Armin nun ja, soll das wohl heißen. In der "Süddeutschen Zeitung" legte Söder dann nach. Er und Laschet hätten ein unterschiedliches Verständnis von Demokratie und Programm. Nach den progressiven Merkel-Jahren sei es nicht klug, jetzt eine Politik Helmut Kohl 2.0 aus der Vergangenheit zu machen.

Und dann diktiert Söder Laschet per Zeitungsinterview, was jetzt zu tun sei. Das künftige Kabinett müsse paritätisch mit Frauen und Männern besetzt werden, mit mehr Vertretern aus den ostdeutschen Bundesländern.

Nicht nur auf "alte Schlachtrösser" setzen

Und Laschet? Der schätzt einen alten Konkurrenten - Friedrich Merz: "Natürlich schätze ich Friedrich Merz. Ich habe ihn in mehreren Funktionen in meine Landesregierung geholt. Er kandidiert jetzt für den Bundestag. Er wird in einer starken Aufstellung für die Bundestagswahl sein. Ministerposten können wir fünf Monate vor der Wahl nicht verteilen."

Söder sagte dagegen Laschet und Merz, den beiden aus Nordrhein-Westfalen, auch dies: "Es kann nicht alles NRW sein, bei allem Respekt." Außerdem rate er Laschet dringend, die Zukunftsteams nicht nur mit "alten Schlachtrössern" zu besetzen.

Und auch für künftige Koalitionen hat der Bayer ungefragten Rat: Schwarz-Grün soll es werden. Die FDP demnach der leichtere, die Grünen aber der spannendere Partner.

Am liebsten mit der FDP

Und Laschet? Mäanderte auf dem Familienunternehmertag durch Satzbau und Koalitionsfragen: "Mit wem würde ich am liebsten? Das hab ich gesagt. Die FDP steht uns politisch am nächsten."

"Das reicht nicht", sagt da die Moderatorin. Laschet denkt nach. "Das entscheidet der Wähler - und nach jetziger Lage scheinen die Grünen in irgendeiner Form an einer nächsten Regierung beteiligt werden zu können."

Semantisch schwierig. Irgendwie typisch für diese Laschet-Tage. Söder übrigens beendete sein Interview so, wie es begann. Vieldeutig, mit leicht drohender Grundierung. Er werde sich nicht zurücklehnen. "Wie sagt Paulchen Panther immer?", fragte Söder. "Heute ist nicht alle Tage, ich komm wieder, keine Frage."

Laschet wird es sehr aufmerksam gelesen haben.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 24. April 2021 um 13:22 Uhr.