Rednerpult in Schloss Bellevue | AFP

Wahl des Bundespräsidenten Wer gegen Steinmeier antritt

Stand: 12.02.2022 11:56 Uhr

An der Wiederwahl Steinmeiers zum Bundespräsidenten gibt es wenig Zweifel. Doch wer sind die Gegenkandidaten und die Gegenkandidatin - und was erhoffen sich die Parteien von den Nominierungen?

Von Lothar Lenz, ARD-Hauptstadtstudio

Er ist es, er will es bleiben und er wird es wohl auch wieder werden: Der ehemalige Kanzleramtschef und Außenminister der SPD, Frank-Walter Steinmeier, gewann als Bundespräsident eine hohe Popularität. Ungewöhnlich früh bekundete er, dass er für eine weitere Amtszeit bereit stehe. Im Mai sagte Steinmeier: "Dieses Amt des Bundespräsidenten - ich empfinde es jeden Tag als Ehre, als Freunde und als enorme Herausforderung."

Lothar Lenz ARD-Hauptstadtstudio

Damals war ihm eine Mehrheit für die Wiederwahl in der Bundesversammlung alles andere als sicher. Nach der Bundestagswahl aber sprachen sich sowohl die die Ampelparteien als auch die Union für eine weitere Amtszeit Steinmeiers aus. Sie sehen in dem gerade 66 Jahre alt gewordenen Westfalen Steinmeier vor allem eine Persönlichkeit, die Menschen zusammenführen kann.

Oder, wie es Steinmeier formuliert: "Ein Bundespräsident kann Brücken bauen. Brücken zwischen den Gruppen in der Gesellschaft. Und Brücken in eine Zukunft, die uns noch große gemeinsame Leistungen abverlangen wird, vor allem im Kampf gegen den Klimawandel."

Linke will politisches Signal setzen

Brücken ganz anderer Art baut Gerhard Trabert, den die Linke nominiert hat. Die Partei weiß, dass ihr Kandidat kaum Chancen hat - aber sie möchte ein politisches Signal setzen: Denn Trabert, 65, ist Professor für Sozialmedizin und er nimmt diesen Begriff ganz wörtlich: Seit Jahren betreut er Flüchtlinge in Kriegsgebieten medizinisch, und versorgt mit einem "Arztmobil" Obdachlose in Mainz.

"Vielleicht kann ja auch mal ein Bundespräsident alle zwei Wochen einmal mit dem Arztmobil weiter unterwegs sein - warum eigentlich nicht?", fragt Trabert. "Die Nähe zu erhalten zu Menschen am Rande unserer Gesellschaft? Warum muss da immer so eine Distanz sein?"

 

Gerhard Trabert | dpa

Die Linke hat den Sozialmediziner Trabert nominiert - um ein Zeichen zu setzen. Bild: dpa

AfD provoziert mit CDU-Mann Otte

Vor allem als Provokation gemeint ist die Kandidatur des AfD-Bewerbers Max Otte. Der 57-Jährige ist Fondsmanager und schreibt Bücher über den Finanzmarkt. Otte war Vorsitzender der rechtskonservativen Werteunion und ist formell auch noch Mitglied der CDU. Aber die will ihn ausschließen aus der Partei.

Otte bestreitet, dass er der AfD nahesteht. Eher habe die seine Einstellungen übernommen, etwa zu den Einschränkungen in der Corona-Pandemie: "Das sind Positionen gewesen, die ich schon deutlich vorher vertreten habe, bevor die AfD dort ihre Richtung gefunden hat."

Was die AfD auch noch fand, waren 30.000 Euro auf ihrem Konto - Parteispenden von Max Otte. Das ergaben Recherchen von WDR und NDR. Allerdings bestreitet die AfD einen Zusammenhang mit Ottes Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten.

 

Max Otte | dpa

Mit der Nominierung des CDU-Mitglieds Otte ist der AfD eine Provokation gelungen. Bild: dpa

Berliner Physikerin kandidiert für Freie Wähler

Die einzige Frau im Kandidaten-Quartett kommt von den Freien Wählern. Die sind in Bayern Regierungspartei, mit einer eigenen Bewerberin für die Bundesversammlung will die Partei nun auch deutschlandweit Beachtung finden.

Stefanie Gebauer ist promovierte Physikerin und lebt in der brandenburgischen Kleinstadt Kremmen, nördlich von Berlin. Als es dort Probleme gab in der Kita ihrer Tochter, ging Gebauer in die Kommunalpolitik. Die 41-Jährige will mit ihrer Kandidatur vor allem Frauen ermutigen, Verantwortung zu übernehmen: "Es ist leider immer noch so, dass für Frauen ein Wendepunkt in ihrem Leben existiert - entweder ich entscheide mich für die Karriere oder für die Familie. Wir sollten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie dringend uns auf die Fahne schreiben."

Stefanie Gebauer | dpa

Mit Gebauers Nominierung buhlen die Freien Wähler um bundesweite Aufmerksamkeit. Bild: dpa

Bewerbungsreden halten dürfen die vier Kandidaten übrigens nicht. Die Bundespräsidentenwahl findet ohne Aussprache statt. Nur der siegreiche Bewerber darf nach der Wahl ans Mikrophon treten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Februar 2022 um 17:00 Uhr.