Armin Laschet | REUTERS

Entscheidung der K-Frage Laschet dankt Söder für "fairen Umgang"

Stand: 20.04.2021 16:00 Uhr

Die K-Frage in der Union ist entschieden: CDU-Chef Laschet wird Kanzlerkandidat. Er danke der CSU und auch Markus Söder für seine angekündigte Unterstützung. Zuvor hatte Söder seine Bewerbung zurückgezogen.

Der CDU-Vorsitzende Armin Laschet hat der CSU für die Unterstützung seiner Kanzlerkandidatur gedankt. "Ich danke Markus Söder dafür, dass er der CDU und auch mir persönlich die Unterstützung der CSU und auch des Parteivorsitzenden der CSU zugesagt hat", sagte er. Die CSU habe die Entscheidung der CDU ermöglicht: "Das ist ein großer Vertrauensbeweis."

Er lobte Söder und die CSU "für den guten, fairen Umgang in einer sehr weitreichenden Entscheidung". Das Verhältnis zu Söder nannte der CDU-Chef gut und vertrauensvoll. CDU und CSU müssten als Team in den Wahlkampf gehen. Söder solle dabei "eine zentrale Rolle" spielen.

Söder zieht zurück

Zuvor hatte Söder seine Bewerbung zurückgezogen. "Die Würfel sind gefallen. Armin Laschet wird Kanzlerkandidat der Union", sagte Söder in der CSU-Zentrale in München. "Wir werden ihn ohne Groll mit voller Kraft unterstützen." Der bayerische Ministerpräsident betonte, jetzt komme es darauf an, die Reihen zu schließen. "Nur eine geschlossene Union kann am Ende erfolgreich sein." Er habe Laschet angerufen und zur Kanzlerkandidatur gratuliert.

Der CDU-Bundesvorstand hatte in der Nacht nach mehr als sechsstündiger kontroverser Diskussion mit 77,5 Prozent für Laschet als Kanzlerkandidat der Union gestimmt. 31 Mitglieder votierten für den Parteichef, neun CDU-Politiker stimmten für Söder, sechs enthielten sich. Bayerns Ministerpräsident hatte am Montagmittag nach einer Sitzung des CSU-Präsidiums mit Blick auf die Sitzung des CDU-Vorstands betont: "Wenn die CDU heute Abend souverän zu einer klaren Entscheidung kommt, werden wir das respektieren."

"Söder war der Kandidat der Herzen"

CSU-Generalsekretär Markus Blume bekräftigte die Einschätzung seiner Partei, dass Söder wegen der Umfragewerte der bessere Kandidat gewesen wäre. "Markus Söder war erkennbar der Kandidat der Herzen", sagte Blume. Aber in der Demokratie, gerade in der innerparteilichen Demokratie, entschieden Mehrheiten.

Ob damit die kontroverse Debatte um die Kanzlerkandidatur in der Union gänzlich beendet ist, bleibt abzuwarten. "Es wird sicher noch Diskussionen geben, aber wir jedenfalls werden unseren Beitrag zum gemeinsamen Erfolg leisten", sagte auch Söder. Mit Spannung erwartet werden daher insbesondere die Reaktion der Unionsfraktion im Bundestag und die Rückmeldungen von der CDU-Basis. Hier hatte es in den vergangenen Tagen großen Zuspruch für Söder gegeben.

Brinkhaus fordert geordneten Prozess für die nächste K-Frage

Als Konsequenz aus dem Machtkampf um die Kanzlerkandidatur sollten CDU und CSU nach Auffassung ihres Bundestagsfraktionschefs Ralph Brinkhaus für die Zukunft ein klares Verfahren für diese Entscheidung festlegen. Wenn wieder eine solche Entscheidung anstehe, solle "rechtzeitig vorher" definiert werden, wie der Prozess ablaufe, sagte er. "Wir tun gut daran, dass wir aus den letzten Wochen lernen", sagte er mit Blick auf das Ringen von Laschet und Söder um die Kanzlerkandidatur. Die Entscheidungsfindung sei "durchaus ein sehr schwerer Prozess" gewesen, urteilte Brinkhaus.

Glückwünsche der Kanzlerin, Gratulation von Grünen und FDP

Auch Kanzlerin Angela Merkel äußerte sich heute zur Kanzlerkandidatur in der Union: "Herzlichen Glückwunsch, lieber Armin Laschet, zur neuen Aufgabe als Kanzlerkandidat der Union", hieß es in einer Erklärung Merkels, die ihr Sprecher Steffen Seibert auf Twitter veröffentlichte. "Ich freue mich auf die kommenden Monate unserer Zusammenarbeit."

Auch SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz gratulierte dem CDU-Vorsitzenden via Twitter.

Die designierte Grünen-Kanzlerkandidaten Annalena Baerbock sprach ebenfalls ihr Glückwünsche aus: "Ich setze auf einen fairen Wahlkampf um die Führung dieses Landes."

Auch FDP-Chef Christian Lindner äußerte sich: "Herr Laschet ist ein Regierungschef und Verhandlungspartner, den wir für seine Fairness schätzen. Es gibt viele inhaltliche Fragen, in denen wir mit Herr Laschet, auch im konkreten Regierungshandeln, übereinstimmen", sagte er mit Blick auf die gemeinsame Koalition in Nordrhein-Westfalen.

Kritik aus der Linkspartei

Die Linkspartei kritisierte dagegen das Vorgehen der CDU. "Nach Wochen unermüdlicher Grabenkriege" hätten die "CDU-Altvorderen" Laschet durchgedrückt, sagte Co-Parteichefin Susanne Hennig-Wellsow der Nachrichtenagentur dpa. "Ich will gar nicht wissen, womit die CDU hinter verschlossenen Türen Markus Söder zum Rückzug gezwungen hat, aber eine souveräne Kandidatenkür sieht anders aus."

Die Entscheidung für Laschet als Kanzlerkandidaten der Union hat aus Sicht der AfD keinen Einfluss auf das, was nach der Wahl kommt. Schon jetzt sei klar, "wer CDU wählt, bekommt am Ende tatsächlich Grün", sagte der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen. Dass Söder jetzt trotz seiner besseren Umfragewerte auf die Kandidatur verzichtet habe, "dürfte vor allem daran liegen, dass Laschet andernfalls auch sein Amt als CDU-Vorsitzender hätte aufgeben müssen. Denn ein Vorsitzender, den seine eigene Partei nicht für kanzlertauglich hält, wäre eine unhaltbare Fehlbesetzung."

Über dieses Thema berichtete am 20. April 2021 die tagesschau und tagesschau24 um 12:00 Uhr.