Morgenpendler fahren mit dem Fahrrad auf einer als Fahrradstraße umfunktionierten Straße in Berlin. | dpa

Umfrage des ADFC Radler geben Städten schlechte Noten

Stand: 16.03.2021 14:49 Uhr

Verkehrsminister Scheuer will Deutschland zur Radnation machen. Doch bei einer vom ADFC organisierten Wahl der fahrradfreundlichsten Städte zeigt sich, dass es noch viel zu tun gibt. Viele Radler fühlen sich unsicher.

Von Kai Clement, ARD-Hauptstadtstudio

Zumindest an so einem Tag gibt Verkehrsminister Andreas Scheuer seiner Behörde einen neuen Namen: "Ich begrüße Sie sehr herzlich im Bundesministerium für Radverkehr", sagte er in einer Videokonferenz, in der er gleich sechsmal gratulieren durfte. Denn der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) zeichnete die Siegerstädte in seinem "Fahrradklima-Test" aus.

Kai Clement ARD-Hauptstadtstudio

Der kleinste Sieger ist die nordrhein-westfälische Gemeinde Wettringen im Norden von Münster für Orte bis 20.000 Einwohner. "Wir haben in den Wohngebieten ganz überwiegend verkehrsberuhigte Bereiche", sagte der digital zugeschaltete Bürgermeister Berthold Bültgerds.

Unter den größten Gewinnerstädten mit über 500.000 Einwohnern liegt Bremen vor Hannover und Frankfurt am Main. "Die Fahrradzone bedeutet, dass ein ganzes Quartier sich entschieden hat, dass der Fahrradverkehr vor allem anderen Vorrang hat - also auch dem Auto", sagte Bremens grüne Mobilitätssenatorin Maike Schäfer. Da musste erstmal ein neues Verkehrsschild entwickelt werden.

Tempo 30 im ganzen Stadtgebiet?

Weitere Gewinner sind in ihren jeweiligen Größen-Kategorien das nordhessische Baunatal, Nordhorn in Niedersachsen, Göttingen und Karlsruhe. Der Karlsruher Bürgermeister Frank Mentrup möchte vor allem mehr Pendler zum Umstieg aufs Rad bewegen. Angesichts gut gefüllter Radwege würde der SPD-Politiker gerne auch Autospuren sicherer für Fahrradfahrer machen.

Dafür aber, sagte Mentrup, brauche er die sogenannte Experimentierklausel in der Straßenverkehrsordnung. Die würde es ihm ermöglichen, die ganze Stadt zur Zone 30 zu machen. Verkehrsminister Scheuer will aber vorerst nichts zusagen.

"Autominister Scheuer", wie ihn die Deutsche Umwelthilfe nennt, sieht sich selbst dennoch gerne auch als Fahrradminister. Das betonte er auch in seinem Eingangsstatement: "Wir stellen bis 2023 eine Rekordsumme von annähernd 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Am Geld scheitert es nicht." Jetzt müsse dafür gesorgt werden, dass die Programme auch in die Realität umgesetzt würden. Sein Ziel bleibe, "Deutschland zum Fahrradland zu machen":

"Noch viel Luft nach oben"

Trotz aller Auszeichnungen üben die 230.000 Radlerinnen und Radler, die sich diesmal an der nicht repräsentativen Online-Befragung beteiligt haben, auch scharfe Kritik: Radwege sind zu schmal oder zugeparkt. Insgesamt ist das Sicherheitsgefühl weiter schlecht, sagen 69 Prozent. Der Wunsch nach Verbesserungen für die vielen Radler in Corona-Zeiten sei nicht wahr geworden - so gibt es am Ende die vernichtende Schulnote 5, mangelhaft.

Besser, aber auch nicht gut, fällt die Gesamtnote für die Zufriedenheit der Radfahrer aus, sagte der ADFC-Vorsitzende Ulrich Syberg. Mehr als eine 3,9 war nicht drin. Vor zwei Jahren fiel das Ergebnis der Umfrage ähnlich aus. "Da ist also noch viel Luft nach oben", sagte Syberg.

Immerhin erhält Berlin einen Sonderpreis als die Stadt, die sich seit Beginn der Corona-Pandemie besonders für den Radverkehr engagiert hat - etwa durch verkehrsberuhigte Zonen, Poller gegen Autos oder temporäre Radspuren, sogenannte Pop-up-Streifen. 

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 16. März 2021 um 10:17 Uhr.