SPD-Kanzlerkandidat Scholz | dpa
Porträt

SPD-Kanzlerkandidat Scholz Der Zweck-Optimist

Stand: 09.05.2021 02:25 Uhr

Ein Mann mit einem Ziel: "Ich will Kanzler werden", sagt Olaf Scholz mantraartig. Beim Bundesparteitag heute will die SPD nun ernst machen mit Wahlkampf und ihren Kandidaten offiziell durchstarten lassen.

Von Georg Schwarte, ARD-Hauptstadtstudio

"Ich will Kanzler werden." Olaf Scholz sagt die vier Worte so leise und emotionslos, als brauche es für sein Ziel Kanzleramt nicht auch das Talent, Menschen zu begeistern. Scholz aber begeistert nicht. Scholz beruhigt allenfalls. Das größte Pfund des 62-jährigen Juristen: seine Erfahrung.

Georg Schwarte ARD-Hauptstadtstudio

Erfahrung sei auf alle Fälle gut, sagt er. Und fügt hinzu: "Aber Erfahrung muss gepaart sein mit zwei Dingen, die ich ganz wichtig finde: Dem richtigen Herzen, weil es ja um ein gerechtes Leben in der Zukunft geht und ganz unbedingt auch einem Plan für das, was zu tun ist."

Scholz mag Pläne. Und in den wenigen Momenten, in denen er mal ein wenig lauter wird, sagt er das auch. "Was wir wirklich brauchen, ist ein Plan."

Digitale Krönungsmesse

"Zukunft. Europa. Respekt" steht auf seinem Plan. 40 Seiten umfasst das SPD-Wahlprogramm. Der rote Faden auch für seine Rede auf dem Bundesparteitag, der zur digitalen Krönungsmesse werden soll: das Wort vom Respekt.

Respekt und Anerkennung - das seien die Worte, die mit seiner Kandidatur und Kanzlerschaft verbunden sein sollen, sagt Scholz.

Hamburger Hafenpoller

Seriöse Langeweile kann der Mann, den die eigenen Leute einst im November 2019 nicht als ihren Parteivorsitzenden wollten. Klara Geywitz, mit der er damals gemeinsam verlor, lobte später, was Weggefährten an dem Hamburger auch schätzen: seine Verlässlichkeit. "Olaf Scholz, der ist so verlässlich, an dem könnte man ein Tau festmachen."   

Ein Hamburger als Hafenpoller. Nicht aufregend, aber unaufgeregt im Zirkus der Alphatiere. Show und große Geste mag der gebürtige Osnabrücker nicht. Da ist er wie Angela Merkel.

"Ich glaube, in der Politik muss das Posen aufhören", sagt er. Auch sollte man keine Auftritte haben oder Reden halten, wenn man das nicht ordentlich vorbereitet habe.

Angela Merkel und Olaf Scholz | AP

Merkel und Scholz: Beide mögen keine Show oder große Gesten. Bild: AP

"Völlig sachangemessen"

Der Mann, der einst als Anwalt mit Schwerpunkt Arbeitsrecht begann, erst mit 40 in den Bundestag kam, dann Arbeitsminister, Innensenator, Erster Bürgermeister Hamburgs, Finanzminister und Vizekanzler wurde, bereitet sich meistens ordentlich vor. "Ja, das ist völlig sachangemessen."

Sachangemessen - das ist auch so ein Scholz-Wort. Es geht dem Juristen meistens um die Sache, nicht ums Sagen. Reden ist nicht seine allergrößte Stärke. "Regieren geht nicht so, dass man, weil man schnell was sagen möchte, schnell was sagt, was man sich vielleicht besser noch mal überlegt hätte."

Kanzlerkandidat der Herzen?

Scholz überlegt gern und lässt auch durchscheinen, dass er sich überlegen fühlt. Der kleine Hauch Arroganz, der ihn samt norddeutscher Note umgibt, hilft nicht überall in Deutschland, Herzen im Sturm zu erobern. Kanzlerkandidat der Herzen? Scholz würde darüber vermutlich wieder so "schlumpfig" grinsen, wie ihm das CSU-Chef Markus Söder einst wütend vorwarf.

Der beste Koch?

Scholz, der, wie er selbst sagt, privat mehr lacht, als viele denken, benennt andere Kanzlerqualitäten. "Da braucht man Leadership. Da braucht man Führungskraft. Da muss man auch ernsthaft sein."

Ernsthaft kann Scholz auch. Und überhaupt: "Er kann es", rufen sich die Sozialdemokraten gerade beschwörend über ihren Kanzlerkandidaten selbst zu. Der ehemalige bayrische SPD-Chef Florian Pronold vorneweg: "Wir haben mit Olaf Scholz den Kandidaten, der es kann. Wir haben nicht nur die besseren Rezepte. Wir haben auch den besten Koch."

Jetzt müssen sich die Wähler nur noch für das Menü der SPD entscheiden. Im jüngsten ARD-Deutschlandtrend kommen die Sozialdemokraten auf 14 Prozent. Das würde für Scholz allenfalls für den Posten des Chefkochs in der Oppositionskantine reichen.

Scholz bleibt trotzdem Optimist und sieht seine Partei am Ende im oberen 20-Prozentbereich. Und sich selbst natürlich im Kanzleramt. Ehrgeizig war er schon immer. "Denn Ehrgeiz hat vor allem auch dann Sinn, wenn man das alles auch umsetzen kann. Und das haben wir vor."

Dieser Beitrag lief am 09. Mai 2021 um 08:35 Uhr auf MDR Aktuell Radio.