Sitzung des Untersuchungsausschusses des Bundestags zum Bilanzskandal Wirecard am 26.03.2021 | dpa

Wirecard-U-Ausschuss Große Namen, kleine Erkenntnis?

Stand: 20.04.2021 07:53 Uhr

Im Wirecard-Untersuchungsausschuss wird in diesen Tagen viel politische Prominenz erwartet: Aber können die großen Namen wie Scholz, Altmaier und Merkel wirklich zur Aufklärung beitragen?

Von Alfred Schmit, ARD-Hauptstadtstudio

Mit den Abstandsregeln könnte es diese Woche vor dem Sitzungssaal des Untersuchungsausschusses knifflig werden. Denn große Namen ziehen immer ganze Pulks von Beobachtern an, zur Hauptstadtpresse kommen beim Thema Wirecard noch Finanzmedien dazu.

Alfred Schmit ARD-Hauptstadtstudio

So war es auch als Ex-Bundesminister Karl-Theodor zu Guttenberg kam - allerdings lieferte die Anhörung über seine Lobbyarbeit ein Ergebnis mit nur wenig Substanz. Das soll sich nicht wiederholen. 

Was wusste Altmaier?

Von der heutigen Befragung von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier versprechen sich die Abgeordneten Aufklärung über Bilanzprüfungsfirmen wie KPMG - und vor allem über EY, vormals bekannt als Ernst & Young. Sie haben bei Wirecard in die Bücher geschaut - und Altmaier ist politisch zuständig für die Aufsicht über diese Firmen. Die Hauptfragen an ihn: Warum fiel erst so spät auf, dass bei Wirecard die Bilanzen nicht stimmen?

Und wie kann verhindert werden, dass dies noch einmal passiert. Danyal Bayaz, für die Grünen im Ausschuss, hat selbst früher bei einer Consulting-Firma gearbeitet, und findet: Im Fall Wirecard hat die Bilanzprüfung klar versagt. Der Wirtschaftsstandort sei ramponiert, der Imageschaden groß. "Da muss sich der Bundeswirtschaftsminister selbst an die Nase fassen: Wo hat seine Behörde nicht ordentlich gearbeitet?", sagt Bayaz.

Nach der Befragung des Bundeswirtschaftsministers kommt die Digitalbeauftragte des Kanzleramtes, Dorothee Bär, an die Reihe. Was wusste sie über die Geschäfte des verschachtelten Tech-Unternehmens?

Der Mittwoch wird der stille Star in der Promiwoche beim Wirecard-Untersuchungsausschuss: Hier kommen Justizministerin Christine Lambrecht und Finanzstaatssekretär Jörg Kukies - er muss sich Vorwürfe anhören, die Reform der deutschen Finanzaufsicht BaFin verschlafen zu haben.

Scheinwerfer auf Scholz

Wenn dann am Donnerstag und Freitag Finanzminister Olaf Scholz und die Kanzlerin kommen, werden viele Scheinwerfer auf sie gerichtet sein. SPD-Obmann Jens Zimmermann glaubt allerdings: So groß die Aufmerksamkeit auch sein mag - so gering könnte die Erkenntnis sein. Es werde eine große Enttäuschung geben bei der Vernehmung der Kanzlerin und des Finanzministers, sagt er. "Beide werden nicht groß zu Aufklärung beitragen können, weil sie persönlich kaum mit diesen Themen befasst waren."

Große Welle, wenig Inhalt: Das Risiko besteht. Allerdings können sich die bisherigen Ergebnisse des Untersuchungsausschusses absolut sehen lassen: Minister Scholz sah sich gedrängt, einen Gesetzentwurf für mehr Finanzmarktsicherheit vorzulegen. Führende Köpfe in der deutschen Finanzaufsicht wurden zur Verantwortung gezogen. Einige verloren ihre Jobs, weil ihnen durch die Aufklärungsarbeit im Ausschuss Fehlverhalten nachgewiesen wurde. Außerdem bekommt die Finanzaufsicht BaFin eine Reform verpasst, die auch noch nicht abgeschlossen ist.  

Die Promi-Woche bringt jedenfalls eines mit sich: Mehr Aufmerksamkeit dafür, wie durch diese 22-Milliarden-Euro-Pleite das Geld vieler Anleger verloren ging.

Über dieses Thema berichtete am 20. April 2021 Inforadio um 06:49 Uhr und tagesschau24 um 11:00 Uhr.