Lothar Wieler und Karl Lauterbach | dpa

Lauterbach über Neuinfektionen Dunkelziffer dürfte doppelt so hoch sein

Stand: 25.03.2022 11:33 Uhr

Gesundheitsminister Lauterbach hat angesichts der vielen Neuinfektionen von "keiner guten Situation" gesprochen. Er geht sogar davon aus, dass die Zahl doppelt so hoch ist wie offiziell gemeldet. An die Bundesländer hat er klare Erwartungen.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sieht Deutschland wieder in einer schweren Corona-Welle. "Es ist leider keine gute Situation", sagte er auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Chef des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler. Denn der SPD-Politiker geht davon aus, dass die offiziell gemeldeten Infektionszahlen von gegenwärtig rund 300.000 pro Tag eigentlich doppelt so hoch sind.

Die genaue Dunkelziffer sei aber nicht bekannt, sagte Lauterbach. Es könne aber jetzt nicht einfach abgewartet werden. Es sei eine Situation entstanden, in der man nicht einfach abwarten könne, bis besseres Wetter die Lage entspanne. "Wir können es nicht lassen, wie es derzeit ist", mahnte Lauterbach. Durchschnittlich 300 Tote am Tag und eine Überlastung des Gesundheitssystems seien nicht akzeptabel.

Lauterbach pocht auf Hotspot-Regelung

Er forderte die Bundesländer deshalb auf, dringend gegenzusteuern. Der Minister appellierte an die Länder, jetzt Regelungen nach dem geänderten Infektionsschutzgesetz umzusetzen, die für sogenannte Hotspots in kritischer Lage regional möglich sind. Lauterbach bekräftigte erneut, dass Hotspots auf diese Weise auch ein ganzes Bundesland umfassen könnten.

Als Kriterium sei vor allem die Situation in Krankenhäusern heranzuziehen. Wenn die Notfallversorgung nicht mehr sichergestellt werden könne, planbare Eingriffe abgesagt oder verlegt werden müssten und Untergrenzen für das Pflegepersonal unterschritten würden, könne die Hotspot-Regelung greifen.

Bei einer Gesundheitsministerkonferenz an diesem Montag solle mit den Ländern gesprochen werden, um diese Regelung gangbar zu machen. Das von der Ampel-Koalition geänderte Infektionsschutzgesetz ist auf breiten Protest der Länder gestoßen. Nach einer Übergangsfrist bis zum 2. April können sie für regionale Hotspots einige weitergehende Beschränkungen mit mehr Maskenpflichten und Zugangsregeln verhängen, wenn das Landesparlament für diese eine kritische Lage feststellt.

Mehrmals Appelle für vierte Impfung

Lauterbach wandte sich eindringlich an bisher Ungeimpfte, sich jetzt schnell zumindest eine erste, bereits schützende Impfung geben zu lassen. Bei den aktuell hohen Infektionszahlen müssten Ungeimpfte damit rechnen, sich in den nächsten Tagen zu infizieren. Dies gelte auch für jene, die sagten, sie seien zwei Jahre gut durchgekommen.

Lauterbach beklagte in dem Zusammenhang, dass noch zu wenige Menschen eine vierte Impfung erhalten haben. Nur zehn Prozent derer, für die diese Auffrischung empfohlen sei, seien ein viertes Mal geimpft, sagte er. Auch RKI-Präsident Wieler gab keine Entwarnung bei der Infektionslage. Es komme jetzt sehr darauf an, "wie wir uns jetzt verhalten", sagte er. Auch er appellierte an die Bürger, sich nochmals impfen zu lassen.

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz stieg laut RKI weiter auf einen Höchstwert von nun 1756,4 - nach 1752,0 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen am Vortag. Die Gesundheitsämter meldeten 296.498 neue Fälle an einem Tag, registriert wurden 288 weitere Todesfälle binnen 24 Stunden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. März 2022 um 12:00 Uhr.